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Rene Adler bestritt bisher 138 Bundesligaspiele für Bayer Leverkusen © getty

Der Bayer-Keeper steht mit dem Rücken zur Wand. In Leverkusen und im DFB-Team droht ihm nach der Verletzung die Zuschauerrolle.

Von Hardy Heuer

München - Sieben Wochen vor der WM 2010 noch die Nummer eins in Deutschland, nun auf dem Abstellgleis: Rene Adler steht vor einer ungewissen Zukunft - sowohl im Verein, als auch im DFB-Team.

Aufgrund seiner Rippenverletzung musste er die WM in Südafrika absagen und verlor dadurch seinen Platz an Manuel Neuer.

Nach seiner Knie-Operation im Juli droht ihm bei der Europameisterschaft im nächsten Jahr wieder nur die Zuschauerrolle - auch in Leverkusen.

Der Bayer-Torhüter befindet sich im Aufbautraining und bereitet sich intensiv auf die Rückrunde vor.

Leno liegt vorne

"Sein Ziel ist es, in der Winterpause voll einzusteigen", erklärte Torwart-Trainer Rüdiger Vollborn in der "Sport Bild".

Allerdings wird es für Adler wohl kein Zurück in das Bayer-Tor geben.

Ersatzmann Bernd Leno hat dem 26-Jährigen mit starken Leistungen den Rang abgelaufen. Leverkusen ist sogar bereit, für den vom VfB Stuttgart ausgeliehenen Keeper sieben Millionen Euro hinzulegen (BERICHT: Millionen-Poker um Leno eskaliert).

Vertragspoker zieht sich hin

"Ich finde es toll, dass Bayer so viel Geld in mich investieren will. Ich fühle mich hier wohl und spüre das Vertrauen", meinte Leno in der "Bild".

Der VfB sträubt sich zwar noch und fordert zehn Millionen, doch eine Einigung ist nur eine Frage der Zeit.

Sollte es tatsächlich zur Verpflichtung des 19-jährigen Talents kommen, wäre kein Platz mehr für Adler.

Leverkusen wird nicht eine solch hohe Summe für eine Nummer zwei bezahlen. Und Adler wird sich mit der Bank nicht zufrieden geben.

Vielleicht zögert er auch deshalb bei der Vertragsverlängerung. 2012 läuft sein Vertrag aus, seine angeblichen Forderungen von 30 Millionen Euro für einen Fünf-Jahres-Vertrag lehnte Leverkusen ab.

Die Gespräche liegen bis zu seiner Rückkehr auf Eis. "Wir hätten gerne vorher mit ihm gesprochen", sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser: "Rene will erst konkret verhandeln, wenn er wieder fit ist."

Bayer hat Alternativen

Doch dann könnte es zu spät sein, denn Leverkusen bereitet sich bereits auf die Zeit nach Adler vor.

"Wir haben noch etwas anderes in der Hinterhand", stellte Holzhäuser klar. Auch wenn es mit Leno nicht klappen sollte, wären Alternativen da.

Der Name Tim Wiese fällt in diesem Zusammenhang häufiger. Der Vertrag des Werder-Keepers läuft ebenfalls im Sommer 2012 aus.

Auch Oliver Baumann soll im Gespräch sein. Trainer Robin Dutt kennt ihn noch aus seiner Zeit aus Freiburg.

"Müssen aufeinander zugehen"

Bayer ist also von Adler nicht abhängig, dessen Position sich im Vertragspoker deutlich verschlechtert hat.

"Beide Parteien müssen aufeinander zugehen", meinte Holzhäuser.

Für Adler bedeutet dies: Entweder er nimmt das Angebot von Bayer an (angeblich weniger als drei Millionen für ein Jahr) und muss um einen Stammplatz kämpfen, oder er verlässt den Verein. Die zweite Variante scheint wahrscheinlicher.

Adler zu Schalke?

Doch welche Alternativen bleiben Adler? In der Bundesliga käme wohl der FC Schalke 04 in Frage. Der Verein soll sein Interesse an Deutschlands ehemaliger Nummer eins bekundet haben.

Bei den Königsblauen fehlt der etatmäßige Stammkeeper Ralf Fährmann wegen eines Kreuzbandrisses.

Allerdings ersetzt Ersatzmann Lars Unnerstall Fährmann bisher hervorragend und will das Tor nicht kampflos räumen.

"Timo Hildebrand, Matthias Schober und ich kämpfen alle um die Nummer eins", betonte er in der "Bild". Adler wäre also auch in Gelsenkirchen nicht konkurrenzlos.

ManUnited bleibt ein Traum

Welche Möglichkeiten bleiben da noch? Vielleicht der HSV oder der finanzkräftige VfL Wolfsburg?

Adlers Gehaltsvorstellungen würden für die "Wölfe" kein Problem darstellen, Diego Benaglio ist zudem nicht unumstritten und wird von Trainer Felix Magath nach Patzern auch mal gerne auf die Bank verbannt.

Doch in Wolfsburg müsste sich Adler zunächst mit Mittelmaß begnügen, wie beim Hamburger SV, der aber ein Interesse am Bayer-Keeper dementierte.

Ein Wechsel zu seinem Lieblingsverein Manchester United muss er definitiv abhaken. Mit dem 21-jährigen Spanier David de Gea haben die "Red Devils" bereits einen Ersatz für Edwin van der Saar verpflichtet.

Adler bleibt also nur das Warten auf eine ungewisse Zukunft. Bei der Europameisterschaft droht ihm nur die Zuschauerrolle.

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