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Schluss nach nur zwei Monaten als Gladbacher Co-Trainer: Christian Ziege © getty

Gladbachs Co-Trainer will nicht mehr neben Hans Meyer agieren - der Klub ist enttäuscht, wie Sportdirektor Eberl Sport1.de bestätigt.

Von Christian Paschwitz

Mönchengladbach - Der plötzliche wie unerwartete Rücktritt von Christian Ziege als Co-Trainer bei Borussia Mönchengladbach sorgt hinter den Kulissen offenbar für gewissen Unmut.

"Es ist doch alles gesagt: Wir akzeptieren Christians Wunsch und hoffen, dass er irgendwann zu Borussia zurückkehren wird", wiederholte Max Eberl auf Nachfrage von Sport1.de den Inhalt der zuvor übermittelten Erklärung des Vereins.

Doch Gladbachs Sportdirektor meinte auch: "Wir alle im Verein sind enttäuscht über diese Entscheidung."

Bereits zuvor hatte Eberl via Pressemitteilung durchblicken lassen, sich "das anders vorgestellt" zu haben. Und weiter: "Wir akzeptieren Christians Wunsch und hoffen, dass er irgendwann zu Borussia zurückkehren wird."

Bis dahin ist aber noch nicht mal die Nachfolge-Regelung für Ziege geklärt, der gerade mal zwei Monate als Co-Trainer agiert hatte.

"Das müssen wir jetzt erst mal alles einordnen", sagte Eberl Sport1.de, der von Zieges Demission offenbar ebenso überrumpelt wurde wie die engsten Mitarbeiter im Klub.

Laut dem Sportdirektor, der in dieser Funktion Ziege erst vor wenigen Wochen beerbt hatte, erfuhr davon selbst Chefcoach Meyer eher beiläufig während der Rückkehr von einer Israel-Reise mit der Mannschaft.

Ziege hatte an dem Trip in den Nahen Osten gar nicht erst teilgenommen. Nun zog der 36-Jährige seine Konsequenzen aus der Talfahrt des fünfmaligen deutschen Meisters und aktuellen Tabellenschlusslichts.

Persönliche und private Gründe

"Ich wollte diese Entscheidung eigentlich erst Ende der Woche bekannt geben, wenn die Hinrunde für uns komplett beendet ist", ließ Ziege auf der Klub-Homepage verlauten.

"Doch durch die Berichterstattung in den Medien sehe ich mich veranlasst, dies heute schon zu tun. Meine Beweggründe sind rein persönlicher, privater Natur. Alles andere sind wilde Spekulationen, die nicht der Wahrheit entsprechen und von denen ich mich distanziere."

Hintergrund: Der "kicker" hatte gemutmaßt, Ziege drohe nach der turbulenten Hinrunde sein Amt niederzulegen.

Frustration und wenig Handlungsspielraum

Nun hat der Ex-Profi diesen Schritt tatsächlich vollzogen.

Zuletzt war immer öfter über Unstimmigkeiten zwischen Ziege und seinem direkten Vorgesetzten spekuliert worden. So sprach Meyer dem Borussen-Kader, den Ziege noch als Sportdirektor zusammengestellt hatte, immer wieder die Erstliga-Tauglichkeit ab.

Zudem vertraute der Trainer-Oldie in der täglichen Arbeit lieber seinem langjährigen Begleiter Jürgen Raab.

Nach seinem Rücktritt erwähnte Ziege den Gladbacher Coach nun mit keinem Wort, sagte nur: "Mannschaft und dem Verein wünsche ich alles Gute. Ich bin sicher, dass Borussia nach der Winterpause anders auftreten wird als im bisherigen Saisonverlauf und unser Ziel, den Klassenerhalt, schaffen wird."

Hoffnung auf Luhukays Job - dauerhaft

Keineswegs zerstreuen kann Ziege damit den Eindruck, dass die persönlichen Beweggründe vor allem wurzeln in der Frustration über die eigenen begrenzten Handlungsspielräume: Noch im Herbst wurde dem gebürtigen Berliner nachgesagt, Jos Luhukay längerfristig als Chefcoach beerben zu wollen.

Ziege, zuvor seit März 2007 Sportdirektor, geriet jedoch zur Interimslösung, betreute die Mannschaft nur beim VfL Bochum (2:2) - bekam Routinier Hans Meyer vor die Nase gesetzt und mutierte sogleich zum Co-Trainer.

Mit offenbar wenig Einflussnahme.

Im Gegenteil: Nach der Rückkehr in die Bundesliga waren Ziege einige Fehleinkäufe und der damit verbundene Sturz auf den letzten Platz nach der Hinrunde angelastet worden. Aus 17 Spielen holte die Borussia magere drei Siege und elf Punkte.

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