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Robin Dutt trainierte bis zum Sommer den SC Freiburg © imago

Trainer Robin Dutt vermag sein System den Leverkusenern Profis immer schwerer klar machen. Die Sinnkrise zieht weite Kreise.

Von Mathias Frohnapfel

München - Zumindest in diesem Punkt waren sich Robin Dutt und seine Spieler einig.

"Das Spiel war ein Rückschlag", sagte der Leverkusener Trainer nach dem 2:2 gegen den Hamburger SV (Spielbericht). An den Folgen wird er in der gesamten Länderspielpause knabbern müssen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Zumal nach und nach die Kluft zwischen Team und Trainer trotz anders lautender Beteuerungen größer zu werden scheint.

Und dass sich nach dem Remis gegen den Tabellen-17. weder Sportchef Rudi Völler noch Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser zu Worte meldeten, dürfte Dutt nicht als positives Zeichen interpretieren.

Nur ein Sieg in den letzten vier Spielen

Bei Bayer denken wohl nicht nur die Fans im Moment darüber nach, ob der Liaison mit Dutt eine glückliche Zukunft beschieden ist.

In den vergangenen vier Spielen gelang lediglich ein 1:0-Sieg über Freiburg, vor allem das 1:3 in der Champions League in Valencia tat weh.

Ein großes Problem: Uneinigkeit herrscht allen Anschein beim Tabellenachten, wie Aufgaben wie gegen den HSV angegangen werden soll. Vereinfacht gesagt, orientiert sich Dutt eher am Gegner, seine Mannen wollen indes ihr Spiel durchsetzen - und basta.

Rolfes findet Team zu passiv

"Wir reagieren zu viel und agieren zu wenig", mäkelte Simon Rolfes 478072(DIASHOW: Der 12. Spieltag).

Und der Nationalspieler klärte gleich über das Grundübel auf: "Das ist aber gar nicht die Stärke unserer Mannschaft. Spieler, die von Bayer Leverkusen verpflichtet werden, haben ihre Stärken darin, zu agieren."

Schumacher: Leverkusen ist nicht Freiburg

Ähnlich fällt die Einschätzung von SPORT1-Kolumnist Toni Schumacher aus (KOLUMNE: Dutt muss sich ändern).

"Dutt muss doch wissen - Leverkusen ist nicht Freiburg. Bayer lebt von seiner Dominanz und Spielkultur", meint der ehemalige Bayer-Co-Trainer.

"Da kann man nicht wie Dutt gegen den HSV defensiv wechseln und die Taktik nach einem Abstiegskandidaten ausrichten".

Die Torwart-Legende sieht daher auch Bayer-Sportchef gefordert, Dutt klar zu machen, "dass er sich ändern muss." Sonst sei "der Riss zwischen Trainer und Team nicht mehr zu kitten."

[kaltura id="0_zxxmz357" class="full_size" title="Schiedsrichter Diskussion nach Bayer Spiel"]

Taktik geht zuerst auf

Dutt hatte den HSV zuvor ausgiebig studiert und ein feines System ausgetüftelt, um die schwächelnden Hanseaten auseinanderzunehmen. Das klappte in der ersten Hälfte bis zu Hamburgs Treffer zum 1:2 ja auch hervorragend.

Doch dass Andre Schürrle auf der linken Seite bei Ballverlust bis tief in die eigene Hälfte verteidigen musste, raubte Energien. 23 lange Spurts musste er so hinlegen. Offensivwirbler Schürrle als Quasi-Verteidiger, das verwunderte.

Schürrle wird zum Quasi-Verteidiger

Schürrle selbst verwies auf Dutts Planung und sagte: "Das war Anweisung des Trainers. Sidney Sam und ich sollten HSV-Angriffe über die Seite tief in die eigene Hälfte abfangen."

Auch Dutts Wechselspiele schienen seine Profis in Verlegenheit zu bringen.

Für Offensivmann Sam kam zur Pause mit Verteidiger Stefan Reinartz ein Defensivspieler. Er sollte den Ex-Leverkusener Gökhan Töre in seinen Wirkungskreisen stören.

Ballack verärgert über zwei Gesichter

Bayers Spiel verfiel immer mehr in seine Einzelteile.

"Wir haben wieder zwei Gesichter in einem Spiel gezeigt. Die ersten 30 Minuten waren die beste Leistung in dieser Saison. Doch dann haben wir zwei, drei Gänge zurückgeschaltet", stellte Michael Ballack fest.

Es wäre für Bayer eine beruhigende Nachricht, wenn sich die aktuelle Sinnkrise tatsächlich nur auf eine Motivationslücke zurückführen ließe.

Rolfes will keine "Übergangssaison"

Der Schatten von Dutts Vorgänger Jupp Heynckes lastet auf dem Team, scheint den Trainer bei seiner ersten Aufgabe bei einem Spitzenklub zu belasten. Eine klare Linie ist schwer ersichtlich.

Für Rolfes geht es in der Analyse ebenfalls darum, über Anspruch und Wirklichkeit nachzudenken.

Dass Bayer vor einer Übergangssaison stehen soll, in der sich Coach und Team finden können, leuchtet dem Kapitän nicht ein.

"Ich sehe keine Notwendigkeit für eine Übergangssaison. Ich sehe keinen Grund, ein Jahr zu warten. Dafür ist unsere Mannschaft einfach zu gut"

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