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Seit Juli 2008 trainiert Ottmar Hitzfeld die Schweizer Nationalelf © getty

Der frühere Bayern-Coach glaubt, dass Hoffenheim Nachahmer finden wird. Das Team habe bereits jetzt die Liga enorm beeinflusst.

München - Für den ehemaligen Bayern-Trainer und Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld hat das Modell von Herbstmeister 1899 Hoffenheim eine Vorbild-Funktion für die gesamte Bundesliga.

"Insgesamt haben die Hoffenheimer Außergewöhnliches geleistet. Da steckt ein Konzept dahinter, das durchaus Zukunft hat - und Nachahmer finden wird", sagte der 59-Jährige in einem Interview mit der "Welt am Sonntag".

Laut Hitzfeld haben die Hoffenheimer den deutschen Fußball mit dem vertikalen Fußball und dem schnellen Umschalten von Abwehr auf Angriff belebt und modernisiert.

"Ein Fortschritt für die Bundesliga"

"Das ist hervorragend und ein Fortschritt für die Bundesliga", meinte Hitzfeld, der aber mit Blick auf das Abschneiden der deutschen Klubs in den internationalen Wettbewerben in der Bundesliga noch erheblichen Nachholbedarf sieht.

"Im Hinblick auf eine realistische Einschätzung und den Stellenwert der Bundesliga sind wir angehalten, dabei nie den Blick für das große Ganze, also auch den internationalen Anspruch, zu verlieren."

Bayerns Abwehr wieder stabiler

Positiv bewertet der ehemalige Trainer von Borussia Dortmund die Entwicklungen bei seinem alten Arbeitgeber Bayern München.

Sein Nachfolger Jürgen Klinsmann habe die Mannschaft nach anfänglichen Schwierigkeiten erfolgreich umgestellt.

"Sie ist defensiv wieder stabil, nachdem man zu Saisonbeginn zu viele Gegentore kassiert hat. Das verbesserte Defensivverhalten war in meinen Augen ausschlaggebend dafür, dass die Bayern die Hinrunde erfolgreich beendet haben", sagte Hitzfeld.

Logische Rückkehr zum 4-4-2

Dass Bayern-Coach Klinsmann wieder hauptsächlich auf das von ihm selbst während seiner Zeit beim Rekordmeister geprägte 4-4-2-System setzt, empfindet Hitzfeld nicht als Genugtuung.

"Es war eine logische Folge - und es hat mich nicht überrascht. Wenn es nicht so läuft, greift man oftmals auf das Bewährte zurück. Und das war beim FC Bayern das 4-4-2-System, das wir in der Saison zuvor erfolgreich angewendet haben", erklärte Hitzfeld.

Lob für Ballack - und Löw

Auch zur deutschen Nationalmannschaft nahm der "General", wie er zu Bayern-Zeiten genannt wurde, Stellung.

Die deutsche Auswahl habe trotz eines erfolgreichen Jahres "im spielerischen Bereich" Steigerungspotenzial. Kapitän Michael Ballack bleibe zudem unverzichtbar. "Weil er ein Weltklassespieler mit enormer Präsenz ist."

Im Konflikt zwischen Nationaltrainer Joachim Löw und Ballack stellt sich Hitzfeld klar auf Löws Seite.

"Er hat diesen Konflikt sehr gut gelöst und ganz klare Richtlinien festgelegt. Damit hat er seine Autorität bewahrt."

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