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Robin Dutt (l., mit Ballack) wechselte vor der Saison von Freiburg nach Leverkusen © imago

Reiner Calmund nimmt bei SPORT1 Leverkusen-Trainer Dutt in Schutz. Er spricht über die Probleme der Werkself und Ballacks Zukunft.

Von Christian Stüwe

München - Auf Robin Dutt prasselt derzeit die Kritik ein.

Mit seinem neuen Klub Bayer Leverkusen hinkt der 46 Jahre alte Trainer den Erwartungen hinterher.

Zuletzt monierte Kapitän Simon Rolfes eine zu passive Spielweise des Vizemeisters, der derzeit nur den achten Platz in der Bundesliga belegt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dutt übernimmt die Verantwortung: Die Kritik sei zu "100 Prozent berechtigt", sagte er dem "Express". (Bericht)

Calmund nimmt Dutt in Schutz

Reiner Calmund sieht das etwas anders. Der langjährige Bayer-Manager, der immer noch beste Beziehungen nach Leverkusen hat, nimmt Dutt im Gespräch mit SPORT1 in Schutz.

"Der Trainer steht natürlich in der Verantwortung", erklärt Calmund:

"Aber ich würde auch den Spielern sagen, dass sie bei den zuletzt gezeigten Leistungen einen großen Anteil daran haben."

Die Kicker der Werkself müssten "sich an die eigene Nase fassen", führt der 62-Jährige weiter aus, um dann weitere Gründe für die aktuellen Probleme in Leverkusen zu nennen. 478072(DIASHOW: Tops und Flops 12. Spieltag)

Kreativloch im Mittelfeld

Die Abgänge von Sami Hyypiä (Karriereende) und Arturo Vidal (zu Juventus Turin) hätten große Löcher hinterlassen, glaubt "Calli".

Der Finne sei trotz seiner Reservistenrolle ein "Leader" gewesen, "mit ganz viel Erfahrung und großer Ausstrahlung. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb des Spielfelds".

Und Vidal sieht Calmund als den "besten Spieler der letzten Saison", der in dieser Form nicht ohne weiteres zu ersetzen sei.

Dazu kämen die Verletzungen von Tranquillo Barnetta und Renato Augusto, da habe im Mittelfeld eben "ein wenig die Kreativität" gefehlt.

Dies alles habe zu den sportlichen Rückschlägen geführt, was sich wiederrum auf das Selbstbewusstsein der Spieler niedergeschlagen habe.

[kaltura id="0_zxxmz357" class="full_size" title="Schiedsrichter Diskussion nach Bayer Spiel"]

Heynckes hinterlässt große Fußstapfen

Doch im Zentrum der Kritik steht Dutt, für den die Fußstapfen von Vorgänger Jupp Heynckes noch zu groß scheinen.

Unter Heynckes erlebte Bayer einen kontinuierlichen Aufschwung, mit der Vize-Meisterschaft als Höhepunkt.

Heynckes verabschiedete sich dann in Richtung München, nun versucht Dutt aus dem Schatten des routinierten Vorgängers zu treten.

Calmund traut ihm das ohne weiteres zu, hat aber auch Verständnis für die Kritiker.

Lob für den Neuen

"Ich habe vor kurzem ein sehr intensives Gespräch mit Robin Dutt geführt und war sehr angetan. Der Mann versteht etwas von seinem Geschäft", sagt Calmund.

"Aber wenn die Punkte fehlen und der Tabellenplatz nicht der erwartete ist, gibt es harte Kritik", erklärt Calmund weiter: "Das ist aber normal."

Rückendeckung von Holzhäuser

Immerhin kann sich Dutt noch auf die Rückendeckung der Vereinsbosse verlassen. (SCHUMACHER-KOLUMNE: Dutt muss sich ändern)

Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser mahnte am Donnerstag zur Geduld.

"Ich möchte Robin Dutt und seinem Team mein Vertrauen aussprechen und gleichzeitig sein großes Engagement loben", erklärte Holzhäuser. (Bericht)

Und auch wenn die Leistungen nicht passen, ist die Lage bei der Werkself keineswegs aussichtslos.

Nur fünf Punkte sind es bis zum zweiten Tabellenplatz, in der Champions League ist das Achtelfinale in Reichweite.

Ein "Salätchen" mit dem "alten Sack"

Hoffnung macht zudem der Aufschwung von Michael Ballack. Der 35-Jährige entwickelt sich mehr und mehr zum Anführer der Mannschaft.

Eine Entwicklung, die besonders Calmund freut. Erst kürzlich habe er ein "Salätchen" mit dem früheren "Capitano" gegessen

"Er wirkte sehr locker", berichtet Calmund:

"Er kommt von Woche zu Woche besser in Form und ist derzeit für Leverkusen unersetzlich. Er genießt es, dass Umfeld und Spieler sagen, dass man ihn braucht. Das tut auch einem 'alten Sack' wie dem Michael Ballack gut."

Ballack sei "über ein Jahrzehnt der deutsche Exportschlager" gewesen, "jetzt mit Mitte 30 hat er sich von den Rückschlägen erholt und sich dank seiner sensationellen Einstellung wieder ran gekämpft."

Zuletzt ließ Ballack dennoch seine Zukunft offen. Calmund rechnet damit, dass Ballack sich erst im Frühjahr konkret zu seinen Plänen äußern wird.

Ballack als Trainer oder Manager? "Alles spricht dafür"

"Für mich ist alles möglich: Er könnte noch ein Jahr in Leverkusen dranhängen, als Amerika-Fan könnte er auch nochmal in die dortige Major League Soccer wechseln", sagt Calmund:

"Aber vielleicht geht er auch nochmal zu einem ganz anderen Klub."

Sicher ist sich Calmund allerdings, dass Ballack nach seiner aktiven Karriere irgendwo Trainer oder Manager wird.

"Seine gesamte Erfahrung, seine Visionen und wie er über Fußball spricht - alles das spricht dafür", glaubt "Calli".

Vorerst allerdings muss sich Dutt keine Sorgen machen, dass ihn Ballack als Bayer-Coach beerben könnte. Jedenfalls nicht sofort.

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