Eberl: "Ich fühle keine Genugtuung"
München - Borussia Mönchengladbach hat einen Traumstart in der Bundesliga hingelegt. Klar, dass die Verantwortlichen und das Umfeld des Vereins in heller Freude sind.
Gladbachs Sportdirektor Max Eberl erfährt von vielen seiten Anerkennung für seine Arbeit. Momentan macht ihm seine Mannschaft sehr viel Spaß. Er ist glücklich über den Saisonstart.
"Es ist eine ruhigere Phase, aber oft macht man in den Phasen die meisten Fehler, muss immer aufmerksam sein, was passiert."
Saisonübergreifend hat die Borussia nur ein Spiel verloren, rangiert aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz. Es läuft blendend für das Team von Trainer Lucien Favre.
Eberl verrät, dass die Trainerverpflichtung im März seine beste Entscheidung war und dass Favre und er sich duzen.
Eberl will aber die Euphorie bremsen und den Weg als Ziel ansehen. Das Motto der erfolgreichen Rückrunde lautet auch jetzt wieder: "von Spiel zu Spiel denken."
Im Kia Doppelpass auf SPORT1 spricht Eberl über die neue Borussia, sein Torwart-Juwel Marc-André ter Stegen und den Weg der Borussia.
SPORT1 hat die wichtigsten Aussagen von Eberl zusammengefasst.
Max Eberl im Kia Doppelpass über...
…über Borussia Mönchengladbach:
„Wir haben viele positive Dinge aus der letzten Saison mitgenommen. Dass es so gut läuft, damit konnte keiner rechnen. Aber wir genießen es natürlich und wollen dranbleiben. In Gladbach haben wir etwas angefangen.
Wir wollen eine Mannschaft aufbauen. Wir wissen, dass Gladbach vom Namen her ein ruhmreicher, traditioneller Verein ist, der in den letzten Jahren sportlich eher unten angesiedelt war.
Aber unser Ziel war es, die Jugendarbeit voranzutreiben, unsere jugendlichen Talente in die Mannschaft zu bringen. Dazu haben wir gestandene Spieler, die den jungen Spielern die Führung geben.
Das passt im Moment sehr gut zusammen. Lucien Favre fordert mit seiner akribischen Art und Weise die Mannschaft. Wir haben bewusst gesagt: Wir brauchen kein Feuerwehrmann als Trainer.
Deswegen fiel die Entscheidung auf ihn.“
…über den HSV und Michael Oenning:
„Man darf die Objektivität nicht verlieren. Michael Frontzeck hatte den Vorteil, eine sehr gute Vorsaison gespielt zu haben. Also hatte er vielleicht mehr Bonus als jetzt Michael Oenning.
Deswegen hatte man sich entschieden, weiterzumachen. Aber dieser Weg geht nur dann, wenn alle dahinterstehen.
Wenn das Vertrauen schwindet und die Mauern brüchig werden und das Wasser dringt hier und dort ein, dann musst du, um das Ziel zu erreichen, reagieren. Ansonsten hast du keine Chance.“
…über Marc Andre ter Stegen:
„Man hatte mit diesem Jungen einen sukzessiven Plan, der sehr gut aufgeht. Marc kam in einer Phase ins Tor, wo wir schon abgeschrieben waren. Seitdem hat er sich als sehr großen Rückhalt bewiesen.
Wir sind sehr sehr froh, dass wir ihn haben. Wir würden gerne mit ihm und seinem Berater sprechen, um den Vertrag mit ihm zu verlängern. Wir wollen im Sinne aller Beteiligten eine gute Lösung finden und ich bin auch guter Dinge.
Das ist ein Junge, der 11 Bundesliga-Spiele absolviert hat. Bevor wir sofort sagen, wo er in ein, zwei Jahren spielt, sollten wir ihn in Ruhe lassen. Das finde ich ein bisschen früh.
Die jungen Talente spielen in Deutschland. Sie spielen in einer der besten Ligen der Welt. In den schönsten Stadien der Welt. Sie spielen auf höchstem Niveau.
Natürlich möchte man irgendwann international spielen, aber der Junge hat erst angefangen. Gebt ihm ein bisschen Zeit und ein wenig Ruhe. Er wird auch noch ein Tal haben.
Wie jeder junger Spieler wird er ein Ball bekommen, der im durch die Hand durchgeht oder wird unter einer Flanke drunter herlaufen. Dann erst zeigt es sich: Wie kommt da wieder raus?“
…über die Kritik der Gladbach-Legenden in der letzten Saison:
„Ich denke man hätte mal telefonieren können. Das hätte man damals und auch noch später tun können. Es ist keine Genugtuung. Es freut mich das Arbeit oder Entscheidungen, die mit Logik versucht worden sind zu fällen, zu einem guten Ergebnis geführt haben.
Dass sich alte Spieler von Traditionsvereinen um einen Verein sorgen, ist nicht das Problem. Aber die Art und Weise und vor allem die Objektivität, wie man eine Sache betrachten kann, die muss gewährleistet sein.
Für mich wäre schön gewesen, solche Dinge persönlich zu besprechen und nicht über den medialen Weg. Der direkte Weg ist immer der beste Weg.“
…über die Ambitionen von Borussia Mönchengladbach:
„Wir haben jetzt dreizehn Punkte. Die tun uns sehr gut. Die Art und Weise tut uns sehr gut. Wir haben eine Basis gefunden, auf die wir aufbauen können. Wir wollen jedes Spiel gewinnen.
Wir haben von dem letzten Jahr gelernt, von Spiel zu Spiel zu denken. Jedes Spiel wie ein Finale sehen und es gewinnen. Genauso so gehen wir in die neue Saison.“
…über die Situation der Schiedsrichter:
„Ich glaube die Schiedsrichter hatten früher schönere Zeiten, weil es die medialen Verfolgung früher nicht so gab. Die Schiedsrichter wurden früher nicht so beobachtet, wie sie heute beobachtet werden.
Deswegen ist dieser Freiraum, dieses Fingerspitzengefühl auf dem Platz nicht mehr da.“
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