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Claudio Pizarro wechselte 1999 von Allianza Lima zu Werder Bremen © getty

Der Peruaner dreht ein dramatisches Spiel im Alleingang. "Das geht an die Nerven", sagt der Matchwinner. Kölns Coach ärgert sich.

Von Tobias Wiltschek

München/Bremen - Langsam, aber sicher lief den Bremern die Zeit davon.

Gegen neun Kölner berannte Werder das Tor von Michael Rensing im Minutentakt.

Doch der Ball wollte einfach nicht mehr über die Linie.

Bis die 86. Minute anbrach und sich Claudio Pizarro an den langen Pfosten davon stahl 478072(DIASHOW: Der 12. Spieltag).

Weserstadion in Ekstase

Der Torjäger stand wieder einmal goldrichtig und verlängerte die Kopfballvorlage von Markus Rosenberg ins Netz. 3:2!

Dieser Moment versetzte das Weserstadion in Ekstase, und Pizarro gab beim Jubel mit seiner Luftgitarren-Einlage den Takt vor.

Wieder mal ein Spiel gedreht

"Wir haben wieder so ein Spiel gedreht ? das ist Wahnsinn!", freute sich der Werder-Torschütze bei LIGA total! nach dem Sieg, mit dem sich Werder wieder in die Riege der Bayern-Jäger einreihte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Gegen Köln war es Pizarro ganz allein, der mit allen drei Treffern die Wende schaffte.

Wieder einmal. Im zwölften Spiel lag Werder zum neunten Mal hinten und gewann schon zum fünften Mal in dieser Saison nach einem Rückstand noch das Spiel.

"Das geht an die Nerven"

"Es ist doch verrückt, dass wir immer erst in Rückstand geraten. Das geht an die Nerven - wirklich", sagte Pizarro.

Nicht nur dem Peruaner wollte die Dramaturgie nicht gefallen.

"Wir wollen auch mal einen langweiligen Sieg erleben. Aber scheinbar ist das nicht möglich bei uns", sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf.

Solbakken kritisiert den Referee

Dass es dazu kam, lag aber nicht allein am besten ausländischen Torschützen der Bundesliga-Geschichte.

Auch Schiedsrichter Michael Weiner trug seinen Teil mit einigen Fehlentscheidungen dazu bei.

"Ein Mann konnte in diesem intensiven Spiel nicht mitlaufen: Das war der Schiedsrichter. Es war nicht in Ordnung, was er heute gemacht hat", regte sich Kölns Coach Stale Solbakken über die Leistungen des Unparteiischen mächtig auf.

Dieser verweigerte den Kölnern in zwei Szenen einen durchaus berechtigten Elfmeter.

Vor allem das Handspiel von Naldo (52.) im Strafraum erregte die Gemüter. Zuspruch bekamen die Kölner aus berufenem Munde.

Merk: "Absolut unnatürliche Handbewegung"

"Das ist eine absolut unnatürliche Handbewegung", erklärte Ex-Schiedsrichter Markus Merk als Experte bei "Sky".

"Er geht in Torwartmanier in diesen Flankenball rein, so darf ein Abwehrspieler da nicht reingehen. Das wäre für mich Elfmeter gewesen."

Praktisch im Gegenzug zeigte Weiner dann zurecht auf den Punkt, als Kölns Henrique Sereno im Strafraum Markus Rosenberg zu Fall brachte.

Dass der Schiedsrichter in dieser Szene den Verteidiger auch noch vom Platz stelle, schwächte die Gäste doppelt.

Köln am Ende nur noch mit neun Spielern

Zu allem Unglück verletzte sich auch noch Ammar Jemal, nachdem Solbakken bereits sein Auswechselkontingent erschöpft hatte.

Somit mussten sich die Kölner mit neun Spielern der drohenden Niederlage entgegenstemmen.

Pizarro in der Form seines Lebens

Pizarro war es egal. Er verwandelte den Strafstoß sicher zum 2:2, nachdem er schon zu Beginn der zweiten Halbzeit den Anschlusstreffer erzielt hatte.

"Momentan treffe ich alles ? das ist unglaublich", sagte der 33-Jährige, der sich nach eigener Einschätzung "in der Form meines Lebens" befindet.

Auf die Frage, ob das der beste Pizarro sei, den es jemals gab, bekannte er: "Ich glaube ja."

Auch sein Trainer sieht das so. "Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, dass Claudio im Alter offensichtlich immer besser wird", sagte Schaaf.

Früher Doppelwechsel bringt die Wende

Der Werder-Coach hatte auf die "grausame" Anfangsphase der Werderaner schnell reagiert und schon in der 37. Minute mit Mehmet Ekici und Lukas Schmitz zwei Spieler ausgewechselt.

Die ungewöhnliche Maßnahme wirkte. Denn so riss Schaaf seine Mannschaft letztlich erfolgreich aus ihrer Lethargie.

Die anfängliche Schlafmützigkeit der Gastgeber hatte es den Kölnern ermöglicht, früh in Führung zu gehen und lange vom ersten Auswärtssieg seit dem 4:1 in Leverkusen am 6. Spieltag zu träumen.

Auch Podolski wieder herausragend

In dieser Phase setzte einmal mehr Lukas Podolski die Glanzpunkte.

Erst bereitete er das 1:0 von Christian Clemens mit einer perfekten Flanke vor, und kurz vor der Pause ließ er Werders Torwart Tim Wiese nach einem schulmäßigen Konter keine Chance und erzielte seinen neunen Saisontreffer.

Umso bitterer war für ihn die Niederlage:

"Es ist enttäuschend, wenn man auswärts mit 2:0 bei einer Spitzenmannschaft führt und das Spiel dann innerhalb von fünf Minuten aus der Hand gibt", sagte Podolski bei LIGA total!.

Doch auch Kölns Torjäger musste anerkennen, dass seine Kölner am Ende gegen die Power von Pizarro machtlos waren.

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