

Dämpfer für Gladbachs Himmelsstürmer
Sinsheim - Die Höhenluft ist den "Fohlen" nicht gut bekommen.
Nach dem besten Saisonstart seit 24 Jahren ist Borussia Mönchengladbach mit dem ernüchternden 0:1 bei 1899 Hoffenheim unsanft auf dem Boden der Realität gelandet. (BERICHT: Ibisevic stürzt die Bayern-Jäger)
Die Euphorie im Umfeld und das Bayern-Jäger-Label setzte der jungen Mannschaft offenbar mehr zu als alle Beteiligten zugeben wollten. (DIASHOW: Der 10. Spieltag)
"Wir dürfen nicht vergessen, wo wir noch vor wenigen Monaten standen. Träumereien sind fehl am Platz", sagte Trainer Lucien Favre.
Offensive lahmt
Durch das dritte Spiel in Folge ohne Sieg ist bei Gladbachs Himmelsstürmern der Zauber der ersten Wochen jäh verflogen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)
Speziell die hochgelobte Offensive um den frischgebackenen Nationalspieler Marco Reus enttäuschte bei defensivstarken Kraichgauern auf ganzer Linie.
"Wir haben das ganze Spiel über nicht zu unserer Linie gefunden. Hoffenheim macht ein Tor, das nicht passieren darf", fand auch Reus keine Erklärung für die schwache Leistung.
1899 neutralisiert Konterstärke
Als Tabellenzweiter angereist deuteten die Gäste nur in der Anfangsviertelstunde ihre Klasse an, dann tauchten sie völlig ab und agierten viel zu passiv.
Um ein Spiel im Stile einer Spitzenmannschaft zu dominieren und einen massierten Abwehrriegel auszuspielen reicht die Qualität der Favre-Elf noch nicht.
"Wir hätten heute maximal ein 0:0 holen können, mehr nicht. Wir hatten keine richtigen Torchancen", musste der Schweizer neidlos anerkennen:
"Wir hatten große Mühe im Spielaufbau. Die TSG war sehr gut organisiert und hat viel Pressing gespielt."
Leichte Verletzung bei ter Stegen
Vor dem schweren Pokal-Gang zum Bremen-Bezwinger Heidenheim müssen die Verantwortlichen nun schnell das angekratzte Selbstvertrauen der Mannschaft wiederherstellen.
"Wir haben uns zu wenig zugetraut und zu wenig nach vorne gemacht. Wir haben als Team nicht richtig funktioniert und hatten keine Passgenauigkeit im Spiel", bestätigte der zumindest kämpferisch überzeugende Reus.
Zu allem Überfluss verletzte sich beim Gegentor auch noch Torhüter Marc-Andre ter Stegen leicht am Knie.
"Der Ball lag plötzlich frei. Ich bin dann mit Risiko hingegangen, weil ich schnell klären wollte, aber das hat leider nicht funktioniert. Dabei habe ich einen Schlag aufs Knie bekommen", erklärte der 19-Jährige.
"Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist."
Gänsehaut bei Ibisevic
Die Gastgeber lieferten zwar auch keine Glanzleistung ab, hatten aber den Helden des Tages in ihren Reihen.
Als Vedad Ibisevic nach seinem traumhaften Comeback in der 88. Minute unter gewaltigen Applaus ausgewechselt wurde, lief es dem Angreifer eiskalt den Rücken hinunter.
"Das war in dem Moment ein unheimlich schönes Gefühl. Ich habe es einfach nur genossen und bin wirklich froh, das wichtige Tor geschossen zu haben", sagte Ibisevic.
Glückliches Händchen
Der bosnische Nationalstürmer war wegen eines Muskelbündelrisses zuletzt acht Wochen ausgefallen und hatte erst bei der 0:2-Pleite beim VfB Stuttgart als Einwechselspieler erstmals überhaupt unter dem neuen 1899-Coach Holger Stanislawski auf dem Platz gestanden.
Eine Woche später stellte ihn "Stani" dann in die Startelf und wurde durch den Siegtreffer (56.) belohnt.
"Ich freue mich, dass er nach so einer langen Verletzungspause gleich ein Tor gemacht hat. Vedo weiß, wo der Ball im Sechzehner hinfällt, das ist natürlich seine Stärke", sagte Stanislawski und drückte seinen Matchwinner beim Gang aus dem Stadion herzlich.
"Stani" fordert die Fans
Trotzdem fand der Trainer im Anschluss auch kritische Worte für die Leistung seiner Truppe:
"Wir hatten sehr viel Leerlauf im Spiel. Wir haben Gevatter Angst im Rucksack mitgetragen: viele leichte Ballverluste, nicht so mutig in der Spieleröffnung."
Auch die Fans sparte der langjährige Paulianer bei seiner kritischen Bestandsaufnahme auf LIGA total! nicht aus.
"Ich gehe ja ins Stadion, um auch ein paar Emotionen auszuleben. Wir haben als Mannschaft heute Luft nach oben gehabt, bestimmt von der Stimmung her. Es ist alles ausbaufähig", fordert Stanislawski eine generelle Steigerung.
Gelegenheit dafür bekommen Anhänger und Profis bereits am Dienstag im einzigen Erstliga-Duell der zweiten Pokalrunde gegen den 1.FC Köln.
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