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Aufgeheizte Stimmung: Schiedsrichter Gagelmann stellte zwei Schalker vom Platz © getty

Altbekannte Probleme mit der Selbstbeherrschung bringen die Königsblauen beim 1:1 In Hoffenheim um den verdienten Lohn.

Aus Mannheim berichtet Matthias Becker

Mannheim - Am Ende hatten die Schalker Spieler es sich selbst zuzuschreiben.

Obwohl die Mannschaft von Trainer Fred Rutten beim bislang so überzeugenden Tabellenführer und Herbstmeister 1899 Hoffenheim über 90 Minuten die bessere Mannschaft war, reichte es am Ende nur zu einem 1:1 (zum Spielbericht) .

Der Grund dafür: Durch Disziplinlosigkeiten und übertrieben Härte mussten Jermaine Jones und Orlando Engelaar frühzeitig mit Gelb-Rot den Platz verlassen.

Bis zu Jones' Platzverweis hatten die Schalker das Spiel beim Aufsteiger hervorragend im Griff, ließ aus dem Spiel heraus nur eine einzige Torchance zu.

"Wenn wir mit elf Mann das Spiel hätten beenden dürfen, hätte es anders ausgesehen", stellte Jones zurecht fest und regte sich zugleich über seinen Platzverweis auf:

"Bei der zweiten Gelben Karte habe ich zu hundert Prozent den Ball getroffen. Das ist kein Foul und deshalb hätte ich auch nicht vom Platz fliegen dürfen."

Unterstützung von Ernst

Unterstützung bekam er von Mannschaftskollege Fabian Ernst, der selbst nah am Platzverweis balancierte.

"Wie Jermaine selbst auch sagt, war es zwar hart, aber der Ball wurde definitiv gespielt. Wenn der Schiedsrichter die Aktion abpfeift, kann er einen Freistoß geben, aber Gelb kann man dafür nicht geben", sagte Ernst im Gespräch mit Sport1.de.

Gegen den Vorwurf mangelnder Disziplin setzte sich Ernst vehement zur Wehr. "Mir ist egal, was überall geschrieben wird. Man muss nur beobachten, was auf dem Platz passiert ist und das war nicht korrekt", erklärte er mit Blick auf die Leistung von Schiedrichter Peter Gagelmann.

Jones läuft Amok

Der Unparteiische hatte mit der emotional und aggressiv geführten Partie zwar durchaus seine Probleme, dass viele der Emotionen von Schalker Seite hereingetragen wurden, ist aber auch unbestritten.

So dürfte die Reaktion von Jones nach dem Pfiff seines - zugegebenermaßen sauberen - Tacklings gegen Luiz Gustavo es Gagelmann nicht schwerer gemacht haben, die Gelbe Karte zu zücken.

Wie von Sinnen stürmte der Nationalspieler auf den Referee zu und baute sich schreiend vor ihm auf ("Ich bin zu ihm gegangen und habe ihm gesagt, dass ich den Ball getroffen habe"), legte sich noch mit der Hoffenheimer Bank an und schubste sogar den eigenen Manager Andreas Müller weg.

Fehlentscheidung von Rutten

Zwar entschuldigte sich Jones später für sein Auftreten, den negativen Eindruck konnte er damit aber nicht mehr verwischen. Schon in der ersten Halbzeit hätte er durchaus vom Platz fliegen können.

Den vorentscheidenden Platzverweis muss sich deshalb auch Coach Rutten ankreiden lassen.

Der verzichtete darauf, seinen deutlich rot-gefährdeten Mittelfeldmann in der Kabine zu lassen und war somit direkt dafür verantwortlich, dass seine Mannschaft nicht die Früchte eines spielerisch bis dahin durchaus ansehnlichen Auftritts ernten konnte.

"Bis zur ersten Gelb-Roten Karte haben wir sehr gut gespielt", analysierte der Niederländer korrekt, verlegte sich aber genauso wie seine Spieler darauf, die Schuld beim Schiedsrichter zu suchen: "Der erste Platzverweis war eine Fehlentscheidung. So darf man einen Ball erobern."

"Viele Fehler in der Hinrunde"

Zu allem Überfluss wurden mit Youri Mulder und Mike Büskens auch noch beide Rutten-Assistenten auf die Tribüne geschickt. Schalke krönte sich so am Abend, als Hoffenheim den inoffiziellen Herbstmeister-Titel gewann, allenfalls zum "Rüpel-Meister".

Die Königsblauen haben damit nach einer desolaten Hinrunde (Schalkes Ergebnisse) und Platz sieben in der Tabelle die große Chance vergeben, mit einem positiven letzten Eindruck in die Winterpause zu gehen.

Das weiß auch Ernst. "Wir haben in der Hinrunde viele Fehler gemacht, haben uns in den letzten Spielen aber immerhin gefangen. Wenn wir daran anknüpfen, können wir in der Rückrunde noch mal angreifen", hofft er im Gespräch mit Sport1.de dennoch.

Müller will Spieler verkaufen

Und so sollten die Verantwortlichen in Gelsenkirchen die Emotionen vom Sonntagabend schnell unterdrücken und an einer besseren Zukunft feilen. "Natürlich kann ich mit Platz sieben nicht zufrieden sein. Aber die Art und Weise, wie die Mannschaft gegen Hoffenheim gespielt hat, gibt mir Vertrauen für die Zukunft", zeigt Rutten sich optimistisch.

Der viel kritisierte Manager Müller denkt schon einen Schritt weiter: "Wir werden uns sicherlich, wenn es die Möglichkeit gibt, in der Winterpause von einigen Spielern trennen müssen." Unter anderem steht Albert Streit auf der "Verkaufsliste" (zum Kader) .

Die verbleibenden Spieler auf etwas mehr Ruhe und Besonnenheit einzuschwören, könnte aber auch nicht schaden.

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