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Wolfgang Overath war von 1963 bis 1977 beim 1. FC Köln als Spieler aktiv © imago

SPORT1-Kolumnist Toni Schumacher ist vom Overath-Rücktritt geschockt. Er befürchtet Auswirkungen auf Poldolskis Zukunft in Köln.

Von Jakob Gajdzik und Tobias Wiltschek

München - Dem Schock folgte das große Fragezeichen.

Nach dem Rücktritt des gesamten Vorstands um Präsident Wolfgang Overath auf der Mitgliederversammlung steht der 1. FC Köln von einem auf den anderen Tag ohne Vorstand da (Bericht).

Ein Paukenschlag im Rheinland. Zumal Overath vor einigen Tagen noch erklärt hatte, bis zum Ende seiner Amtszeit 2013 weitermachen zu wollen.

Auch SPORT1-Kolumnist Harald Schumacher reagiert geschockt auf die Entwicklung: "Eine Katastrophe für den 1. FC Köln. Ich finde es schade, dass es so weit gekommen ist", sagt das FC-Idol zu SPORT1.

Schumacher hofft auf "professionelle Führung"

Wer die Overath-Nachfolge antreten soll, ist derzeit überhaupt noch nicht absehbar. Schumacher hofft aber, "dass der 1. FC Köln bald wieder eine professionelle Führung bekommt".

Der Ex-Nationalkeeper wird in Köln selbst in den Kreis der Präsidenten-Kandidaten gezählt, äußert sich zur Nachfolge-Frage aber bewusst zurückhaltend.

"Es geht nicht um Personen, Eitelkeiten oder Machtstreben", betont er.

Für Schumacher ist hierbei wichtig, dass in dieser schwierigen Zeit allein das Wohl des Vereins im Vordergrund steht.

Friedrich Neukirch, der als Vize-Präsident zurücktrat, zeigt sich in der Präsidenten-Frage optimistisch: "Ich denke, es sind genug Persönlichkeiten da, die die Führung vorübergehend übernehmen können. Ich bin überzeugt, dass es dann überzeugende Lösungen geben wird."

Solbakken zeigt Verständnis

Die sportlich Verantwortlichen beim rheinischen Traditionsklub reagierten konsterniert auf Overaths Rücktritt, auch wenn Trainer Stale Solbakken Verständnis für die Entscheidung aufbringt.

"Er hat eine große Geschichte als Spieler und Kapitän des FC, der Verein hat ihm viel zu verdanken", sagte der Norweger. "Er hat über viele Jahre einen guten Job gemacht, seinen Schritt muss man akzeptieren."

Von einem "Schock für die ganze Mannschaft" sprach indes Vize-Kapitän Sascha Riether: "Wir waren sprachlos, hatten nicht mit dieser Entscheidung gerechnet."

Rücktritt kommt unerwartet

Auch für Schumacher, der mit den Kölnern 1978 Deutscher Meister wurde, kommt der Rücktritt völlig unerwartet, "denn wenn man sich an die Interviews der letzten Woche von Overath erinnert, konnte man nicht mit dieser Entscheidung rechnen."

Was letztendlich zu Overaths Entscheidung geführt hat, könne er nicht sagen, "aber es wirkt so, als sei es vorbereitet gewesen. Ich kann nur spekulieren, dass die massiven Anfeindungen für Overath nicht mehr tragbar waren", so Schumacher.

Overath hält sich bedeckt

Overath selbst wollte sich zunächst nicht öffentlich zu seinen Beweggründen äußern. Einige seiner Aussagen während der Mitgliederversammlung lassen aber darauf schließen, dass er tatsächlich nicht länger als Zielscheibe für die Angriffe der klubinternen Opposition herhalten wollte.

[kaltura id="0_iqlrxo46" class="full_size" title="Overath R cktritt sorgt f r Chaos"]

"Es nervt, wenn eine vielleicht auch nur kleine Gruppe immer wieder attackiert", wird er vom "Express" zitiert. Kurz danach kam es zum großen Knall; der Weltmeister von 1974 gab den Rücktritt des gesamten Präsidiums bekannt.

Auch der scheidende Vize Jürgen Glowacz zeigte sich nach siebenjähriger Amtszeit ernüchtert: "Es gab mittlerweile einfach zu viele Dinge, wo wir einfach nicht mehr mit leben können."

Spekulationen um Podolskis Zukunft

Schumacher ist sich sicher, dass die aktuellen Entwicklungen auch einen Einfluss auf die Zukunft von Lukas Podolski haben (Bericht). Der FC-Stürmerstar galt als Unterstützter des Präsidenten, auch wenn er sich zuletzt über mangelnden Zuspruch von Overath beklagte.

"Er muss eine Entscheidung wohl überlegen und nicht voreilig handeln", mahnt der SPORT1-Kolumnist, stellt aber auch klar:

"Lukas ist 94-maliger Nationalspieler, und da möchte man am Ende der Karriere auch Titel auf der Autogrammkarte stehen haben. Deshalb dürfen wir uns nicht wundern, wenn Lukas sich nach einer sportlichen Alternative umsehen sollte."

Coach kämpft um "Poldi"

Der Kölner Trainer will einen Wechsel von Podolski um jeden Preis verhindern.

"Er hat noch 18 Monate Vertrag. Das ist viel Zeit für uns, ihm zu beweisen, dass wir eine gute Mannschaft aufbauen und er darin der große Matchwinner sein kann, auch nach diesen 18 Monaten", erklärte Solbakken.

Wolf übernimmt die Geschäfte

Bis zur Wahl eines Overath-Nachfolgers übernimmt Dr. Werner Wolf kommissarisch die Geschäfte des Vereinsvorsitzenden.

Der Sprecher der Geschäftsführung einer großen Brauerei wurde vom neu gebildeten Aufsichtsrat noch in den Katakomben der Versammlungshalle als neuer Vorsitzender gewählt.

Die außerordentliche Mitgliederversammlung, aus der der neue starke Mann des FC hervorgehen soll, wird wohl nicht mehr in diesem Jahr stattfinden.

Als Termin ist Januar 2012 im Gespräch.

Tumultartige Szenen

Während der vierstündigen Mitgliederversammlung war es am Sonntag zu tumultartigen Szenen und Handgreiflichkeiten zwischen Befürwortern und Gegnern des Vorstands gekommen.

Die vorrangigste Aufgabe der Interimsführung wird es daher sein, die Wogen wieder zu glätten, damit die Wahl des neuen Vorsitzenden nicht wieder von Chaos überschattet wird.

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