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Lukas Podolski spielte vor seinem Wechsel nach Köln im Jahr 1995 in Bergheim Fußball © getty

Podolski denkt laut über eine Zukunft ohne den 1. FC Köln nach. Löw befürwortet den Schritt ins Ausland, Overath glaubt nicht dran.

Von Thorsten Mesch

München - Am Sonntag fühlte sich Lukas Podolski rundum wohl.

2500 Fans waren in den nach ihm benannten Sportpark des FC Bergheim 2000 gekommen, um ihr Idol zu bewundern.

Podolski erzielte zwei Tore beim 7:1 des 1. FC Köln gegen seinen Heimatverein, gab fleißig Autogramme und ließ sich mit seinen Anhängern fotografieren.

"Ich versuche natürlich, den Verein zu unterstützen. Wenn man selbst für einen Verein gespielt hat, dann ist es immer einfacher", sagte der Initiator des Freundschaftsspiels.

Auch die Erinnerung an die unglückliche 2:3-Niederlage in Bremen vom Vortag konnte dem 26-Jährigen die gute Laune nicht verderben (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Zu den Spekulationen über seinen möglichen Abschied aus Köln wollte er sich allerdings nicht äußern. Er glaube nicht, dass es an der Zeit sei "über meine Zukunft zu sprechen", wiegelte er kurz angebunden ab.

Deutliche Worte im Interview

Zuvor hatte der Nationalspieler jedoch in aller Ausführlichkeit über seine Zukunft gesprochen.

"Wenn eine Anfrage kommt, und die wird bestimmt kommen, dann muss man eine Entscheidung treffen", hatte sich Podolski am Wochenende bei "sky" über seine Zukunftsplanungen geäußert

Die Fans des 1. FC Köln müssen sich allmählich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass ihr Liebling womöglich nicht auf ewig für die "Geißböcke" spielen wird.

Finke reagiert

Bereits reagiert hat dagegen FC-Sportdirektor Volker Finke.

"Wir werden in Sachen Vertragsverlängerung alle Möglichkeiten nutzen, um ihn beim 1. FC Köln zu halten", kündigte er an: "Die Gespräche werden im Winter beginnen."

Finke ließ keinen Zweifel am Stellenwert Podolskis für den Verein: "Lukas ist derzeit unser wichtigster Spieler. Er ist in Top-Form und kann das auch auf seine Mitspieler übertragen. Wir möchten, dass er sich hier auch weiterhin wohlfühlt."

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Arsenal und AC Mailand interessiert

Neben dem FC Arsenal, der laut englischen Medienberichten 23 Millionen Euro bieten soll, soll neuerdings auch der AC Mailand am Linksfuß interessiert sein.

Der Kölner solle den Ausfall von Weltmeister Antonio Cassano, der nach seiner Herz-OP für sechs Monate zuschauen muss, kompensieren, berichtet der "Corriere della Sera".

Schon 2008, als Podolski vom FC Bayern nach Köln zurückgekehrt war, hatte der aktuelle italienische Meister mitgeboten. Im Sommer dieses Jahres hatte Galatasary Istanbul ein offizielles Angebot abgegeben, auch Lok Moskau soll interessiert gewesen sein.

Gespräche über die Zukunft

Podolskis Vertrag in Köln läuft im Juni 2013 aus. "Nicht alleine, wenn es auf die Zielgerade geht" werde er ein Gespräch mit dem Verein führen, kündigte er an.

"Ich werde mir meine Gedanken machen mit meiner Familie und dann wird man sehen, wohin der Weg geht."

Löw befürwortet Wechsel ins Ausland

Wenn es nach Bundestrainer Joachim Löw geht, darf dieser Weg gerne ins Ausland führen. "Vor drei, vier Jahren" habe er Podolski noch von einem Wechsel ins Ausland abgeraten, meinte Löw am Sonntag "Heute ist vielleicht eher die Situation da."

Podolski sei für Köln zwar sehr wichtig, "auf der anderen Seite ist er jetzt in der Lage, solch einen Schritt zu gehen. Er hat die Reife, im Ausland zu bestehen", betonte Löw.

Die Worte des Bundestrainers dürften nicht ganz unerheblich für Podolskis Entscheidungsfindung sein.

Löw hatte dem Kölner in den vergangenen Jahren stets sein Vertrauen ausgesprochen, ihn gegen Kritiker verteidigt, aber auch zu gegebener Zeit in die Pflicht genommen und zuletzt mehr Konstanz von ihm gefordert.

Stolz auf das bisher Erreichte

"Ich denke ich bin immer noch Stammspieler in der Nationalmannschaft daran hat sich nichts geändert", meinte Podolski.

"Ich freue mich, dass ich in jungen Jahren so viele Länderspiele habe und einige Turniere gespielt habe. Ich habe schon einiges erreicht und darauf kann ich stolz sein."

Eins fehlt ihm jedoch in seiner Vita: Der Durchbruch im internationalen Vereinsfußball.

Enttäuscht über Entwicklung des FC

Dass er mit dem 1. FC Köln in der kommenden Saison im Europapokal spielen wird, erscheint eher unwahrscheinlich. Die internationale Perspektive, die ihm bei seiner Rückkehr versprochen worden war, sieht er nicht.

"Wenn von den Verantwortlichen gesagt wird, wir haben einen Weg für die nächsten fünf Jahre und wollen nach Europa", und dies "nach zwei Jahren nicht mehr funktioniert", sei es doch "klar, dass man als Spieler enttäuscht ist."

Wunsch nach neuen Herausforderungen

Podolski und sein Berater Kon Schramm werden genau darauf achten, welche Perspektive der 1. FC Köln bietet.

"Ich denke, uns fehlt einfach die klare Strategie", hatte Podolski schon im Oktober 2010 geklagt: "Wir treten auf der Stelle. Und wenn das auf Dauer so bleibt, muss ich mir schon Gedanken über meine Zukunft machen."

Im November 2011 ist Podolskis Wunsch nach neuen Herausforderungen, so scheint es, größer denn je.

Overath verbreitet Zuversicht

FC-Präsident Wolfgang Overath ist dennoch guter Dinge, seinen Superstar halten zu können.

"Ich glaube nicht, dass Lukas nach Russland oder England wechselt. Das ist nicht seine Mentalität. Man hat ja schon gemerkt, dass er sich in München nicht wohlfühlte", beruhigte Overath die Kiebitze am Kölner Geißbockheim.

Doch Podolskis jüngste Aussagen zeigen, dass er nicht mehr nur der "Wohlfühl-Fußballer" ist, als der er lange galt.

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