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Ausgelassene Stimmung: Hoffenheim feiert den Herbstmeistertitel © getty

Hoffenheim wandelt auf historischen Spuren, doch 1899-Coach Ralf Rangnick sieht eine Menge Arbeit auf sich zukommen.

Von Tobias Schneider und Matthias Becker

München/Mannheim - Es war ein charakteristisches Bild:

Matthias Jaissle war der erste Hoffenheimer, der sich nach dem Kampfspiel gegen Schalke 04 (1:1) den Journalisten stellte.

Verschwitzt stand der junge Hoffenheimer Innenverteidiger der versammelten Pressemeute Rede und Antwort:

"Wir schreien förmlich nach der Winterpause. Wir haben heute noch einmal versucht, alles zu mobilisieren", erklärte Jaissle nach einer keineswegs hochklassigen, aber sehr emotional geführten Partie.

Hopp: "Ich bin unheimlich stolz"

Die Hektik und die aufgeheizte Stimmung während des Spiels waren mit dem Schlusspfiff aber schnell vergessen. Erleichterung und Zufriedenheit über ein erfolgreiches Jahr machten sich breit.

"Erst der völlig überraschende Aufstieg in die Bundesliga und jetzt Tabellenführer. Ich bin unheimlich stolz", sagte Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp und freute sich über die Herbstmeisterschaft.

Verhaltene Freude bei Rangnick

Der Ärger über den verpassten Sieg hielt sich dann auch in Grenzen.

"Wir haben jetzt 35 Punkte. Wenn mir das vor der Saison jemand gesagt hätte, hätte ich ihm nicht geglaubt", sagte Trainer Ralf Rangnick, ergänzte aber: "Ich freue mich schon über Platz eins, aber ich hätte mich noch mehr gefreut, wenn wir zwei Punkte mehr geholt hätten."

Wie einst Kaiserslautern

Punktgleich mit dem Rekordmeister aus München geht Hoffenheim als Spitzenreiter ins neue Jahr.

Letzmals gelang dem 1. FC Kaiserslautern in der Saison 1997/98 als Aufsteiger dieses Kunststück - auch am Ende standen die Pfälzer in der Tabelle ganz oben.

Sensationelle Erfolgsgeschichte

So weit will Rangnick aber noch nicht planen - offiziell zumindest. Vor just einem Jahr dachten wohl nicht einmal die kühnsten Optimisten an eine derartige Erfolgsgeschichte.

Damals lag 1899 in der Zweiten Liga auf Platz acht und hatte acht Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz. Dann setzte der grandiose Siegeszug ein.

"Müssen Antworten finden"

"Besser als das Jahr 2008 gelaufen ist, geht es nicht", blickte Rangnick zurück, mahnte aber auch an, sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen:

"Das ist nun aber alles Geschichte. Die Gegner werden sich auf uns einstellen, wir müssen Antworten finden. Wir werden unsere Fortschritte nicht mehr in Sieben-Meilen-Stiefeln zurücklegen."

Die Winterpause scheint dem "Professor" also nicht ungelegen zu kommen.

1899 lässt Federn

Rangnick hat erkannt: Im Verlauf der Hinrunde hat seine Mannschaft Federn lassen müssen. Die Leichtfüßigkeit vom Saisonbeginn ist ein wenig abhanden gekommen.

Bei umkämpften Partien wie gegen Schalke geht die spielerische Linie verloren, viele Aktionen wirken unüberlegt und umständlich.

Jaissle erkannte folgerichtig: "Schalke war ein sehr starker Gegner, der uns Probleme bereitet hat, ins Spiel zu kommen."

Schalke bringt sich um den Lohn

Gerade in der Anfangsphase waren die Gäste überlegen und ließen die Hoffenheimer nicht zur Entfaltung kommen.

Der Führungstreffer durch Gerald Asamoah (40.) war der Lohn für die Königsblauen, die sich aber einige Undiszipliniertheiten erlaubten und nach dem Platzverweis gegen Jermaine Jones (58., Gelb-Rot) unter Druck gerieten.

Insgesamt vier Platzverweise

Acht Minuten nach dem Ausgleich durch Selim Tebers Freistoßtor (72.) sah auch der erneut desolate Orlando Engelaar die Ampelkarte.

Wegen Reklamierens mussten zudem die Schalker Co-Trainer Youri Mulder und Mike Büskens den Innenraum verlassen.

Höwedes als Lichtblick

Für Schalke geht eine Hinrunde zu Ende, die mehr Fragen hinterlässt, als sie Antworten liefert: Kreativität ist im Spielaufbau kaum vorhanden, die Stürmer verfehlen das Tor, die Neueinkäufe wie Engelaar und Jefferson Farfan waren bisher nicht die erwarteten Verstärkungen.

Einer der wenigen Lichtblicke ist Benedikt Höwedes, Innenverteidiger aus der eigenen Jugend, der seine Klasse gegen Vedad Ibisevic eindrucksvoll unter Beweis stellte und Hoffenheims Torjäger nahezu komplett aus dem Spiel nahm.

"Ich habe Vertrauen in die Mannschaft, dass wir uns verbessern können", meinte Schalkes Trainer Fred Rutten. Sechs Wochen hat er nun Zeit, um Schalke auf Kurs zu bringen.

Abschied aus Mannheim

Die Hoffenheimer führt der Weg fort von Mannheim. Auf einem Transparent bedankten sich die Herbstmeister bei den Zuschauern im Carl-Benz-Stadion, das 1899 in der Hinrunde als Heimspielstätte diente.

Zur Rückrunde ist das eigene Stadion ins Sinsheim bezugsfertig: "Die Atmosphäre hier war außerordentlich", dankte Rangnick für die Unterstützung, "wir verlassen Mannheim mit einem weinenden Auge."

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