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SPORT1-Reporter Reinhard Franke (r.) traf Klaus Allofs zum Interview © getty

Bremens Manager Klaus Allofs spricht im SPORT1-Interview über die Situation bei Werder und anstehende Personalentscheidungen.

Von Reinhard Franke

München - Sportlich läuft es bei Werder Bremen rund wie schon lange nicht mehr. Die Mannschaft ist Dritter, Spitzenreiter Bayern München ist in Schlagweite. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch die scheinbar saubere Werder-Fassade bröckelt gewaltig. Denn hinter den Kulissen des wiedererstarkten Bayern-Jägers brodelt es. Die Vertragsverlängerung von Sportchef Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf zieht sich weiter wie Kaugummi.

Die Personalien werden zu einem Ränkespiel um Macht und Kurs - zwischen Aufsichtsratschef Willi Lemke und der sportlichen Leitung. Klaus Allofs soll nur einen leistungsbezogenen Vertrag erhalten.

Schaaf hat sich jetzt für einen neuen Vertrag für Allofs stark gemacht: "Werder Bremen wäre gut beraten und sollte froh sein, wenn Klaus Allofs seine Arbeit fortsetzen würde", sagte Schaaf der "Sport Bild". "Er ist der richtige Mann und hat das durch seine hervorragende Arbeit über die ganzen Jahre bestätigt."

Doch mit der heilen Werder-Welt ist es vorerst vorbei. Zu allem Übel droht nun offenbar auch noch der Abgang von Eckpfeilern wie Claudio Pizarro, Clemens Fritz und Tim Wiese.

Vor dem Spiel bei Borusssia Mönchengladbach (Samstag, ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Werder-Manager Klaus Allofs über die aktuelle sportlich positive Situation 478965(DIASHOW: Tops und Flops 12 Spieltag) und über die personellen Brennpunkte an der Weser.

SPORT1: Herr Allofs, als wir uns das letzte Mal trafen, war Werder Bremen gerade aus dem DFB-Pokal ausgeschieden und man musste eine schlimme Saison befürchten. Sie und Trainer Thomas Schaaf sind aber ruhig geblieben. Aktuell steht der Verein auf Platz drei. Alles richtig gemacht also?

Klaus Allofs: Das ist nicht selbstverständlich. Dass wir nach der verkorksten letzten Saison Veränderungen vornehmen mussten, war klar. Wir stehen jetzt zwar an dritter Stelle, aber wir hatten auch Spiele, wo wir noch nicht so zufrieden sind. Dass sich ein Großteil der Entscheidungen als die richtigen herausgestellt haben, ist von der Tendenz her sicher positiv.

[kaltura id="0_tw7qf59n" class="full_size" title="Vorschau Hei er Tanz f r Schaaf und Co "]

SPORT1: Konnten Sie nach den Abgängen von Torsten Frings und Per Mertesacker eine innere Befreiung im Team feststellen?

Allofs: Man darf jetzt nicht den Fehler machen zu sagen "daran hat es gelegen." Eine Mannschaft muss sich immer wieder neu finden. In den letzten Jahren haben wir immer diese schmerzlichen Veränderungen hinnehmen müssen. Ein gutes Beispiel ist, dass ein Özil sich hat entfalten können, weil ein Diego weg war. Veränderungen können auch positiv sein.

SPORT1: Wirklich? Die Leistungsträger Clemens Fritz, Claudio Pizarro und Tim Wiese können den Verein am Saisonende ablösefrei verlassen. Nicht gerade gute Karten für Vertragsverhandlungen, oder?

Allofs: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Das hängt zum Großteil davon ab, wie wir die Saison spielen werden. Unser Ziel ist die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb. Wenn wir das nicht schaffen, werden wir Veränderungen oder Einsparungen vornehmen. Wir haben aber bei allen drei Spielern großes Interesse zu verlängern.

SPORT1: Werder ist finanziell in keiner so guten Lage wie die letzten Jahre. Es heißt, dass ein Pizarro schon im Winter verkauft werden soll, damit man noch Geld bekommt. Muss der Verein Spieler verkaufen?

