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Die Glanztat des Spiels: Manuel Neuer wehrt Edmond Kapllanis Schuss ab © imago

Nach dem Zittersieg in Augsburg halten sich die Bayern nicht lang mit Kritik auf und sehen die Glanztat ihres Keepers nüchtern.

Aus Augsburg berichten Christian Paschwitz und Mathias Frohnapfel

Augsburg - Matchwinner Manuel Neuer nahm die kollegialen Schulterklopfer um seiner Glanztat recht unaufgeregt zur Kenntnis.

Und selbst Uli Hoeneß mimte den Gelassenen.

"Er hat seinen Job gemacht und eine Million Euro abbezahlt", sagte der Präsident des FC Bayern in Anspielung auf die 25 Millionen Euro, die die Münchner im Sommer für den Transfer des Keepers an den FC Schalke 04 überwiesen hatten.

Dabei hätten die Verantwortlichen des Rekordmeisters durchaus Grund dazu gehabt, ein wenig emotional zu werden.

Um ein Haar nur waren die Bayern beim letztlich schmeichelhaften 2:1 (2:0) bei Aufsteiger FC Augsburg an einer Blamage vorbeigeschrammt (Spielbericht).

Neuers Weltklasse-Parade

Doch Neuer hielt kurz vor Abpfiff den Dreier fest im ersten schwäbisch-bayerischen Bundesliga-Derby der beiden Klubs, als er gegen den frei vor ihm auftauchenden Edmond Kapllani eine Weltklasse-Parade zeigte. 478072(DIASHOW: Der 12. Spieltag)

"Es war auch ein bisschen Glück", gab sich der Nationaltorhüter bescheiden.

"Neuer hat den Sieg gerettet, das war immens wichtig. Die zweite Halbzeit war nicht souverän", sagte Bayern-Manager Christian Nerlinger.

Den spielerischen Einbruch in Durchgang zwei, nachdem der Tabellenführer den FCA dank der Treffer von Mario Gomez (16.) und Franck Ribery (28.) klar dominiert hatte, wollte bei den Gästen dennoch niemand überbewerten.

Nerlinger: "Nicht arrogant"

"Wir haben den Faden verloren, aber nicht arrogant gespielt", erklärte Nerlinger, der nach dem Anschlusstreffer von Hajime Hosogai (59.) mitansehen musste, wie das Match zu kippen drohte.

Eben, weil das Star-Ensemble von Trainer Jupp Heynckes sehr wohl die zuvor noch an den Tag gelegte Zielstrebigkeit komplett schleifen ließ.

Heynckes kritisiert Nachlässigkeiten

Dazu mag es auch das ein oder andere Kabinettstücken zur falschen Zeit gewesen sein wie von Ribery einmal mit der Hacke, die den eigentlich schon schachmatt gesetzten Gegner wieder aufkommen und auf den Ausgleich drängen ließ.

"Nach einer gewissen Zeit sind wir etwas nachlässig geworden in unserer Defensivarbeit. Es ist doch klar, wenn man hier in Augsburg einen Gegentreffer bekommt, dann bekommt der Gegner Auftrieb und ist zusätzlich motiviert", wollte Heynckes dann auch doch nicht alles komplett rosarot sehen.

Luhukay stolz auf sein Team

Sein Trainer-Pendant Jos Luhukay nahm die Steilvorlage gern auf: "Ich habe großen Respekt vor meiner Mannschaft. Wir hatten in dieser Woche viele Ausfälle zu verkraften. Aber wir waren mental sehr stark und haben uns zurückgekämpft", sagte der Niederländer.

Gleichwohl stehen die Augsburger, wo Mohamed Amsif den verletzten Stammkeeper Simon Jentzsch (Finger-OP) ordentlich vertrat, nach wie vor ohne Heimsieg da und fielen zurück auf den letzten Tabellenrang.

Weiter fünf Punkte vor Dortmund

Die Bayern wiederum bauten ihre Tabellenführung vor Meister Borussia Dortmund auf fünf Punkte aus (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Im Topspiel gegen die Westfalen nach der Länderspielpause dürfte ein ähnlicher Leistungsabfall wie in der zweiten Hälfte bestraft werden.

Eine weitere personelle Hiobsbotschaft mussten die Bayern schon im Vorfeld verkraften.

Alaba mit Luft nach oben

Den verletzten Bastian Schweinsteiger (Schlüsselbeinbruch) vertrat David Alaba mit einer durchwachsenen Vorstellung.

"Die erste Halbzeit war okay, die zweite war nicht so gut", meinte Alaba selbstkritisch und ergänzte: "Der Trainer hat mit mir gesagt, er vertraut mir, ich soll Gas geben. Ich bin mit meiner Entwicklung am Anfang."

Tymoshchuk-Rot wiegt schwer

Ersetzen muss Heynckes im nächsten Spiel gegen Meister Borussia Dortmund auf der Sechser-Position neben Schweinsteiger auch Anatoliy Tymoshchuk.

Der Ukrainer sah kurz vor Schluss (90.+3) die Rote Karte nach einem groben Foulspiel an Daniel Baier.

"Tymoshchuk geht mit gestrecktem Bein in den Zweikampf und kommt zu spät. Wenn ich den Ball nicht treffe, kann ich so natürlich nicht hingehen. Das ist eine korrekte Entscheidung des Schiedsrichters", meinte Heynckes.

Augsburgs Manager Andreas Rettig trauerte indes gegenüber SPORT1 noch Kapllanis Ausgleichschance nach: "Er hätte sich unsterblich machen und Geschichte schreiben können, wäre sein Ball gegen Neuer reingegangen."

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