In seiner SPORT1-Kolumne fragt sich Huub Stevens, warum es keine größeren Konsequenzen für den DFB-Kapitän gibt.

Hallo Fußball-Freunde,

Der große Aufreger der vergangenen Woche waren die Zitate aus Philipp Lahms Biographie.

Was er gemacht hat, geht nicht. Lahm hat frühere Trainer wie Jürgen Klinsmann, Rudi Völler oder Louis van Gaal angegriffen. Das hätte er machen sollen, als er unter ihnen trainiert hat und nicht erst jetzt.

Interne Sachen sollten intern bleiben. Da werden alle anderen Trainer meine Meinung bestätigen. Wenn früher ein Mitspieler über interne Sachen geredet hat, dann hat man das auch intern geregelt.

Dann haben ihm die anderen schon gezeigt, wo es langgeht.

Das darf er als Kapitän der Nationalmannschaft nicht machen. Das darf er auch als Kapitän des FC Bayern eigentlich nicht machen.

Andererseits: Beim Rekordmeister wird so etwas öfters getan. Dort wird viel geredet. Das ist ein Teil des Spiels, dass sie spielen.

Ehrenpräsident Franz Beckenbauer meldet sich doch auch immer zu Wort und erzählt viel darüber, was im Klub passiert, was ich auch nicht für richtig halte.

Wenn sich dann mal ein Spieler zu Wort meldet, ist das nicht ganz so schlimm

Aber bei der Nationalmannschaft ist das ein großes Problem. Immerhin ist es der Kapitän, der Sachen aus der Kabine ausplaudert.

Ich finde, da hätte der DFB ein deutlicheres Zeichen setzen müssen.

Kommen wir aber zu dem, was am Wochenende auf dem Platz passiert ist: Am Samstag habe ich mir den Krisengipfel zwischen meinen Ex-Klubs Hamburg und Köln angeschaut. Dabei habe ich unheimlich viele Fehler gesehen.

Nicht nur beim HSV, sondern auch bei Köln. Der FC hat letztlich etwas mehr Glück gehabt und am Ende mit 4:3 gewonnen. Die Kölner können natürlich froh sein, dass sie die drei Punkte mitnehmen. Aber ein Befreiungsschlag war das bei den vielen Fehlern in der Defensive nicht.

Für den HSV ist die Niederlage natürlich umso schlimmer. Schon wieder hat die Mannschaft vier Tore kassiert. Aber kann man nicht nur den Abwehrspielern Vorwürfe machen. Das Defensivverhalten fängt vorne an.

Wenn ich schon sehe, wie ungedeckt der eingewechselte Kölner Christian Clemens beim zwischenzeitlichen 3:3 ist. Er steht völlig blank am Elfmeter! Da muss ich doch eine Zuordnung haben!

Trotzdem sprachen Trainer Michael Oenning und Sportdirektor Frank Arnesen nach dem Spiel über Fortschritte, die sie ausgemacht haben wollen.

Aber natürlich machen sie das, das müssen sie doch sagen!

Sie wollen der Mannschaft Selbstvertrauen einreden. Aber wenn man zu Hause 3:4 verliert, ist das natürlich eine Katastrophe für das Selbstbewusstsein.

Oenning hat von Klub-Boss Carl-Edgar Jarchow eine Jobgarantie ausgestellt bekommen.

Und das ist auch gut so. Ich weiß aber nicht, was passiert, wenn der Erfolg weiter ausbleibt und der HSV nach zwei weiteren Spielen immer noch nur einen Punkt hat.

Ich hoffe aber, dass die Hamburger bald die Kurve bekommen. Ich habe dort gearbeitet und kenne noch viele Leute, die dort tätig sind.

Und wenn die Mannschaft erstmal ein Erfolgserlebnis hat, kann es ganz schnell gehen.

Bis nächste Woche,Euer Huub Stevens

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