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So sieht's aus in der Provinz: Andreas Beck auf dem Weg zum Training © getty

Bei Sport1.de verrät Andreas Beck, warum er kein Problem damit hatte, Champions League gegen vermeintliche Provinz einzutauschen.

Von Christian Paschwitz

München - Dass sich 1899 Hoffenheim sogleich zur Sensationsmannschaft der Hinrunde aufschwingt und erfolgreichster Bundesliga-Neuling aller Zeiten wird, war kaum zu erwarten.

Oder vielleicht doch? Andreas Beck will einen Masterplan jedenfalls nicht ganz verneinen: "Es war einfach abzusehen", meint der Verteidiger gegenüber Sport1.de.

"Wir sind keine Dusel-Mannschaft, die nur Glück hatte. Dessen sind wir uns auch bewusst."

Und vielem anderen ebenso: Dass die Hoffenheimer als Herbstmeister nun so jejagt werden dürften wie sonst die Bayern. Und dass der Höhenflug im Kraichgau nun in seine nächste Phase eintaucht: "Wir alle meinen, dass es erst der Beginn ist."

Im Interview mit Sport1.de berichtet Beck über das Leben im "Dorfklub", warum ein Wechsel nach Hoffenheim für ihn die einzig richtige Alternative war - und was er und das Team noch vorhaben.

Sport1.de: Herr Beck, wie lebt es sich denn zwischen dem Jubel über die Herbstmeisterschaft und der Vorfreude auf Weihnachten?

Andreas Beck: Mir geht es richtig gut. Die Weihnachtsfeier mit der Mannschaft in Mannheim war angenehm, alle waren dabei im Palazzo (Restaurant von Sterne-Koch Harald Wohlfahrt, Anm. d.Red.).

Jetzt stehen für mich erst mal ein paar ruhige Tage in Heidelberg und Stuttgart an, anschließend geht's zur Familie, zu den Eltern und Schulfreunden nach Aalen. Wir Spieler haben ja frei bis zum 3. Januar. Vorher geht's mit meiner Freundin Manuela für ein langes Wochenende nach Istanbul. Auch, um den Kopf mal freizubekommen.

Sport1.de: Der dürfte recht voll sein. Sagen Sie und Ihre Teamkollegen sich eigentlich noch immer: Gibt's ja gar nicht. Oder sagen Sie sich: Die Herbstmeisterschaft ist schlichtweg der Lohn unserer Arbeit?(Datencenter: Ergebnisse und Tabelle)

Beck: Das mit der Herbstmeisterschaft war natürlich nicht abzusehen. Aber wir sind auch keine Dusel-Mannschaft, die nur Glück hatte. Wir haben einfach guten Fußball gespielt. Dessen sind wir uns auch bewusst.

Sport1.de: Hört sich nach Masterplan an.

Beck: Es lag an uns und an dem, was wir geleistet haben. Wir haben zu Hause eine unheimlich gute Bilanz gehabt, sehr viele Siege eingefahren und auch auswärts gepunktet. Deshalb stehen wir zu Recht da oben. Nur, dass es so schnell ging, ist vielleicht ein wenig überraschend.

Sport1.de: Und dass Sie jetzt da sind, was sonst die Bayern sind. Nämlich die Gejagten?

Beck: Naja. Wir stehen nach Punkten gleichauf in der Tabelle, auch wenn wir ein besseres Torverhältnis haben und derjenige, der oben steht, immer der Gejagte ist. Aber die Saison ist noch lang: Es wird sich zeigen, ob wir uns weiter steigern können. Wir sind selbst gespannt, wie wir damit zurechtkommen.

Sport1.de: Zumal der Druck ja auch größer werden dürfte - oder sogar schon ist?

Beck: Mehr Druck spüren wir aber gar nicht. Es macht uns allen Spaß, guten und erfolgreichen Fußball zu spielen.

Sport1.de: Nennen Sie doch mal drei Gründe, warum ein Spieler, dem in der Bundesliga mehrere Angebote vorliegen, lieber nach Hoffenheim gehen sollte als woanders hin.

Beck: Ich würde es nicht nur auf drei Punkte reduzieren. Hier besteht einfach die Möglichkeit, noch besser zu werden, weil alles dafür getan wird. Sowohl individuell als auch als Team. Das Credo tagtäglich ist, schönen und begeisternden Fußball zu spielen.

Man merkt, dass nicht nur im Verein etwas heranwächst, sondern in der ganzen Region. Man sieht das doch auch - wie wir auftreten und wie sich der ganze Verein präsentiert.

Sport1.de: Noch was?

Beck: Ein Unterschied ist das Alter des Teams, schon das ist was ganz Besonderes. Ein Großteil des Teams ist jung, und alle im Verein sind hungrig auf Erfolg. Das macht den gewissen Teamspirit aus. Es macht einfach Spaß.

Sport1.de: Was macht es bei 1899 für Sie persönlich anders als vorher in Stuttgart?(Alle Fußball-News)

Beck: Ich wollte damals eine Veränderung und den Schritt unbedingt gehen ? obwohl es von einem Verein war, der in der Champions League gespielt hat. Da war es zuerst mal ein Rückschritt, Hoffenheim war gerade aufgestiegen. Aber trotzdem war mein Schritt voller Überzeugung.

Sport1.de: Das müssen Sie uns erklären.

Beck: Weil man selbst in der zweiten Liga gesehen hat, was die Mannschaft schon leistet und wie da gearbeitet wird.

Sport1.de: Sie haben also damals schon gewusst, dass Hoffenheim sich so entwickeln würde?

Beck: Es war einfach abzusehen, dass da was Großes entstehen kann: die Überzeugungskraft vom Trainer und Manager, überhaupt das ganze Konzept, das dahintersteckt, auch mit dem Stadion und dem Trainingsgelände.

Deswegen wollte ich diesen Schritt unbedingt gehen. Es wird bei uns einfach sehr zielstrebig und höchst professionell gearbeitet.

Sport1.de: Das wird es woanders auch.

Beck: In Hoffenheim ist es vor allem beständig. Man ruht sich da nicht auf Erfolgen aus. Wir alle meinen auch, dass es erst der Beginn ist. Wir wollen noch besser werden, wir haben ja wirklich noch nicht so viele Bundesliga-Spiele auf dem Buckel. Mit noch mehr Erfahrung, hoffe ich, kommt dann noch mehr Konstanz und Klasse rein. >>>Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews

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