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Thomas Müller (l.) und Holger Badstuber gewannen 2010 mit Bayern das Double © getty

Bastian Schweinsteiger fehlt den Münchnern in Augsburg mehr als ihnen lieb ist. Toni Kroos und Philipp Lahm räumen Defizite ein.

Aus Augsburg berichten Mathias Frohnapfel und Christian Paschwitz

Augsburg - Ein Gegentor nach einem Eckball genügte.

Und schon wackelte der FC Bayern beim mühsam errungenen 2:1-Sieg in Augsburg (Spielbericht) und musste bis zum letzten Moment zittern. Beim Tabellenletzten wohlgemerkt.

Denn nach dem Treffer von Hajime Hosogai bereitete der FCA mit eher bescheidenen Mitteln dem Rekordmeister enorme Probleme, auch weil die ordnende Hand fehlte. 478072(DIASHOW: Der 12. Spieltag)

Dass diese Hand bisher Bastian Schweinsteiger hieß, sprach Toni Kroos auf SPORT1-Nachfrage klar an.

Kroos vermisst Schweinsteiger

"Bastian wäre in so einer Phase natürlich ein Spieler, der mit seiner Ballsicherheit ein Stück weit Ruhe reinbringen kann."

Und der 21-Jährige gab zu: "Wir haben nach der Pause die Bälle in Zonen verloren, in der man sie nicht verlieren darf, nämlich weit in unserer Hälfte. Natürlich muss man das souveräner runterspielen."

Mario Gomez und Franck Ribery hatten den Bayern zuvor eine scheinbar sichere Führung beschert, David Alaba half mit einem soliden Auftritt auf der Schweinsteiger-Position aus.

Als die Münchner aber durch die angriffslustigen Augsburger in Bedrängnis gerieten, war der 19-Jährige - verständlicherweise - überfordert.

Böse Erinnerung ans Neapel-Spiel

Und auch die Kollegen wie Anatoliy Tymoshchuk vermochten den Bruch im Bayern-Spiel nicht verhindern, plötzlich ähnelte die Partie dem Verlauf nach Schweinsteigers Schlüsselbeinbruch gegen Neapel.

Philipp Lahm ärgerte das zwar alles zwar, doch am Ende war der etwas heisere FCB-Kapitän heilfroh über den Dreier, nachdem das Team "keinen guten Tag" erwischt habe.

Letztlich rettete Neuers Glanztat gegen Edmond Kapllani den Sieg.

Lahm: Auf Gegenwart konzentrieren

Lahm sah sich daher in der Erkenntnis bestätigt, dass man Vizekapitän Schweinsteiger "nicht eins zu eins ersetzen" könne.

Und doch schien ihn der Wirbel um die neue Baustelle im Bayern-Team deutlich zu groß, vor allem mit Blick auf die Top-Partie gegen Dortmund in knapp zwei Wochen.

"Wir müssen jetzt ohne ihn auskommen", meinte Lahm. Es sei "mühsam, immer darüber zu sprechen."

Fast deckungsgleich antwortete Christian Nerlinger, der keine Lust zeigte, das Schweinsteiger-Dilemma "in allen Spielen bis zur Winterpause" durchzudiskutieren.

Der Bayern-Sportdirektor verwies lieber darauf, dass sein Team doch auch den Ausfall von Arjen Robben glänzend weggesteckt habe.

Nerlinger lobt Alaba

Erst in sechs Wochen wird Schweinsteiger wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.

Umso wichtiger ist es für den Rekordmeister, Alaba für den wichtigen Stellvertreter-Job aufzubauen, entsprechend wohlwollend bewertete Nerlinger den jungen Österreicher: "Er hat sehr gut gespielt, sich voll reingehauen und gekämpft. Er hatte sehr wenig Ballverluste, hat eine sehr gute Partie gezeigt."

Vor allem nach der Roten Karte für Tymoshchuk, der in der Nachspielzeit Daniel Baier mit Karacho umsenste, ist die Lage auf der Sechserposition angespannt.

Womöglich kehrt aber Arjen Robben bis zum Bundesliga-Gipfeltreffen gegen Verfolger Dortmund in den Kader zurück. Seit seiner Leisten-OP Anfang Oktober wagte Robben am Sonntag ein erstes Sprinttraining.

Neue Variante dank Robben-Rückkehr?

Heynckes hätte dann eine Option mehr. Die Variante, Kroos auf die Sechserposition zu beordern und Thomas Müller auf die Zehn, könnte sich aufdrängen.

Bis dahin wird der Bayern-Trainer über das von ihm selbst auserkorene "Juwel" Alaba nachgrübeln.

Der mühte sich in Augsburg redlich, die Vorgaben des Trainers als Taktgeber umzusetzen.

Alaba spulte im defensiven Mittelfeld ein enormes Laufpensum ab, leistete sich anders als sein Kollege Tymoshchuk keine groben Fehler, forderte aber selten den Ball.

Alaba will sich weiter verbessern

"Ich bin noch am Anfang meiner Entwicklung", sagte der 19-Jährige realistisch.

In kurzen Sätzen antwortete Alaba am Sonntagabend auf die Reporterfragen, für die neue Aufgabe fühlt er sich jedenfalls vorbereitet: "Ich habe in Hoffenheim Woche für Woche auf dieser Position spielen dürfen", erklärte er auf SPORT1-Nachfrage.

"Ich muss mich jetzt im Training verbessern und wieder in diese Position reinkommen."

Die Münchner Suche nach einem Anführer dürfte so leicht aber nicht zu beenden sein.

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