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Verlängerter Arm von VfB-Trainer Bruno Labbadia: William Kvist (l.) © getty

Stuttgart findet mit defensiver Stabilität wieder Anschluss. Kvist gilt als Erfolgsgarant. Der Neuzugang gibt das Lob aber weiter.

Von Matthias Becker

München/Stuttgart - So ganz trauten sie dem Braten noch nicht beim VfB Stuttgart.

Zur Standortbestimmung hatten sie das Duell gegen den Meister aus Dortmund am 11. Spieltag im Vorfeld ausgerufen, den BVB gar als Vorbild für die eigene Entwicklung bezeichnet.

Zu viel Euphorie wollten die Verantwortlichen um Manager Fredi Bobic und Trainer Bruno Labbadia nach dem gelungenen Saisonstart mit 17 Punkten aus zehn Spielen nicht schüren.

Das dürfte nach dem berauschenden 1:1 gegen die Borussia (Bericht), als der VfB über 80 Minuten nahezu gleichwertig war, nun etwas schwerer werden.

Aber wer hat nicht gerne solche Probleme, nach einer Seuchensaison im Abstiegskampf?

"Wir sind bodenständig geworden"

"Wir sind durch die vergangene Saison alle etwas bodenständig geworden. Wir wollen kleine Brötchen backen und so viele Punkte wie möglich in der Hinrunde holen", versicherte Torhüter Sven Ulreich gegenüber SPORT1.

Im Spiel beim taumelnden FSV Mainz 05 (Fr., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) können die Schwaben ihre Ausbeute auf 21 Zähler ausbauen - satte neun mehr als nach der gesamten Hinrunde 2010 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Zumindest vorerst würde sich der VfB damit auch auf einen Champions-League-Platz verbessern, auch wenn Neuzugang William Kvist SPORT1 versicherte: "Wir denken nicht über die Champions League nach. Wir möchten eine bessere Saison spielen als die letzte."

Kvist als Herz und Hirn

Kvist ist es aber, der die Stuttgarter Fans wieder von großen Erfolgen träumen lässt. Der Däne ist binnen kürzester Zeit zum Herz und Hirn der Mannschaft geworden.

Für 3,5 Millionen Euro vom FC Kopenhagen ins Schwabenland gekommen brauchte der defensive Mittelfeldspieler quasi null Eingewöhnungszeit.

Schon vor dem Start in Stuttgart bereitete er sich intensiv auf die Bundesliga vor, schaute sich viele Partien auf Video an.

"Besser, als ich gedacht hätte"

Wie selbstverständlich gibt Kvist vor der Abwehr die Kommandos und leitet Offensivspiel immer wieder mit einfachen, aber klaren Pässen ein.

"Es läuft ein bisschen besser als ich gedacht hätte", gibt Kvist zu, von weiterem Eigenlob hält er allerdings nichts: "Ich versuche, meine Aufgaben gut zu erledigen, damit die Innenverteidiger nicht zu viel Arbeit bekommen."

Der Neue als verlängerter Arm

Auf diese Art und Weise konnte die Labbadia-Elf eine Defensivstärke entwickeln, die das Fundament für die bisher starke Saison ist.

Nach elf Spieltagen hat der VfB erst neun Gegentreffer kassiert - 2010 waren es ganze 19. Damit stellt er die viertbeste Abwehr der Liga.

"Wir haben viel an der Kompaktheit gearbeitet. Die taktische Disziplin gegen Dortmund war gut. Im Spielaufbau und bei der Sauberkeit der Pässe haben wir noch einen Schritt nach vorne gemacht", dozierte Kvist, studierter Betriebswirt und auf dem Rasen der verlängerte Arm Labbadias, über die Entwicklung des VfB.

Ganze Mannschaft arbeitet besser

Die Bedeutung des Dänen für den Aufschwung des VfB hebt Keeper Ulreich hervor. "William ist ein wichtiger Spieler für uns. Er ist im Zentrum der Ideen- und Taktgeber", erklärte er.

Zudem sind sich auch Offensivspieler wie Tamas Hajnal oder Martin Harnik nicht zu schade, nach hinten zu agieren. "Wir stehen als Mannschaft viel besser und arbeiten viel besser. Das fängt ganz vorne an und setzt sich bis nach hinten fort", analysierte Innenverteidiger Serdar Tasci im Gespräch mit SPORT1.

Dass mit Ulreich und Tasci zwei Wackelkandidaten aus der Hinrunde des Vorjahres wieder zu absoluten Leistungsträgern geworden sind, unterstreicht die Fortschritte in Stuttgart nur.

Leno-Millionen für Offensiv-Verstärkungen?

Doch wo sollen die enden? Eine Kampfansage an die Konkurrenz gibt es weder von Labbadia noch von Bobic oder den Spielern zu hören. Die Gefahr lauert für die Konkurrenz eher im Potenzial des VfB.

Jetzt, wo die Abwehr stabilisiert ist, kann sich Manager Bobic der Offensive zuwenden. Die angestrebten sieben Millionen Euro Erlös aus dem immer wahrscheinlicher werdenden Verkauf Bernd Lenos an Bayer Leverkusen könnten im Winter investiert werden.

Vielleicht wird das Vorbild Dortmund ja schneller eingeholt als gedacht.

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