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Jens Lehmann (l.) wechselte vor der Saison aus London zum VfB Stuttgart © getty

Jens Lehmann denkt über die Zeit nach seiner Karriere als Torwart nach. Der 39-Jährige hat schon einen möglichen Job ins Auge gefasst.

Von Mathias Frohnapfel

Stuttgart - Bei Arsenal war er vor allem eins: ein Spitzentorwart umgeben von Spitzenspielern. In Stuttgart wächst Jens Lehmann derzeit in eine neue Rolle hinein.

Eine Rolle, die schon viel damit zu tun haben könnte, wie der 39-Jährige seine Karriere nach der Karriere plant.

Der Keeper dirigiert die Mannschaft, ist wie ein Leuchtturm, der Orientierung bietet. Und Lehmann kann auf dem Feld für seine Gegner genauso wie Mitspieler und Schiedsrichter schwer zu handhaben sein.

"Jeder muss auf seiner Position ein Leader sein. Nur dann kann man erfolgreich sein", schwächt Lehmann seine Rolle im Gespräch mit Sport1.de ab.

"Denn wenn Sie fünf Leader und sechs Indianer haben, und die Leader spielen gut und die Indianer nicht, dann haben Sie ein Problem."

Seinen Stellenwert bemisst er sehr bescheiden: "Ich bin Torwart, versuche keine Bälle reinzulassen und strenge mich an."

Babbel hofft auf Vertragsverlängerung

Doch bei den Schwaben gehört der gebürtige Essener schon nach einem halben Jahr zu den unbestrittenen Leistungsträgern.

"Für mich ist Jens der beste deutsche Torwart", sagt Teamchef Markus Babbel. "Ich hoffe natürlich, dass er bleibt."

Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. "Ich hoffe, dass Markus Babbel auch in der Rückrunde unser Trainer bleibt", erklärt auch Lehmann vor dem wichtigen UEFA-Cup-Spiel gegen Standard Lüttich (Do., ab 20.15 LIVE).

"Er macht seine Sache sehr gut."

Nächste Saison aber wird Babbel wegen seiner fehlenden Lizenz definitv nicht die Stuttgarter trainieren dürfen, wie DFB und DFL jetzt noch einmal bekräftigten.

Gut möglich, dass sich beide dann beim Trainer-Lehrgang in Köln wiedersehen - sofern Lehmann die angebotene Vertragsverlängerung doch ausschlagen sollte.

Trainer-Lizenz reizt

Denn einen Job als Coach kann sich der Ex-Nationaltorwart für seine Zukunft sehr gut vorstellen.

"Ich würde zumindest gerne die Lizenz machen, falls ich mal Lust verspüren sollte, Trainer zu werden", sagte er Sport1.de.

Schon jetzt gehört Lehmann zu den unbestrittenen "Leadern" beim VfB. Von manchen Spielern wie Sami Khedira oder Serdar Tasci (beide 21) könnte er theoretisch gesehen der Vater sein. Und den meisten Kollegen (Alles zum Stuttgarter Kader) hat er zehn oder mehr Jahre Erfahrung voraus.

Ob es ihm Spaß mache, den jungen Spielern zu helfen? "Das ist wie bei der Erziehung von Kindern", erklärt der Familienvater.

"Die muss man mal loben, mal schimpfen, das ist normal im Leben. Aber zuallererst muss man auf sich selbst schauen und dass die eigene Leistung stimmt."

Wenger referierte - Lehmann notierte

Fußball als Erziehungsfrage - aus eigener Erfahrung. Denn Jens Lehmann hat die wohl prägendsten Jahre seiner Torhüterkarriere in England verbracht.

Fixpunkt in London war Arsenal-Trainer Arsene Wenger. Und wohl kein zweiter Coach der Premier-League (Alles zur Premier League) verkörpert so den pädagogischen Gedanken wie der Franzose.

Seit 1996 stellt er immer wieder junge, bestens geschulte Talente in sein Team. Und dank des fein justierten Arsenal-Systems funktionieren sie zumeist wie ein perfektes Software-Update.

Lehmann betont, wie sehr ihn die Jahre in der Premier League beeinflusst haben.

"Bei jeder Ansprache, die Wenger gehalten hat, lernt man etwas Neues über Fußball. Ich habe schon in meinem ersten Arsenal-Jahr angefangen, Aufzeichnungen zu machen und das bis zum Schluss fortgeführt", schilderte er der "Süddeutschen Zeitung" das Interesse am Trainer-Metier.

Trainingsaufbau und einzelne Übungen skizzierte Lehmann damals, heftete sie fein säuberlich in Ordner.

Unbedingter Siegeswillen

Da wundert es nicht, dass der Keeper sehr viel von der Arbeit des neuen Teamchefs hält. Denn wie er spielte Babbel als Profi erfolgreich in England und zog daraus starken Nutzen.

Gemein haben beide auch den unbedingten Siegeswillen. Das wurde einmal mehr im Spitzenspiel am vergangenen Samstag gegen Bayern München deutlich.

Als Babbel sein Team in der Schlussphase von der Seitenlinie aus vehement zur Schlussoffensive drängte, stürmte Lehmann mit nach vorne und bedrängte den jungen FCB-Keeper Michael Rensing am Rande der Legalität, aber erfolgreich:

Sami Khedira profitierte vom Chaos und zirkelte den Ball zum umjubelten 2:2-Endstand unter die Latte. (zum Spielbericht)

Das andere Gesicht

Es gibt aber auch einen anderen Jens Lehmann.

In der abgelaufenen Bundesliga-Hinrunde debattierte er immer wieder heftig mit den Schiedsrichtern. Bei der 1:3-Niederlage im Herbst gegen Köln attackierte er Gegenspieler Roda Antar nach einer Rettungsaktion, trat ihm an die Wade.

Der DFB-Kontrollausschuss ermittelte, stellte das Verfahren aber ein.

Auch mit eigenen Teamkameraden ist Lehmann schon aneinandergeraten. Nach dem Pokalsieg über Arminia Bielefeld zoffte er sich lautstark mit Kapitän Thomas Hitzlsperger.

"Er ist ein mündiger Spieler, der auch unbequem sein kann", sagt Manager Horst Heldt dazu nur. Beim VfB weiß man eben, was man an Lehmann hat.

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