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Hilft die Wirtschaftskrise den Bayern, wieder den Champions-League-Thron zu besteigen © getty

Können die solide wirtschaftenden Bayern von der internationalen Finanzkrise profitieren? Experten sind bei Sport1.de skeptisch.

Von Matthias Becker

München - Es ist das Wort des Jahres: "Finanzkrise" - offiziell dazu ernannt von der Gesellschaft für deutsche Sprache.

Während die Effekte der Finanzkrise in anderen Bereichen schon deutlich wahrzunehmen sind, blieb der Sport bislang noch weitgehend verschont.

"Bisher haben wir noch keine Auswirkungen gespürt", gesteht auch Karl-Heinz-Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, im Interview mit Sport1.de ein.

Das werde aber nicht lange so bleiben, nimmt der Boss des Branchen-Primus an: "Wir sehen ja, was in England und Italien los ist. Die Erfahrung sagt uns, dass die Finanzkrise auch den deutschen Fußball erreicht."

Bastian Schweinsteiger hofft aber, dass die internationale Konkurrenz härter getroffen wird. "Nach der Finanzmarktkrise wird der FC Bayern wirtschaftlich und sportlich der große Gewinner sein", sagte Schweinsteiger der "Süddeutschen Zeitung". Man habe zwar nicht die großen Geldgeber, aber die besseren Strukturen.

Tiefschlag für Chelsea und Co.?

Doch stimmt das tatsächlich? Vergrößert der über den europäischen Top-Klubs schwebende Pleitegeier die Chancen des Rekordmeisters, schon bald wieder das große Ziel Champions-League-Sieg zu erreichen?

Müssen hochverschuldete Top-Klubs wie der FC Chelsea durch ein Wegbrechen ihrer Werbeeinnahmen einen finanziellen Tiefschlag hinnehmen, der sie ihre Vormachtstellung kosten kann?

"Es ist eine klare Bedrohung da"

Einer Umfrage des Fachmagazins "SPONSORs" zu Folge lassen sich Indizien für diese These finden.

In der Befragung der 40 wichtigen deutschen Sportsponsoren gestehen 40 Prozent der befragten Unternehmen ein, als Folge der Finanzkrise Sparmaßnahmen beim Sponsoring zu ergreifen. In knapp 15 Prozent der Fälle sind davon derzeitige Engagements betroffen.

"Das sind Werte, die den Sport zum Nachdenken bringen sollten. Es ist auf jeden Fall eine klare Bedrohung da", schätzt Florian Oediger, Redakteur bei "SPONSORs", im Gespräch mit Sport1.de die Lage ein.

Gerade in Spanien, Italien und England hätten sich schon Auswirkungen der Krise gezeigt. So ging etwa der Trikotsponsor des FC Valencia pleite, von den avisierten sechs Millionen Euro Sponsorenzahlungen ist in Valencia noch kein Cent angekommen.

Fußball weiter wichtige Werbeplattform

Hartmut Zastrow, Vorstand der Sponsoringberatung "SPORT+MARKT", erwartet allerdings keine gravierenden und langfristigen Auswirkungen auf die Großen der Branche.

"Durch die Laufzeit der Verträge hat die Krise noch keine nennenswerte Auswirkungen auf das Fußballsponsoring", sagt Zastrow zu Sport1.de. Sport und besonders Fußball blieben Top-Plattformen. Wenn sich eine krisengeschüttelte Branche zurückziehe, "werden sich die Partnerschaften auf andere Branchen verlagern".

Die Premier League bleibe auf absehbare Zeit die Nummer eins unter den großen Fußball-Ligen, so Zastrow, "selbst wenn bei Besitzern einzelner Teams finanzielle Probleme auftreten. Dafür ist der wirtschaftliche Vorsprung der Premier League gegenüber den anderen Ligen zu groß."

Rummenigge fordert DFL-Hilfe

Schlechte Nachrichten also für Schweinsteiger und Rummenigge. Die Bayern müssen auch weiterhin schrittweise den Rückstand aufholen, der zu den Großklubs Englands und Spaniens seit den 90ern sukzessive entstanden ist.

Um diese Mammutaufgabe zu bewältigen, fordert Rummenigge vehement die Hilfe der DFL. "Der einzige Wertmaßstab ist die Champions League. Ich mahne die DFL an, einfach mehr für die Topklubs zu tun. Wir werden sonst irgendwann alle die Zeche zahlen müssen."

Die Zeche, das heißt: Wieder einmal zuschauen, wenn einem englischen, spanischen oder italienischen Klub der begehrte Champions-League-Pokal überreicht wird. Aber vielleicht gelingt den Bayern ja trotzdem der große Triumph - auch ohne Hilfe der Finanzkrise.

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