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Andreas Hinkel spielte bisher für den VfB Stuttgart, den FC Sevilla und Celtic Glasgow © getty

Im SPORT1-Interview spricht Freiburgs Andreas Hinkel über seine Rückkehr in die Bundesliga, den SC Freiburg und Hooligans.

Von Reinhard Franke

München - Andreas Hinkel ist zurück im Fußballzirkus Bundesliga. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nach insgesamt fünf Jahren im Ausland wechselte er zum SC Freiburg. Für ihn bedeutet der Wechsel zum Kellerkind keinen Abstieg.

Am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) spielt er mit dem Sportclub beim 1. FC Nürnberg 474582(DIASHOW: Der 11. Spieltag).

Im Gespräch mit SPORT1 spricht der Schwabe über seine Rückkehr nach Deutschland, die Situation in Freiburg und die Hooligan-Problematik.

SPORT1: Warum Freiburg? Nichts gegen den Sportclub, aber gab es keine Angebote mehr von einem Topverein in der Bundesliga? Immerhin waren Sie mal Nationalspieler.

Andreas Hinkel: Jeder weiß, wie meine Situation war. Ich war lange verletzt und mein letztes Pflichtspiel vor dem Wechsel war im Mai 2010. Dann war es natürlich schwierig nach einer Verletzung gleich zu einem Top-Klub zu kommen. Außerdem ist der SC Freiburg für mich in vielerlei Hinsicht ein Top-Klub. Klar, er ist ein kleiner Verein mit einem kleinen Budget, der nicht die Möglichkeiten wie die großen Vereine hat, dafür aber eine ganz eigene Philosophie. Der Verein ist gesund. Und dass es oft gegen den Abstieg geht, weiß man in Freiburg.

SPORT1: Sie haben auch mehrere Wochen bei Ihrem Ex-Verein VfB Stuttgart mittrainiert. Warum hat es nicht für einen Vertrag gereicht?

Hinkel: Der VfB hat auf meiner Position zwei Rechtsverteidiger gehabt und das war von Anfang an so kommuniziert. Ich habe das gerne angenommen, mich fitzuhalten, aber es war klar, dass es nichts darüber hinaus wird. Und jetzt bin ich froh, in Freiburg zu spielen. Natürlich wäre ich auch für das Ausland weiter offen gewesen, aber es war schon ein Wunsch von mir, in die Bundesliga zurückzukehren.

SPORT1: Warum?

Hinkel: Die Bundesliga ist für mich super attraktiv, ich habe hier meine Karriere begonnen und es ist eine sehr ausgeglichene Liga. Hinzu kommen immer volle Stadien. Ich bin Deutscher und das waren meine Faktoren.

[kaltura id="0_57x1gp35" class="full_size" title="Marcus Sorg sorglos in Freiburg"]

SPORT1: Freiburgs Toptorjäger Papiss Demba Cissé wird wohl spätestens im Sommer, vielleicht aber schon nach der Hinrunde den Verein verlassen. Hätte Freiburg überhaupt ohne ihn die Chance auf den Klassenerhalt?

Hinkel: Sicherlich. Ich bin erst drei Spiele da und in den drei Spielen war viel mehr drin. Das ist jetzt nicht schön geredet. Auch in vielen Spielen, bevor ich kam, war mehr drin. Wir sind nicht weit weg, uns fehlt momentan das letzte Quäntchen Glück. Die Situation sieht natürlich nicht gut aus, aber man muss das richtig analysieren. Wir müssen unsere Chancen einfach besser nutzen, dann kann man da ganz schnell unten rauskommen.

SPORT1: Am Samstag geht es nach Nürnberg. Was ist da drin für den Sportclub?

Hinkel: Ich denke, wir können überall etwas mitnehmen und jedem Gegner wehtun, wenn wir alles aus uns rausholen, an unsere Leistungsgrenze gehen und einfache Fehler vermeiden. Ich hoffe, dass wir die drei Punkte mitnehmen können. Wir tun alles dafür.

SPORT1: Ist die Nationalelf noch ein Thema für Sie?

Hinkel: Momentan denke ich da gar nicht dran. Das ist so weit weg. Ich muss erst mal wieder meinen Rhythmus finden.

SPORT1: Sie sind ein bodenständiger Typ. Wie sehr hat Sie die Zeit im Ausland verändert?

Hinkel: Das Ausland hat mir auch nochmal einen ganz anderen Blick auf Deutschland gegeben. Das verändert einen natürlich. Aber jede Zeit prägt einen. Das ganze Leben lang. Das beginnt im Elternhaus. Ich komme aus einer normalen bürgerlichen Familie und da wurde noch auf Werte geachtet.

SPORT1: Welche?

Hinkel: Fleißig sein, ehrlich sein und immer wissen, dass ein Platz für einen da ist, wenn es nicht gut läuft. Das Wichtigste ist, dass ich immer eine starke Familie im Rücken habe.

SPORT1: Sie sind zweifacher Familienvater. Wie glücklich macht Sie das im harten Fußballgeschäft?

Hinkel: Ich bin mit meiner Frau Simone verheiratet und wir haben zwei süße Kinder. Ich bin ein Familienmensch durch und durch und bin schon sehr glücklich.

SPORT1: Aus aktuellem Anlass leider ein trauriges Thema. Der Überfall auf Daniel Bauer in Magdeburg durch Vermummte war ein neuer Tiefpunkt in der aktuellen Hooligan-Diskussion. Wie denken Sie darüber und haben Sie auch schon mal persönlich negative Erfahrungen mit solchen extremen Fangrupperungen gehabt?

Hinkel: Solche Vorfälle wie bei Daniel Bauer sind natürlich ganz schlimm. Wenn jemand zu Hause bedroht wird, Angst haben muss und körperlich angegangen wird, dann hat das nichts mehr mit Fußball zu tun. Ich habe mit Glasgow in den letzten Jahren eine ganz emotionale Stadt erlebt, wo es auch eine hohe Rivalität zwischen den Fans gibt. Da war es auch ganz schön extrem und da ist viel passiert. Da hilft nur eines: Das Problem gemeinsam angehen: Spieler, Vereine, Fans.

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