Allofs: Nein. Das war eine Aussage von meinem Kollegen Klaus Filbry, der einfach nur die Möglichkeit darstellen wollte, dass man auch im Winter Transfers tätigen kann. Wir werden in der laufenden Saison ein Minus machen, nachdem wir acht Jahre schwarze Zahlen geschrieben haben, aber wir können das auffangen. Und wir müssen keinen Spieler verkaufen.

SPORT1: Die Beziehung Werder Bremen und Pizarro ist ja eine ganz besondere. Warum?

Allofs: Das liegt daran, dass er als 20-Jähriger zu uns kam und dann außergewöhnlich schnell Karriere gemacht hat. Und dann ist er als Werder-Spieler in die Welt hinausgegangen - zu Bayern und Chelsea. Er ist aber immer der Werder-Spieler geblieben. Dass er dann so zurückgekommen ist, das zeigt, dass da eine große Verbundenheit da ist.

SPORT1: Ist er der beste Pizarro aller Zeiten?

Allofs: Den Eindruck hat man. Er ist gerade unheimlich effektiv. Letzte Saison war er lange nicht fit, jetzt hat er alle Spiele gemacht, hat diese Lockerheit und will unbedingt etwas erreichen, führt die Mannschaft und das alles beflügelt ihn.

SPORT1: Auch ihr Vertrag und der von Trainer Schaaf läuft aus. Täuscht der Eindruck, oder ist das so? Entweder Sie bleiben beide oder gehen beide.

Allofs: Das hat nicht unbedingt miteinander zu tun. Wir sind beide lange da, aber das ist nicht aus reiner Gewohnheit so. Es muss passen. Es müssen die Überzeugung und die Freude an der Aufgabe weiter da sein. Bisher war das so. Aber man muss sich immer überprüfen.

SPORT1: Und was sagt Ihr Herz?

Allofs: Vom Herz her habe ich mich immer wohl gefühlt in meinen Klubs, aber das Herz alleine kann nicht immer die Entscheidungen treffen. Es ist ein Zusammenwirken zwischen Herz und Verstand. Dass das eine besondere Beziehung ist, zeigt, dass ich seit 1999 dabei bin.

SPORT1: Wie hat sich das Verhältnis zwischen Ihnen und Herrn Schaaf über die 12 Jahre verändert?

Allofs: Das war von Beginn an ein besonderes Verhältnis, weil wir drei Jahre zusammen gespielt haben und erfolgreich waren. Es war von Anfang an vertrauensvoll und das hat sich nicht großartig verändert. Wir hatten immer eine klare Aufgabenteilung der Kompetenzen, ohne dass das groß aufgeschrieben wurde. Und das hat sich wie ein roter Faden durchgezogen.

SPORT1: Zwischen Ihnen und Aufsichtsratsboss Willi Lemke herrscht Funkstille. Ist er der einzige Stolperstein für Ihre Vertragsverlängerung?

Allofs: Das hat nichts mit Willi Lemke zu tun. Es geht darum, welchen Weg Werder einschlagen möchte.

SPORT1: Macht es Sie denn traurig, dass nach einer so langen Zeit überhaupt eine Vertragsdiskussion aufkommt? Immerhin haben Sie und Herr Schaaf die letzten 12 Jahre Werder Bremen geprägt.

Allofs: Ich möchte gar nicht auf Umstände und Inhalte eingehen. Mit dem Aufsichtsrat ist das so abgesprochen, Wasserstandsmeldungen über die Verhandlungen machen keinen Sinn.

SPORT1: Was kann Sie eigentlich noch reizen, wenn Sie Werder verlassen würden?

Allofs: Man muss immer das Gefühl haben etwas bewegen zu können. Das kann dort sein, wo man 20 Jahre ist und es kann auch etwas neues sein. Auch bei Werder ist jede Saison etwas anderes. Ich will gar nicht spekulieren, wir werden die Gespräche in Ruhe führen.

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