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Der Aufsteiger aus Hoffenheim hatte in der Hinrunde oft Grund zum Jubeln © getty

Mit spektakulärem Offensiv-Fußball verzaubern die Kraichgauer die Liga und thronen zum Hinrunden-Ende an der Tabellenspitze.

Von Matthias Becker

München/Mannheim ? Nach 17 Spielen der Bundesliga-Saison 2008/09 gehen allmählich die Superlative aus, um die Leistung von Aufsteiger 1899 Hoffenheim zu beschreiben.

Erfrischend, überraschend, sensationell ? all das war die Hinrunde der Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick. Sie wurde zu recht mit dem inoffiziellen Titel des Herbstmeisters belohnt.

Und das nicht mal zwölf Monate, nachdem man die Hinrunde der vergangenen Zweitliga-Saison mit acht Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz abgeschlossen hat.

Jetzt haben die Kraichgauer mit dem 1. FC Kaiserslautern gleichgezogen, der im Spieljahr 1997/98 als bislang einziger Aufsteiger Herbstmeister - und schließlich auch Meister - wurde.

Mit jungen Spielern an die Spitze

Hoffenheims Aufstieg zur Spitzenkraft ist allerdings noch bemerkenswerter als die Meisterschaft des Traditionsklubs aus der Pfalz.

Der FCK kam vor elf Jahren mit einer Mannschaft gespickt mit erfahrenen Recken wie Miroslav Kadlec, Ciriaco Sforza oder Olaf Marschall zurück in die Bundesliga.

In Hoffenheims Stammelf ist Außenverteidiger Andreas Ibertsberger mit 26 Jahren der älteste Spieler. Große Bundesliga-Erfahrung brachte vor Beginn der Saison kaum einer der Profis mit.

Verbale Attacken der Konkurrenz

Zudem spielten die Badener vorletzte Saison noch in der Regionalliga Süd, schafften in knapp zwei Jahren den Durchmarsch von Auswärtsspielen in Pfullendorf zu Bundesliga-Topspielen in der Münchner Allianz Arena.

Und in München sind sie in dieser Hinrunde richtig aufmerksam geworden auf den Emporkömmling. Abzulesen ist das an den Attacken, die aus der Führungsriege der Bayern inzwischen immer häufiger in Richtung Hoffenheim lanciert werden.

Rangnick macht Klinsmann neidisch

Der Grund hierfür ist nicht nur die Tabellenkonstellation, sondern auch die Tatsache, dass 1899 schon ab dem, ersten Spieltag (3:0 in Cottbus) den Fußball spielte, den Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann seinen Spielern so gerne beibringen will.

Nur will außer Franck Ribery keiner zuhören.

Rangnicks Elf steht hingegen für den modernen Fußball: Schnell, direkt und steil wird gespielt. Die Außenverteidiger machen bei jeder Gelegenheit das Spiel schnell, in der Zentrale agieren handlungsschnelle Techniker wie Sejad Salihovic, Carlos Eduardo oder Luiz Gustavo, die den Sturm um 18-Tore-Mann Ibisevic immer wieder gut in Szene setzen.

Selbst Niederlagen ein Spektakel

"Wir freuen uns über eine fantastische Hinrunde", lobte Rangnick am Sonntag nach dem 1:1 gegen Schalke sein Team, in dem das Selbstvertrauen stetig zunimmt, wie Kapitän Selim Teber verdeutlicht: "Wir stehen nicht umsonst oben und sind richtig stolz auf die Vorrunde." (Nachbericht Hoffenheim - Schalke )

Viermal haben sie nur verloren in den ersten 17 Spielen. Dabei waren mit Ausnahme des 0:1 in Berlin auch noch all diese Spiele ein Spektakel. Unvergessen das 4:5 in Bremen, als man einen 1:4-Rückstand aufholte, oder der ebenbürtige Auftritt im Spitzenspiel bei den Bayern.

"Wir sind alle jung und hungrig"

Und so sind sie in Hoffenheim auch noch lange nicht satt. "Wir haben Spaß, sind alle jung und hungrig und wollen viel erreichen", sagte Mittelfeld-Wühler Tobias Weis nach dem Schalke-Spiel.

Den Status der Überraschungsmannschaft werden sie in der Rückrunde nicht mehr innehaben, aber auch das bringt Rangnicks Buben nicht aus der Ruhe: "Auf der einen Seite wissen jetzt alle wie wir spielen, auf der anderen haben wir uns innerhalb der Hinrunde aber auch unheimlich verbessert und dazugelernt", sagte Marvin Compper im Gespräch mit Sport1.de.

Zubrot Meisterschaft?

Sein Trainer versucht den Ball noch möglichst flach zu halten. "Wenn die Saison normal zu Ende läuft, wird Bayern Deutscher Meister", sagte Rangnick sieht seine Mannschaft aber in einer guten Position:

"Unser Ziel haben wir schon erreicht. Alles, was zusätzlich passiert, ist ein Zubrot, das wir gerne mitnehmen."

In München werden sie es gehört haben - und in Kaiserslautern auch

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