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Bayern-Keeper Michael Rensing machte in der Hinrunde nicht immer eine gute Figur © imago

FCB-Torwarttrainer Walter Junghans spricht mit Sport1.de über Schüler Michael Rensing, Störgeräusche und gefährliche Flanken.

Von Mathias Frohnapfel

München - Die negativen Meldungen prasseln derzeit nur so auf Michael Rensing ein.

Es gibt wahrscheinlich schönere Komplimente für den Bayern-Keeper als die jüngste Aussage von Franck Ribery. Auf mögliche Neuzugänge angesprochen, gab der Mittelfeld-Star kund: Sebastian Frey vom AC Florenz sei ein Torwart, der zu den Roten passe.

Nach Informationen der "Sport Bild" beobachtet Bayern zudem Idriss Carlos Kameni von Espanyol Barcelona.

Und jetzt hat auch noch Udo Lattek eine gemeine Frage in den Raum gestellt.

Im DSF-Doppelpass fragte der Ex-Meistertrainer den Bayern-Präsident Franz Beckenbauer: "Stimmt es, dass Michael Rensing wieder Sepp Maier als Torwart-Trainer haben wollte?"

Der "Kaiser" umging eine direkte Antwort, sagte, er wisse davon nichts.

"Er muss noch brutaler werden"

Zuvor hatte Beckenbauer selbst dem 24-Jährigen gegen Stuttgart "amateurhaftes Verhalten" beim späten Ausgleichstor vorgehalten.

Andererseits werde der 24-Jährige mit etwas Geduld "einer der besten Keeper der Welt".

Auch Vorgänger Oliver Kahn sieht Rensings Verhalten vor dem Gegentreffer kritisch. "Da muss er einfach noch brutaler werden", sagte Kahn der "Bild": "Einfach rein in der Pulk und den Ball ohne Rücksicht auf Verluste weghauen."

"Er muss zeigen, dass er der Herr der Lage ist."

Mal eiskalt, mal knallheiß

Eiskalt oder knallheiß: Im Wechselbad der Gefühle gibt es für Rensing im Moment keine Zwischenstufen.

In den ersten 17 Pflichtspielen kassierte Rensing bereits mehr Treffer (24) als Bayern in der gesamten Vorsaison (21). Allerdings hat auch der Wechsel von Vierer- auf Dreierkette und zurück hat dazu beigetragen.

Derweil stellt sich Bayerns Torwart-Trainer Walter Junghans demonstrativ vor seinen Schüler. Im Gespräch mit Sport1.de sagte er: "Im Grunde genommen sind wir mit dem halben Jahr zufrieden, das er gespielt hat."

"Er hat zum Erfolg beigetragen"

Dabei räumte Junghans durchaus "anfängliche Schwierigkeiten" ein (Datencenter: Ergebnisse und Tabelle) .

"Uns war allen klar, dass es nicht von heute auf morgen so nahtlos ineinander übergehen würde. Zum Erfolg der Mannschaft hat er sicher beigetragen."

Der 50-Jährige ist seit diesem Sommer beim Meister allein verantwortlich für die Torsteher. Junghans gilt als akribischer Arbeiter.

Die Späße eines Sepp Maiers, der in seiner aktiven Zeit auch mal nach einer Ente hechtete, sind seine Sache nicht.

Aber er feilt ebenso besessen wie sein Vorgänger an den Kniffen, die aus Rensing einen Keeper mit Magnet-Handschuhen machen sollen.

Training als Antwort auf Fehler

Das Rezept dafür blieb auch nach den Fehlgriffen gegen Bochum und Bremen das Gleiche.

"Wir haben kontinuierlich gut trainiert und sind von unserem Weg nicht abgewichen", erklärt Junghans. Und:

"Als Torwart ist man vom Ergebnis abhängig. Auch am Anfang hat er nicht so schlecht gehalten, wie ihn alle gemacht haben."

Junghans wertet anders

Besonders in Eins-zu-Situationen und auf der Linie hat Rensing in den bisher 25 Pflichtspielen dieser Saison gezeigt, über welch starken Fängerqualitäten er verfügt.

Zu den gelegentlichen Schwächen bei Flanken hat Junghans eine eigene Sichtweise.

"Es ist immer die Frage, wie man das bewertet. Der eine Keeper bleibt drin, geht kaum raus, dann mache ich natürlich auch weniger Fehler. Mir ist es lieber, wenn er mehr Flanken abfängt, auch wenn er vielleicht mal nicht so gut aussieht." (Alle Fußball-News)

Denn: "Das ist besser, als wenn er auf der Linie bleibt und er vier, fünf Dinger bekommt".

Glänzend gegen Hoffenheim und Lyon

Zudem mussten sich Abwehr und Keeper nach dem Abschied von Torwart-Titan Olli Kahn aufeinander einstellen.

Zum Saisonfinale parierte Rensing auch immer besser. Vor allem beim 3:2-Champions-League-Erfolg in Lyon und beim 2:1-Ligasieg über Hoffenheim überzeugte er.

Rensing voller Selbstvertrauen

"Es war bislang eine sehr gute Hinrunde von uns und demzufolge auch von mir", kommentierte Rensing selbstbewusst. Sowieso drängte sich dem jungen Mann des öfteren der Verdacht auf, dass bei ihm "Fehler gesucht" würden.

Allerdings: Dann kam die Szene in der 90. Minute gegen den VfB.

Rensing ließ sich von Torwart-Kollegen Jens Lehmann und Co. irritieren, Sami Khedira nützte die Konfusion und Franz Beckenbauer grantelte.

Irgendwann Nationalelf?

Die Diskussion um den Keeper geht damit zumindest für seine Kritiker zurück auf Neustart.(Spielbericht: Khedira klaut Bayern den Sieg)

Nicht so für den Bayern-Torwarttrainer. Junghans traut dem gebürtigen Niedersachsen sogar langfristig einen Sprung in die Nationalelf zu, weil er sich stabilisiert habe.

"Wenn er die Leistung bei uns bringt, dann ist alles möglich."

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