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Karl-Heinz Rummenigge ist seit Februar 2002 Vorstandsvorsitzender des FC Bayern © getty

Im dritten Teil des Sport1.de-Interviews spricht Bayern-Boss Rummenigge über die Zukunft der Bundesliga und die Finanzkrise

Das Interview führte Daniel Rathjen

München - Auch der Fußball blickt 2009 angesichts der Finanzkrise in eine ungewisse Zukunft. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge warnt daher im dritten Teil des Sport1.de-Interviews(Hier geht es zum Anfang des Interviews) seine Kollegen in der Bundesliga, Reserven zu bilden "Dafür muss man gewappnet sein und es ist gut, keine Verbindlichkeiten, dafür aber Cash in der Kasse zu haben", sagte er.

Außerdem bewertet der 53-Jährige den Stellenwert der Liga im internationalen Vergleich sowie die Verantwortung der Deutschen Fußball-Liga bei der Verteilung der Fernseh- und Sponsorengeldern .

Sport1.de: Warnen auch Sie vor der Finanzkrise?

Karl-Heinz Rummenigge: Bisher haben wir noch keine Auswirkungen gespürt. Aber wir sehen ja, was in England und Italien los ist. Wir können es noch nicht abschätzen: Trifft es auch Deutschland, wie massiv trifft es die Bundesliga? Die Erfahrung sagt uns, dass die Finanzkrise auch den deutschen Fußball erreicht. Dafür muss man gewappnet sein. Deswegen ist es gut, keine Verbindlichkeiten, dafür aber Cash in der Kasse zu haben. Wir neigen momentan dazu, diesen Cash sehr sorgfältig zu verwalten, um die Entwicklung abzuwarten.

Sport1.de: Hat das auch Konsequenzen bei Zielen des Vereins?

Rummenigge: Nein, wir haben eine klasse Mannschaft, die von der Nummer eins bis zur elf exzellent besetzt ist und eine gute Bank. Ich teile nicht den Optimismus von Franz Beckenbauer, der uns zum Favorit auf die Champions-League-Trophäe macht, aber ich sage trotzdem: Wir sind in der Lage, die ganz Großen zu ärgern und möglicherweise auch mal gegen sie zu gewinnen.

Sport1.de: Was ist dazu nötig?

Rummenigge: In den Spielen, wo es ans Eingemachte geht, dürfen wir uns keine Unkonzentriertheiten erlauben. Wenn wir die aktuelle Konstanz auch noch im Frühjahr haben, dann haben wir eine kleine Außenseiterchance. Aber in der Favoritenrolle sind Klubs aus England, Spanien und Italien.

Sport1.de: Womöglich wird Sie bald 1899 Hoffenheim international begleiten. Haben Sie mit einem derartig guten Start des "Provinzklubs" gerechnet?

Rummenigge: Wer die vor der Saison auf der Rechnung gehabt hätte, hätte Hellseher werden müssen. Sie haben eine gute Mannschaft, davon konnten wir uns überzeugen und sie machen auch einen guten Job.

Sport1.de: Sind die Voraussetzungen mit einem Milliardär im Rücken besser als bei Bayern?

Rummenigge: Sie sind anders, besser weiß ich nicht. Wir haben alles selbst aufgebaut und sind unabhängig. Darauf sind wir sehr stolz. Ohne das Geld von Dietmar Hopp würde Hoffenheim noch heute in der Dritten Liga spielen. Es wird dort gute Arbeit geleistet, die man auch immer wieder anerkennen muss, aber ohne die finanziellen Zuwendungen von Hopp wäre das Gebilde Hoffenheim nicht möglich. Jetzt gehe ich davon aus, dass sich Hoffenheim an der Spitze der Bundesliga etablieren wird - dank Hopp.

Sport1.de: Wo steht die Bundesliga im internationalen Vergleich?

Rummenigge: Es gibt die so genannten "Big-Five" in Europa. Und wir streiten uns mit den Franzosen um Platz vier. Das ist genau der Stellenwert des deutschen Fußballs. Ich mahne seit einiger Zeit an, dass die DFL mal eine Diskussion führt "Quo vadis, Bundesliga?". Dass man sich mal entscheidet, wo man hinmöchte.

Sport1.de: Inwiefern?

Rummenigge: Ich habe am Rande des Spiels in Lyon interessantes erfahren. Die französische Liga hat eine Studie veröffentlicht, mit dem Ergebnis, dass die Spitzenklubs mehr gefördert werden müssen, damit man den Anschluss zu den Top-Ligen nicht verliert. Der Hintergrund ist folgender: In der englischen Premier League hat man herausgefunden, dass der ganze Erfolg der Liga auf vier Mannschaften beruht, in Spanien auf zwei und in Italien auf drei Mannschaften. Diese Mannschaften sorgen dafür, dass der ganze Apparat auch finanziell dementsprechend in einer anderen Größenordnung ist als die Bundesliga.

Sport1.de: Sie nehmen damit die DFL in die Pflicht?

Rummenigge: Ich will jetzt keine große Verteilerdiskussion eröffnen, aber wir müssen einfach mehr für die Topklubs in Europa tun. Der einzige Wertmaßstab ist die Champions League. Wir hatten dort mal vier Mannschaften, dann drei, jetzt zwei. Und von diesen zweien sind wir der letzte Mohikaner. Ich mahne die DFL an, einfach mehr für die Topklubs zu tun. Wir werden sonst irgendwann alle die Zeche zahlen müssen.

Sport1.de: Was heißt das konkret?

Rummenigge: Eine Liga wird bewertet nach ihrer Spitze. Und was in der Vergangenheit gemacht wurde, war einfach nur eine Stärkung der Schwachen und eine Schwächung der Starken.. Und die hat dazu geführt, dass die einstmals stärkste Liga der Welt, die die Bundesliga in den Achtzigern mal war, jetzt mit Frankreich um Platz vier kämpft. So lautet das nackte, faktische Ergebnis. Man kann nicht verlangen, dass Klubs wie Bremen, Schalke, Bayern oder wer auch immer in der Champions League spielen, obwohl sie gar nicht finanziell in der Lage sind, gegen die großen Konkurrenten zu bestehen.

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