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Alexander Esswein (r. mit Kamavuaka) wechselte 2011 von Dresden nach Nürnberg © getty

Der Club steht nahe der Abstiegsplätze. Den Verweis auf die Abgänge bezeichnet Trainer Dieter Hecking als "Alibi-Gequatsche".

Von Maik Rosner

München - November 2010: Zwölfter Spieltag, eine 0:3-Niederlage.

Chancenlos, aber das auch bei Bayern München.

Und dennoch: 18 Punkte, Tabellenplatz zehn, nur zwei Zähler hinter einem Europa-League-Rang und vor allem: acht vor der Abstiegszone.

Vor einem Jahr war die Welt beim 1. FC Nürnberg mehr als in Ordnung. Träume schienen möglich.

Nun heißt die Realität zum gleichen Zeitpunkt und damit nach mehr als einem Drittel der Saison: Sieben Spiele ohne Sieg in Folge, zuletzt eine 1:2-Heimniederlage gegen den bisherigen Tabellenletzten SC Freiburg (Bericht) durch einen völlig unnötigen Foulelfmeter in der Nachspielzeit (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) .

Hecking kennt die Probleme

Die ernüchternde Zwischenbilanz: Tabellenplatz 15, nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt, aber sieben vom internationalen Geschäft.

Aus den knapp verpassten Träumen der Vorsaison könnten nun Albträume werden 478072(DIASHOW: Der 12. Spieltag).

Es ist eine schwierige Normalität, der sich Nürnberg stellen muss.

Dieter Hecking macht "individuelle Fehler, Formschwankungen, zum Teil unglückliche Entscheidungen der Schiedsrichter" verantwortlich für die verpassten Punkte.

Abgesehen von den Niederlagen in Mönchengladbach (0:1) und München (0:4) seien diese möglich gewesen, findet der Trainer.

Abgänge keine Ausrede

Und er sagt gegenüber dem "Kicker" über die aufgezählten Gründe für die Misere: "Das ergibt ein Gesamtpaket, das zu Instabilität geführt hat, die durch unsere zum Teil ungewollte Rotation verschärft worden ist."

Gemeint sind die zahlreichen Verletzungen, darunter von Leistungsträgern wie Raphael Schäfer, Javier Pinola, Per Nilsson und Markus Feulner.

Die Abgänge vorheriger Stützpfeiler wie Julian Schieber, Ilkay Gündogan, Mehmet Ekici und Andreas Wolf klammert Hecking dagegen bewusst aus.

"Das ist zu billig, Alibi-Gequatsche, das ich nicht gelten lasse", sagt er. Das sei nun einmal "das Los von Klubs wie dem 1. FC Nürnberg", die finanziell nicht mit den größeren Vereinen mithalten können.

Hecking ohne Nationalspieler

In der Länderspielpause könnte der ehemalige Polizist nun eigentlich körperliche und seelische Aufbauarbeit leisten.

Doch der Vorjahreserfolg ist auch ein wenig Fluch. Viele seiner jungen Profis haben sich in die Notizbücher diverser Auswahltrainer gespielt.

Nun fehlen sie Hecking in jener Zeit, in der Versäumtes oder Verbesserungswürdiges angegangen werden kann.

Hecking drückt es so aus: "Ich bräuchte die Trainingsarbeit, um Stabilität zu finden. Und um Gespräche zu führen, etwa mit Timm Klose."

Der Innenverteidiger aus der Schweiz hatte sich den Fehler vor jenem Elfmeter erlaubt, der zur Niederlage gegen Freiburg geführt hatte. Klose weinte danach bittere Tränen.

"Es sind keine Stinkstiefel im Team"

Eine Balance versucht Hecking zu finden vor dem komplizierten Restprogramm bis zur Winterpause, das drei Auswärtsspiele in Schalke, beim HSV und in Leverkusen genauso bereithält wie die Heimspiele gegen Kaiserslautern und Hoffenheim.

Immerhin hat er festgestellt: "Es sind keine Stinkstiefel im Team." Wohl aber viele Talente, die auch mit ihrem schnellen Aufstieg durch die zurückliegenden Erfolge zu kämpfen haben.

"Das ist die Gefahr, wenn man viele junge Spieler hat. Es geht sehr schnell nach oben. Dann meinen sie, es wäre vollendet", sagt Hecking: "Aber sie haben nichts erreicht, es geht erst für sie los."

Nach der Länderspielpause bedeutet das: Sie müssen sich nun im Abstiegskampf beweisen, in der schwierigen Nürnberger Normalität.

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