vergrößernverkleinern
Jürgen Klopp wechselte im Sommer 2008 von Mainz nach Dortmund © getty

In Dortmund ist die Harmonie erst mal dahin: Götze wehrt sich. Dickel beschimpft den Schiri - und entschuldigt sich auf SPORT1.

Von Daniel Rathjen

München - Es war der Aufreger des 4. Spieltags und er schlägt weiter hohe Wellen.

Schiedsrichter Wolfgang Stark zückt Rot gegen Mario Götze nach einem Tritt gegen Hanno Balitsch 443246(DIASHOW: Der 4. Spieltag).

Außerdem vermerkte Stark in einem Sonderbericht, Götze habe noch in Richtung seines Gegenspielers gespuckt. (Nachbericht):

Mittlerweile wurde Götze für zwei Spiel gesperrt und ist außerdem zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro verurteilt worden.

Ausgerechnet der so bodenständige BVB-Jungstar, bislang Mr. Perfect, ist nach dem giftigen 0:0 gegen Bayer Leverkusen das Gesprächsthema schlechthin.

Am Samstag weigerte sich der 19-Jährige zunächst noch, einen Kommentar zu der strittigen Szene aus der 77. Minute abzugeben (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Jetzt bricht er aber doch sein Schweigen und schildert den Vorfall aus seiner Sicht.

"Balitsch trifft mich von hinten, er fädelt ein und zieht mein Bein mit. Ich habe mir die Szene Samstagnacht noch 50 Mal angeschaut und habe sie 50 Mal genauso empfunden, wie ich das jetzt schildere", sagt er in den "Ruhr Nachrichten".

Und Götze fügt an: "Der Punkt ist: Balitsch befindet sich hinter mir. Wenn ich ihn wirklich hätte treffen wollen, hätte ich ja in die Gegenrichtung treten müssen - aber das habe ich nicht getan. Es ist ein Unding, dass die Szene als Tätlichkeit gewertet wird."

Götze rechtfertigt sich

Zum Vorwurf des Spuckens sagt Götze: "Ja, ich habe im Eifer des Gefechts auf den Boden gespuckt, das war's. Wenn man die Szene in der Totalen verfolgt, sieht man auch, dass Balitsch zu diesem Zeitpunkt mindestens zehn Meter von mir entfernt war."

Deshalb könne er auch nicht verstehen, dass Herr Stark im Nachhinein behaupte, er habe in Richtung Balitsch gespuckt. "Ich hatte ihn ja extra gefragt, was ich denn verbrochen habe. Da war von Spucken aber keine Rede."

Der Nationalspieler beteuert: "Ich kann nur versichern: Ich bin nicht der Typ, der eine Tätlichkeit begeht. Und anspucken würde ich ohnehin niemanden."

Auch Kehl wird gesperrt

Neben Götze müssen die Dortmunder müssen in den kommenden beiden Spielen auch auf Kapitän Sebastian Kehl verzichten, obwohl dieser in Leverkusen gar nicht zum Einsatz gekommen war.

Kehl hatte den 4. Offiziellen Markus Schmidt leicht mit der Hand gegen die Schulter gestoßen und wurde vom Sportgericht des DFB wegen unsportlichen Verhaltens gesperrt.

Generell wirkt die Stimmung bei den Westfalen gereizt bis nervös.

Erhitzte Gemüter

BVB-Sportdirektor Michael Zorc brach im "kicker" eine Lanze für Götze: "Wir dürfen nicht die Opfer zu Tätern machen. Mario will Fußball spielen und kriegt permanent auf die Socken. Jetzt Dinge an den Haaren herbeizuziehen, ist nicht in Ordnung."

Der Platzverweis brachte Trainer Jürgen Klopp ebenfalls auf die Palme. Im TV stänkerte er unverblümt, raunzte "Sky"-Fieldreporter Ecki Heuser schroff an: "Jetzt hören Sie mir doch mal zu, verdammte Scheiße." Meisterlich ist etwas anderes.

Dickel poltert im Netradio

Auch der Kommentar von Norbert Dickel und seinem Partner Boris Rupert im offiziellen BVB-Netradio war unter der Gürtellinie. ´

Dickel polterte live gegen Stark: "Lächerlich! Stark, du Blinder! Das ist eine Frechheit! Balitsch tritt dem Götze in die Knochen, von hinten immer in die Knochen!"

Auch beim nicht gegebenen Treffer von Mats Hummels wurde er ausfallend: "Was pfeift der denn jetzt wieder ab!" Rupert ergänzt: "Nicht zu glauben, was sich dieser Mann zusammen pfeifen darf. Jetzt hat er alles gegeben, dass wir hier nicht gewinnen." Auch ein übles Schimpfwort fällt.

Entschuldigung bei BUNDESLIGA Aktuell

Dickel entschuldigte sich für den Ausraster: "Es tut mir leid. Ich bin übers Ziel hinausgeschossen", sagte der BVB-Stadionsprecher bei SPORT1. Ein "A-Wort" sei aber weder von ihm, noch von seinem Kollegen gefallen. Ein Außenstehender haben das Wort gerufen.

Am Abend nahm Dickel bei BUNDESLIGA Aktuell nochmal Stellung. "Ich möchte mich bei Wolfgang Stark entschuldigen, auch im Namen meines Kollegen. Wir können gerne miteinander ein Bier trinken. Ich kann nur sagen, es tut mir leid, es wird nicht wieder vorkommen", sagte Dickel.

Insgesamt auf dem richtigen Kurs

Von der Aufregung rund um Götze abgesehen, hat der BVB momentan eigentlich wenig zu beklagen.

Der Saisonstart war mit sieben Punkten nicht fantastisch, aber immerhin solide - in der Champions League warten attraktive Gegner.

Auch wirtschaftlich ist der Meister auf Kurs.

Der börsennotierte Verein verkündete jüngst ein Rekord-Ergebnis mit einem Umsatz von 136,4 Millionen Euro und einem Gewinn von 9,5 Millionen Euro.

Per Stichtag 30. Juni wies der Geschäftsbericht der Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA für die Saison 2010/11 allein erhöhte Einnahmen aus dem Sponsoring von 49,9 Millionen Euro (Vorjahr: 38,9 Mio.) aus.

Watzke schwärmt

Damit befindet sich der BVB, der 2005 vor dem wirtschaftlichen Kollaps gestanden hatte, weiter auf dem Weg der Konsolidierung.

Die Gesamtverbindlichkeiten, die vor einem Jahr noch bei 59,2 Millionen Euro lagen und überwiegend das Stadion betreffen, konnten auf rund 56,1 Millionen Euro reduziert werden.

"Unsere Strategie ist aufgegangen", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Sportlich werde man beim BVB weiterhin auf junge Spieler setzen und auch in der kommenden Saison versuchen, rauszuholen, was rauszuholen ist.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel