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Thomas Tuchel bestritt 1992/1993 acht Zweitliga-Partien für die Stuttgarter Kickers © getty

Tuchel will die Talfahrt der Mainzer gegen seinen Ex-Klub Stuttgart stoppen. Der Coach kämpft auch gegen sein "Motzki"-Image.

Von Jakob Gajdzik

München - Gewinnen, und zwar egal wie, lautet derzeit das Motto beim FSV Mainz 05.

"Wenn man uns für ein schlechtes Spiel einen Sieg garantiert, dann ordne ich das sofort an", sagte Thomas Tuchel vor der Partie gegen den VfB Stuttgart (Fr., ab 20 Uhr im LIVE-TICKER).

Kampf statt Spielfreude. Die Zeiten haben sich geändert in Mainz.

Gegen die Schwaben droht den 05ern die sechste Heimniederlage und insgesamt das zehnte sieglose Spiel in Folge.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Die Himmelsstürmer der vergangenen Saison finden sich nach knapp einem Drittel der Saison mittendrin im Abstiegskampf.

Zwar werfen die Mainzer größtenteils weiterhin ihre Trümpfe wie Aggressivität, Lauffreude und Dynamik in die Waagschaale, allerdings scheitern sie zu oft an der Chancenverwertung und durch individuelle Fehler an sich selbst.

Fehlende Siegermentalität

Eine "fehlende Mentalität des Gewinnens" hat der Mainzer Coach bei seiner Elf ausgemacht. Er versucht, mit allen Mitteln dagegen zusteuern.

Dabei schießt der 38-Jährige aber zunehmend über das Ziel hinaus, zuletzt mit Kritik an Schiedsrichtern und Journalisten. (Bericht: Narrenfreiheit für "Motzki" Tuchel)

Der in der Vergangenheit als Konzepttrainer mit dem Matchplan in der Tasche gefeierte Coach kann offensichtlich mit der Talfahrt der Mainzer nur schwer umgehen.

Das gibt er auch grundsätzlich zu. "Ich bin ein schlechter Verlierer", hat er schon vor längerer Zeit erklärt.

Fünf Heimniederlagen in Folge

Die mageren neun Punkte auf dem Konto und die zurückliegenden fünf Heimpleiten in Folge nagen an Tuchel - auch wenn der gebürtige Krumbacher das natürlich ganz anders sieht.

"Ich reflektiere ständig, was ich tue. Und ich erlaube mir weiter, unbequem zu sein. Ich habe ein dickes Fell", sagte der Coach fast schon trotzig.

Auch an seiner Spielphilosophie will der trotz der schwachen Bilanz festhalten: "Es gibt keinen Grund, an diesem Weg zu zweifeln. Er ist alternativlos."

Jobgarantie der Bosse

Immerhin kann sich Tuchel der Rückendeckung der Chefetage sicher sein. Sein Arbeitsplatz ist selbst bei einem Abstieg nicht in Gefahr.

"Wir gehen mit Thomas Tuchel den gleichen Weg wie mit Jürgen Klopp. Wenn es gut läuft, läuft es gut. Wenn es schlecht läuft, läuft es schlecht", sagte Präsident Harald Strutz.

Und Manager Christian Heidel ergänzte: "Tuchel hat den sichersten Arbeitsplatz in dr Liga."

Doch einen möglichen Abstieg wollen die Rheinhessen um jeden Preis vermeiden. Und von daher muss Tuchel am Freitag gegen seinen alten Klub die Wende einleiten.

Fünf Jahre beim VfB

Zwischen 2000 und 2005 trainierte Tuchel die U-15- sowie die U-19-Junioren des VfB.

"Ich fand seine Art immer positiv. Er hatte was Mitreißendes", sagte Stuttgarts Keeper Sven Ulreich, der Tuchel als Trainer bei den C-Junioren hatte.

Mit der A-Jugend wurde der 38-Jährige 2005 sogar Deutscher Meister, unter anderem mit Nationalspieler Serdar Tasci im Kader.

Doch Sympathie für die Schwaben hin oder her, Tuchel braucht dringend die drei Punkte. Es wäre der erste Sieg seit dem 13. August.

Der "letzte Schritt" fehlt

"Wir sind imstande, Spiele gegen die unterschiedlichsten Gegner zu dominieren. Aber es steht außer Frage, dass wir auch den letzten Schritt gehen müssen", sagte Tuchel:

"Es ist alles durchdiskutiert, ausdiskutiert und zu Ende analysiert. Wir brauchen jetzt das verdammte Ergebnis auf der Anzeigetafel."

Tuchel muss gegen den Tabellensechsten aus Stuttgart auf Bo Svensson, Adam Szalai und Fabian Schönheim verzichten.

Ein Fragezeichen steht zudem hinter den Einsätzen von Kapitän Nikolce Noveski und Marcel Risse - beide sind angeschlagen.

Wetklo wieder im Tor

Zwischen den Pfosten wird Christian Wetklo stehen. Tuchel hat die Torwart-Diskussion vorerst beendet und setzt weiterhin auf den eigentlichen Ersatzkeeper.

Damit bleibt Heinz Müller wie zuletzt beim Sieg im DFB-Pokal in Hannover und beim 1:3 gegen Werder Bremen auf der Bank.

Da Müller diese Entscheidung nicht nachvollziehen kann, wird bereits über einen vorzeitigen Abschied des Torwarts spekuliert.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Mainz: Wetklo - Pospech, Bungert, Noveski, Fathi - Baumgartlinger, Polanski, Soto - Malli - Allagui, Choupo-Moting

Stuttgart: Ulreich - Boulahrouz, Tasci, Maza, Molinaro - Kvist, Kuzmanovic - Harnik, Hajnal, Okazaki - Cacau

Schiedsrichter: Winkmann

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