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Hannovers Coach Mirko Slomka (l.) war zwischen 2006 und 2008 Trainer von Schalke 04 © getty

Hannovers Trainer fühlt sich nach dem Remis gegen Mainz vom Unparteiischen beklaut und übt scharfe Kritik. Mainz zeigt sich überrascht.

Von Barnabas Szöcs und Jürgen Blöhs

^München/Hannover - Ein ziemlich ungehaltener Mirko Slomka, ein Bierbecherwurf und ein gellendes Pfeifkonzert:

Die Spaßbremse bei der geplatzten Tabellenführer-Party hatten sie bei Hannover 96 schnell gefunden. Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte sich beim 1:1 (1:1) gegen den FSV Mainz 05 (Spielbericht) mit zahlreichen Entscheidungen den Zorn der Zuschauer und auch von 96-Trainer Mirko Slomka zugezogen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Besonders ein abgepfiffenen Angriff in der Nachspielzeit brachte Slomka auf die Palme: "In der letzten Minute hat er uns eine Großchance gestohlen, das finde ich sehr ärgerlich."

Doch damit nicht genug, Slomka hatte sich auf Aytekin und sein Team eingeschossen. "Der Schiedsrichter hatte heute in vielen Szenen keine glückliche Hand", sagte er und fügte leicht süffisant an: "Er wird das anders sehen."

Becherwurf weckt Erinnerungen

Dabei hatte Hannover auch Glück ? sowohl sportlich als auch abseits des Spielfelds: Ein von der Tribüne geworfener leerer Bierbecher verfehlte Aytekins Assistenten nur um einen oder zwei Meter.

Sofort wurden Erinnerungen an den Skandal auf St. Pauli wach, der am 1. April 2011 einen Spielabbruch und eine Platzsperre für die inzwischen in der Zweiten Liga spielenden Hamburger zur Folge hatte.

Slomka holte den Becher umgehend vom Platz, kommentierte die unschöne Aktion mit den Worten: "Der Becher hat auf dem Feld nichts zu suchen."

Deja-vu dank 96-Duo

Sami Allagui (2.) hatte Mainz frühzeitig in Führung geschossen, ehe Mohamed Abdellaoue in der 30. Minute ausglich. Das Tor ähnelte sehr seinem Rückspiel-Treffer in der Europa League ? auch dort gab der überragende Konstantin Rausch die Vorlage 446208(DIASHOW: Der 4. Spieltag).

Abdellaoue vergab dann in der 69. Minute bei einem Kopfball aber die große Chance zum Siegtor - und zum vorübergehenden Sprung an die Spitze, den Hannover schon beim 1:1 in der Vorwoche gegen Hertha BSC Berlin versäumt hatte.

"Haben uns dusselig angestellt"

"Nachdem wir uns in der Anfangsphase etwas dusselig angestellt haben, haben wir uns gut reingearbeitet in das Spiel", meinte Slomka: "Es hat leider nicht gereicht, den entscheidenden Treffer zu setzen. Da müssen wir daran arbeiten, dass wir da noch etwas zielsicherer werden. Heute war es sicher auch der Müdigkeit geschuldet, da hat dann im entscheidenden Moment die Konzentration gefehlt."

Sein Kollege Thomas Tuchel lobte die Qualität des Spiels.

"Es war ein gutes Bundesliga-Spiel auf hohem Niveau", sagte der 05er-Trainer: "Mit fünf, sechs hochkarätigen Chancen kann man ein Auswärtsspiel auch mal gewinnen. Aber wir wollen über den einen Punkt nicht meckern, es ist auch ein gutes Zeichen, dass wir so viele Chancen herausspielen."

Erste Tabellenspitze nach 42 Jahren verpasst

Eines aber wird bei 96 immer deutlicher: Die Ansprüche in Hannover sind deutlich gestiegen, obwohl eigentlich nichts Dramatisches passiert war.

Zweieinhalb Tage nach dem sensationellen Sprung in die Gruppenphase der Europa League verpassten die Überflieger die erste Tabellenführung seit 42 Jahren, die Enttäuschung hielt sich jedoch in Grenzen.

"Schade, dass wir die Tabellenführung nicht erkämpft haben", sagte Hannovers Verteidiger Karim Haggui. "Es wäre schön gewesen, zwei Wochen oben zu stehen", sagte Haggui und spielte auf die kommende Länderspielpause an, die 96 "sehr gelegen kommt".

"Wir waren müde"

Dass die Hausherren in der ersten Halbzeit müde und teils unkonzentriert wirkten, hatte laut Slomka "nichts zu tun" mit dem Spiel im Backofen von Sevilla.

Karim Haggui sah es nicht ganz so wie sein Trainer: "Wir waren müde. Ich habe es in den Beinen gespürt."

So oder so: Mächtig angefressen verschaffte sich Slomka nach 45 Minuten in der Kabine Luft: "Ich war sehr verärgert in der Pause, das habe ich der Mannschaft auch gesagt."

Allagui von 96-Fitness überrascht

Es wirkte. Bis zur letzten Minute gaben seine Jungs Vollgas und setzten Mainz unter Druck, die lautstarke Ansprache Slomkas hatte die Müdigkeit scheinbar verweht.

Der Doppelbelastung mit Bundesliga und Europa League fühlt sich Hannover gewachsen: "Wir wissen, was auf uns zukommt", so Haggui.

Der in der Europa League gescheiterte Gegner aus Mainz hatte mit der Müdigkeit der 96er gerechnet, wie Torschütze Sami Allagui verriet: "Wir wussten, dass sie geistig nicht so frisch sind würden. Dafür haben sie mich in der zweiten Halbzeit überrascht."

Slomka sieht sich derweil genötigt, allzu große Erwartungen an seine Mannschaft zu dämpfen: "Wir sind noch keine Spitzenmannschaft. Eine Spitzenmannschaft hätte nach einem Europapokal-Spiel gegen Hertha und Mainz nicht 1:1 gespielt, sondern gewonnen."

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