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Frustriert: Michael Ballack (M.) wechselte 2010 vom FC Chelsea nach Leverkusen © getty

30 Minuten guter Fußball haben nicht gereicht. Leverkusen bleibt nach dem 2:2 gegen den HSV im Niemandsland der Tabelle.

Leverkusen - Hilflos, kopflos, ratlos:

Beim deutschen Vizemeister Bayer Leverkusen läuten nach dem über weite Strecken spielerischen Offenbarungseid beim 2:2 (Spielbericht) gegen den Hamburger SV die Alarmglocken. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich habe keine Erklärung für das, was bei uns in dieser Saison passiert", sagte Michael Ballack mit zerknirschtem Gesichtsausdruck nach der 60-minütigen Grusel-Darbietung des Werksklubs.

Dabei hatte Bayer früh mit 2:0 geführt, den Gegner beherrscht, ehe das taktische Konzept des Champions-League-Teilnehmers nach dem 1:2 der Hamburger wie ein Kartenhaus zusammenfiel.

478072(DIASHOW: Der 12. Spieltag)

Ballack spricht von Rückschritt

"Das war wieder ein Rückschritt. Uns fehlt einfach die Leichtigkeit, die wir in der Vorsaison noch gehabt haben", sagte der 35-jährige Ballack kopfschüttelnd und legte dann den Finger in die Wunde des kranken Patienten:

"Wir hinken unserem eigenen Anspruch weit hinterher. Wir müssen in der Länderspielpause das Einmaleins des Fußball wieder erlernen."

Die Frage ist nur, ob Bayer-Trainer Robin Dutt der geeignete Fußballlehrer dafür ist.

Dramatischer Leistungseinbruch

Der Nachfolger von Jupp Heynckes teilte zwar grundsätzlich Ballacks Meinung und sprach ebenfalls von einem Rückschritt.

Er verblüffte aber einmal mehr bei seinen Erklärungsversuchen für den dramatischen Leistungseinbruch seiner Mannschaft nach der "vielleicht stärksten halben Stunde dieser Saison", wie Ballack treffend bemerkte.

Der Bayer-Coach verteidigte zudem seine merkwürdige Wechselstrategie mit Positionsspielchen und taktischen Zwängen, die vielleicht an der PlayStation greifen - in der Realität aber wirkungslos sind.

Unsicherheitsfaktor Reinartz

Dass in Unsicherheitsfaktor Stefan Reinartz für Sidney Sam nach der Pause ein Defensiver für einen Offensiven kam, begründete Dutt damit, beim Pausenstand von 2:1 nach Treffern von Andre Schürrle (5. ) und Lars Bender (20.) für Bayer und dem Anschlusstor von Heiko Westermann (34.) frühzeitig auf Ergebnissicherung zu spielen.

Und als Marcell Jansen diese Pläne mit dem 2:2 (57.) durchkreuzt hatte, habe er mit dem Tausch Eren Derdiyok für Simon Rolfes noch einmal alles auf eine Karte setzen wollen.

Dass am Ende ein Abwehrspieler Reinartz vor einem Offensivspieler Schürrle agierte, verwunderte zwar selbst die Bayer-Profis, auf Dutts Reißbrett machte diese Aufteilung aber Sinn.

Ballack spricht wesentliche Probleme an

Ballack machte im Gegensatz zu seinem Trainer auf die wesentlichen Probleme aufmerksam.

"Wir haben nach dem 1:2 einen Schritt weniger gemacht als der Gegner, wir verlieren mit zunehmender Dauer die Überzeugung", sagte der frühere Kapitän der Nationalmannschaft und erklärte weiter:

"Wir sind in den entscheidenden Situationen nicht eng genug am Mann, dadurch machen wir uns die Spiele kaputt."

Diese elementaren Dinge des Fußballs hat Dutt aber augenscheinlich nicht mehr im Sinn, sonst würde er sie seinen Spielern vermitteln.

HSV im vierten Spiel unter Fink ungeschlagen

Die Probleme der Leverkusener interessierten die Gäste derweil nicht, haben sie doch selbst genug.

Zwar blieb der Bundesliga-Dino am 75. Geburtstag von HSV-Ikone Uwe Seeler auch im vierten Pflichtspiel unter seinem neuen Trainer Thorsten Fink ungeschlagen.

Bei drei Unentschieden in der Bundesliga unter Fink geht es aus dem Tabellenkeller aber nur schleppend heraus.

"Wir haben Moral bewiesen nach dem Rückstand und sind mit dem Ausgleich zurückgekommen. Die Mannschaft merkt langsam, was sie leisten kann", sagte Fink dennoch recht zufrieden.

Kapitän Westermann fügte hinzu: "Wir hätten einen Sieg verdient gehabt. Aber es war auch so ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Aber nun muss unbedingt mal ein Dreier folgen."

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