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Jürgen Klinsmann (r.) beerbte Ottmar Hitzfeld als Coach des FC Bayern © getty

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews lobt Bayern-Boss Rummenigge Coach Klinsmann in den höchsten Tönen.

Von Daniel Rathjen

München - Holperstart und "Buddha-Streit" - der Einstand von Jürgen Klinsmann als Trainer des FC Bayern war gewiss nicht optimal.

Nach einer Serie von 16 Spielen ohne Niederlagen sind die Kritiker aber verstummt.

Klinsmanns Methoden greifen. EM-Akteure wie Miroslav Klose, Luca Toni oder Franck Ribery zeigten sich trotz der großen Belastung in Top-Form.

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews (Hier geht's zurück zum ersten Teil) zeigt sich Bayern-Boss Rummenigge von Coach Klinsmann begeistert, nennt Gründe für den schwierigen Start und lässt durchblicken, ob die Ehe Klinsmann/FCB auch über die Saison 2009/2010 Bestand hat.

Sport1.de: Ein Mann hat den FC Bayern in der Hinrunde besonders geprägt: Jürgen Klinsmann. Wie fällt Ihre bisherige Bilanz aus?

Karl-Heinz Rummenigge: Der Hype um ihn hat deshalb geherrscht, weil niemand ihn auf der Rechnung hatte. Niemand hätte gedacht, dass Uli Hoeneß, Karl Hopfner und ich Jürgen Klinsmann präsentieren, deshalb waren viele auch überrascht. Aber wir haben uns ja viele Gedanken gemacht über den geeigneten Nachfolger für Ottmar Hitzfeld, für uns kam die Verpflichtung deshalb nicht überraschend.

Sport1.de: War die Verpflichtung von Klinsmann die beste Entscheidung des Vorstands?

Rummenigge: Wir wollten eine neue Zeitrechnung einläuten mit Jürgen Klinsmann - und das ist uns gelungen. Wir haben diese Dinge, diese Veränderungen ganz bewusst in Angriff genommen. Und retrospektiv war die Entscheidung für Klinsmann ganz klar und deutlich die richtige.

Sport1.de: Was zeichnet ihn aus?

Rummenigge: Er ist ein Mann mit einem klaren Konzept und ganz besonderen Vorstellungen. Für den deutschen Fußball waren das sicherlich auch Neuerungen, aber diese Neuerungen haben dem FC Bayern gut getan.

Sport1.de: Wie erging es Ihnen in der Zeit, als sich während des holprigen Starts sämtliche Kritiker zu Wort meldeten?

Rummenigge: Natürlich hatten wir das eine oder andere Ergebnis, was uns nicht gefallen hat. Ribery war verletzt, Toni nicht fit, zahlreiche Akteure waren bei der Europameisterschaft. Das ist ein Fakt, dass diese Spieler am Anfang einer Saison Riesenprobleme haben. In solchen Momenten muss man aber Geduld haben. Das habe ich immer propagiert. Geduld wird sich auszahlen. Und deshalb bin ich froh, dass wir alle gemeinsam die Geduld gehabt haben und jetzt diese erfolgreiche Zeit erleben.

Sport1.de: Haben Sie Jürgen Klinsmann mental unterstützen müssen?

Rummenigge: Es ist doch so: Wir haben Geduld, aber die Öffentlichkeit nicht. Das kann man nicht ändern. Für uns zählen aber nicht ein oder zwei Ergebnisse, sondern das, was am Ende herausspringt. Und ich bin heute zuversichtlicher denn je, dass das mit Jürgen Klinsmann weiter einen positiven Verlauf nimmt.

Sport1.de: Wann haben Sie gemerkt, dass der Moment zur Trendwende da war?

Rummenigge: Für uns war der Last-Minute-Sieg beim Karlsruher SC, als wir in der 87. Minute das Tor gemacht haben, enorm wichtig. Irgendetwas in mir drin hat in diesem Moment gesagt: Jetzt dreht sich das Ganze wieder in die Richtung, die wir brauchen. Das habe ich gespürt - auch bei der Mannschaft in der Kabine. Da schlug das Pendel ins Positive um.

Sport1.de: Es folgte eine Serie von 16 Spielen ohne Niederlage. Was ist daran besonders positiv?

Rummenigge: Neben den Punkten ist das vor allem die Art und Weise, wie wir Fußball spielen. Wir spielen attraktiv, die Mannschaft ist topfit - trotz hoher Belastung. Die Fitness ist sensationell gut. Wir sind immer in der Lage, zu jedem Zeitpunkt in jedem Spiel zuzulegen. Wenn die anderen müde werden, können wir noch eine Schippe drauflegen. Das ist der Beweis, dass sehr gut gearbeitet wird.

Sport1.de: Das ist ein Verdienst Klinsmanns, oder?

Rummenigge: Ich finde den Ansatz von Jürgen Klinsmann sehr gut, jeden Spieler individuell zu verbessern. Da sieht man ebenfalls die ersten positiven Ergebnisse: Philipp Lahm spielt besser als im letzten Jahr, ein Bastian Schweinsteiger ist stabiler geworden. Selbst ein Miro Klose oder ein Franck Ribery haben noch mal einen Schub bekommen.

Sport1.de: Wo liegen die Unterschiede zur Arbeit von Ottmar Hitzfeld?

Rummenigge: Es sind unterschiedliche Stilarten. Beide sind erfolgreich. Deswegen sind wir froh sie bei Bayern gehabt und noch zu haben.

Sport1.de: Hitzfeld feierte seinen Abschied mit dem Double. Auch für Sie ein ergreifender Abschied?

Rummenigge: Dieser Wechsel war doch wunderbar! Ein Trainer verlässt den Verein, ohne dass er gefeuert wird, ohne dass es Scherben gibt, mit Pauken und Trompeten und mit zwei Titeln. Bei seiner Verabschiedung flossen vor Rührung die Tränen. Es war eine bewegende Szene. Man hat gesehen, welche Bedeutung der FC Bayern für Ottmar Hitzfeld hat.

Sport1.de: Klinsmann besitzt Ihr volles Vertrauen, denken Sie bereits über eine vorzeitige Vertragsverlängerung nach?

Rummenigge: Das sind noch anderthalb Jahre bis zum Vertragsende. Wir werden das zu gegebener Zeit diskutieren. Man muss die Dinge im Fußball sowieso viel gelassener sehen, wir dürfen uns da alle nicht zu sehr treiben lassen.

Hier geht's zurück zum ersten Teil

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