vergrößernverkleinern
Wolfgang Overath (li.) holte Lukas Podolski (re.) 2009 vom FC Bayern zurück © getty

Dem FC droht nach Overaths Rücktritt ein viermonatiges Machtvakuum. Podolskis Zukunft scheint ungewisser denn je.

Von Julian Buhl

München - Seit ein paar Tagen herrscht in Köln Ausnahmezustand. Zum einen wurde am 11.11.11 in der Karnevalshochburg die fünfte Jahreszeit eingeläutet - ein nahezu historisches Datum.

Den Beginn einer neuen Zeitrechnung markiert aber ein anderes Ereignis, das die Domstadt noch immer wie ein Erdbeben erschüttert: der Rücktritt von Wolfgang Overath, 68, als Präsident des 1. FC Köln. (Bericht)

Die Folgen des überraschenden Rückzugs der FC-Legende mitsamt des kompletten Vorstands, den Overath am Sonntag auf der Mitgliederversammlung bekannt gab, sind noch nicht in letzter Konsequenz abzusehen.

Fest steht, dass zunächst der Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Werner Wolf die Geschäfte beim FC kommissarisch übernehmen wird. Er soll sich nun auf die Suche nach einem neuen Präsidenten machen - keine leichte Aufgabe.

Klub-Legende, Wirtschaftsmann oder Gesamtchef

Drei Modelle scheinen möglich:

Eine Klub-Legende als neue Gallionsfigur, ähnlich wie sie zuvor Overath sieben Jahre lang verkörperte. Auch Toni Schumacher wird in diesem Zusammenhang gehandelt.

"FC-Präsident zu sein wäre ein Traum für mich!", betonte Schumacher in der Vergangenheit.

Overaths Rücktritt hält er allerdings für eine "Katastrophe" und sagte: "Es geht nicht um Personen, Eitelkeiten oder Machtstreben - was in dieser Situation zählt ist einzig und allein der 1. FC Köln." (Bericht)

Eine zweite Möglichkeit wäre ein Mann aus der Wirtschaft bzw. mit Kontakten dorthin.

Für die dritte Option, einen hauptamtlichen Gesamtchef zu installieren, wäre eine Satzungsänderung notwendig.

Allofs dementiert

"Es geht bei dieser Entscheidung um eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft des Vereins. Das kann man nicht übers Knie brechen", wird Wolf auf der Vereinshomepage zitiert.

Als Kandidat für diese Position nannte der "Express" unter anderem Bremens Geschäftsführer: "Das ist totale Spekulation und entbehrt jeder Grundlage", sagte Allofs zu diesen Gerüchten.

"Ich bin ausschließlich in Gesprächen mit Werder Bremen. Es gibt derzeit für mich keine anderen Denkmodelle", führte Allofs weiter aus.

Machtvakuum bis März

Der Verwaltungsrat werde nun ein Profil erstellen und dann die Gespräche mit möglichen Kandidaten aufnehmen.

"Bis es dann zur Mitgliederversammlung mit allen Fristen und Vorgaben kommt, kann es gut und gerne auch Februar oder März nächsten Jahres werden", sagte Wolf.

Dem FC droht also ein drei bis vier Monate anhaltendes Machtvakuum.

Bester Start seit 15 Jahren

Eine spannende Frage ist auch, ob und wie sich Overaths Rücktritt sportlich auswirken wird. Die Mannschaft steht nach 12 Spieltagen mit 16 Punkten so gut da wie seit 15 Jahren nicht mehr.

"Wir haben eigentlich gedacht, jetzt erst mal ein bisschen Ruhe zu haben", sagte der stellvertretende Kapitän Sascha Riether. Und auch Trainer Stale Solbakken glaubt zu wissen, dass jetzt wieder "mehr Unruhe" in seine Mannschaft kommen werde.

Dass sich Overaths Rücktritt unmittelbar auf die Leistung des Teams auswiken wird, ist dennoch nicht zu erwarten.

Debatte über Podolski läuft

Es sind eher die Spätfolgen, die den Verantwortlichen Sorgen machen. Insbesondere die Personalie Lukas Podolski war eng mit der von Overath, den Podolski als Kritiker und Ratgeber schätzte, verknüpft.

Podolskis Vertrag läuft noch bis 2013 - nach den branchenüblichen Mechanismen steht eine Entscheidung über dessen weitere Karriereplanung spätestens am Ende dieser Spielzeit an.

Die Debatte über einen möglichen Vereinswechsel ist längst in vollem Gange (Bericht). Mit seinen neun Saisontreffern und fünf Torvorlagen bewirbt sich Podolski nachhaltig bei europäischen Topklubs. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

[kaltura id="0_iqlrxo46" class="full_size" title="Overath R cktritt sorgt f r Chaos"]

Arsenal und Lazio interessiert

Der FC Arsenal soll sich intensiv um den Nationalstürmer bemühen und angeblich dazu bereit sein, eine Ablösesumme von 23 Millionen Euro zu zahlen. Als neuester Bewerber um den 26-Jährigen gilt Lazio Rom.

Laut der italienischen Tageszeitung "Corriere dello Sport" ist Podolski der Wunschspieler von Lazio-Sportdirektor Igli Tare, der im Sommer schon Nationalmannschaftskollege Miroslav Klose in die "ewige Stadt" gelotst hatte.

Köln beteuert, seine Identifikationsfigur halten zu wollen. Sportdirektor Volker Finke hat für die Winterpause Gespräche angekündigt.

Finke nicht handlungsfähig

Allerdings sind Finke nun vorerst die Hände gebunden.

Eine solch weitreichende Entscheidung, ob der 1. FC Köln, den angeblich 30 Millionen Euro Schulden drücken, auf eine Ablösesumme verzichten und stattdessen mit Podolski verlängern will, wird Finke wohl kaum treffen können, bevor die neue Vereinsspitze feststeht.

"Er hat noch 18 Monate Vertrag. Das ist viel Zeit für uns, ihm zu beweisen, dass wir eine gute Mannschaft aufbauen und er darin der große Matchwinner sein kann", sagte Trainer Stale Solbakken.

Podolski spricht von Abschied

Sein Verhältnis zu Podolski, dem er vor Saisonbeginn die Kapitänsbinde wegnahm, gilt allerdings nach wie vor nicht als das beste.

Wohl auch deshalb sprach Podolski zuletzt öffentlich von seinem möglichen Abschied:

"Wenn eine Anfrage kommt, muss man auch eine Entscheidung treffen. Und dann wird man gucken, wohin der Weg führt."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel