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Abschied vom HSV nach zwei Jahren: Elia spielt künftig für Juventus Turin. © imago

Der Holländer fühlte sich als Superstar und wollte in van der Vaarts Fußstapfen treten. Nun ist er als Missverständnis gegangen.

Von Maik Rosner

München - Als sich Eljero George Rinaldo Elia im Sommer 2009 beim Hamburger SV vorstellte, hatte er große Pläne.

Er wolle in die Fußstapfen von Rafael van der Vaart treten, sagte das Talent damals. Und auch von seinem nächsten Schritt hatte er bereits klare Vorstellungen.

Der HSV, ließ der Offensiv-Allrounder wissen, sei ein idealer Zwischenschritt zu einem europäischen Topklub. So etwas sagt man besser nicht am ersten Arbeitstag.

Nun hat Elia die Hanseaten nach zwei Jahren tatsächlich verlassen. Doch weder sein Vorhaben, van der Vaart zu beerben, ist geglückt, noch ist er nun bei einem europäischen Topklub gelandet.

In Turin sucht der 24-Jährige jetzt sein Glück, obwohl Juventus in dieser Saison nicht einmal in der Europa League antreten darf. Auf das Sprungbrett HSV, auf dem er sich wähnte, ist er letztendlich aufgeklatscht.

"Er braucht Hilfe"

Elia, sagen sie in Hamburg, war vielleicht tatsächlich der beste Fußballer seit van der Vaart. Doch der niederländische Nationalspieler blieb immer ein unerfülltes Versprechen.

Noch vor wenigen Tagen hatte Trainer Michael Oenning gesagt:

"Er hat eine gute Vorbereitung gemacht, dann hat er schlecht gespielt und ist jetzt ein Suchender. Er braucht Hilfe."

Das "Riesentalent" Elia müsse begreifen, dass er gefordert ist. Er müsse jetzt was tun, was zeigen, sich anbieten.

Neun Millionen Euro

Das hat der Linksfuß getan. Überall, nur nicht beim strauchelnden HSV (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Juve schlug schließlich zu und band ihn bis 2015. Herausgelöst wurde Elia aus seinem bis 2014 laufenden HSV-Vertrag für angeblich neun Millionen Euro.

Exakt jene Summe, die die Hamburger vor zwei Jahren an Twente Enschede überwiesen hatten. In der Hoffnung auf einen Coup.

[kaltura id="0_yik9ebf3" class="full_size" title="Arnesen sieht Verbesserung"]

Zauberhaftes Debüt

Anfangs schien sich das zu bestätigen. Im ersten Heimspiel gegen Borussia Dortmund gewann der HSV 4:1.

Nach zwölf Minuten stand es bereits 3:1, und Elia hatte mit einem zauberhaften Dribbling das dritte Hamburger Tor durch Paolo Guerrero vorbereitet.

Wenig später feierte er sein Debüt in der Nationalmannschaft. Gegen Japan wurde Elia nach der Halbzeit eingewechselt.

Für keinen Geringeren als Bayern Münchens Künstler Arjen Robben. Elia bereitete zwei der drei Treffer beim 3:0 vor, vier Tage später gegen Schottland erzielte er sein erstes Tor.

In Hamburg rieben sie sich die Hände.

Elia will die Welt

Doch Elia ist sensibel, reagierte häufig mit Formschwächen auf negative Erlebnisse.

Das Problem sei, hat Oenning gesagt, dass sich der Spieler leicht runterziehen lasse: "Das war das Thema, das wir schon immer mit ihm hatten, solange er da ist."

Die Fans bejubelten Elia nach seinem starken Debüt in Hamburg gegen Dortmund euphorisch.

"In Deutschland und den Niederlanden kennt man mich jetzt. Ich will aber, dass die ganze Welt mich kennenlernt", sagte Elia drei Monate später.

Genie und Wahnsinn

Nun schrieb das "Hamburger Abendblatt" kurz bevor der Wechsel nach Turin perfekt war:

"Wenn es ein schmaler Grat zwischen Genie und Wahnsinn ist, dann hat sich in Hamburg längst die Gewissheit durchgesetzt, dass der damals mit Ovationen so gefeierte Elia zu Letzterem neigt."

Ein Leben wie im Musikclip

Dem Genie sah man zunächst nach, dass es abseits des Platzes einem Leben wie im Musikclip frönte.

Elia fühlte sich als Superstar, genoss Geld, dicke Autos, eine Luxuswohnung im vornehmen Hamburger Stadtteil Blankenese und beeindruckte Gäste aus der Heimat mit dem Pomp, den sie sich nicht leisten konnten.

Elia, so haben sie das in Hamburg wahrgenommen, protzte unbedarft mit seinem schnellen Aufstieg.

Ein Foul führt zum Bruch

Das ging allerdings nur bis zum 28. November 2009 gut, als er vom Mainzer Nikolce Noveski am Knöchel schwer verletzt wurde.

Erst bei der WM 2010 in Südafrika konnte Elia wieder glänzen, stand in sechs von sieben Spielen inklusive Finale auf dem Platz. Zuvor hatte er dem HSV eine falsche Behandlung vorgeworfen.

Der Bruch war da ? und nicht mehr zu kitten.

"Ich wurde nicht respektiert"

"In der Kabine haben sie Witze über mich gemacht, sogar der Trainer hat mich auf den Arm genommen. Ich wurde nicht mehr respektiert", klagte Elia im Frühjahr:

"Wenn es mir gut geht, bin ich ein lustiger Kerl, der gerne Spaß hat. Und dann spiele ich auch gut Fußball." Elia aber hatte keinen Spaß mehr.

In Turin soll nun alles besser werden.

Im Privatjet nach Turin

"Zu Juve würde ich auch zu Fuß gehen", hatte Elia jüngst geäußert, obwohl er am liebsten in die englische Premier League gewechselt wäre, wie zu hören ist.

Sein erster Auftritt bei Juventus fiel dann aber so aus, wie sich der sendungsbewusste Profi besonders gern sieht.

Im Privatjet war er von Hollands Nationalteam aus Amsterdam kurzfristig zum Medizin-Check nach Turin geflogen.

In Hamburg hatte er auf so viel Tempo zuletzt nicht mehr viel Wert gelegt. Als letzte Anekdote seiner HSV-Karriere notierte die "Sport Bild" zwölf Minuten Elias Verspätung zum Mittwochs-Training vor dem Keller-Gipfel in Köln - "mit Louis-Vuitton-Täschchen in der rechten Hand".

Aus der neuen Arbeitsstätte Turin meldet Elia nun: "Ich bin glücklich."

Ersatz Ilicevic

In Hamburg sind sie es auch. Vier der für Elia eingenommenen neun Millionen Euro haben sie in Kaiserslauterns Ivo Ilicevic investiert. Er erhielt einen Vertrag bis 2015.

Der Kroate - noch bis Mitte Oktober rotgesperrt - ist wie Elia Flügelspieler, 24 Jahre alt und ein Versprechen.

In Hamburg hoffen sie, dass sich dieses Versprechen erfüllt.

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