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Felix Magath (r.) strich unter anderem Sortirios Kyrgiakos aus dem Wolfsburger Kader © getty

"Wölfe"-Coach Felix Magath spricht über aussortierte Spieler, seinen Rolle als Coach und die Notwendigkeit eines Strafenkatalogs.

Von Martin Volkmar und Reinhard Franke

München - Der VfL Wolfsburg hinkt den eigenen Ansprüchen hinterher.

Das Team von Felix Magath, das mit großen Ambitionen in die aktuelle Saison gestartet war, belegt derzeit nur einen Platz im Tabellenkeller. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabellen)

Der als Heilsbringer verpflichtete Coach ist sich der prekären Lage durchaus bewusst - und greift nun mit harter Hand durch. Sotirios Kyrgiakos, Jan Polak und Patrick Helmes verbannte der Meistertrainer von 2009 in die Zweite Mannschaft. (Bericht: Magath regiert mit harter Hand)

Von seinen großen Zielen will der 58-Jährige trotz der sportlichen Misere nicht abrücken.

Im SPORT1-Interview spricht Magath über seine jüngsten personellen Maßnahmen, seine Rolle als Coach und die Notwendigkeit eines Strafenkatalogs.

SPORT1: Sie sprachen unlängst im Audi Star Talk vom Ziel Meisterschaft und Champions League. Aktuell liegt der VfL aber nur drei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt. Geht der Blick eher nach oben oder nach unten?

Felix Magath: Der Blick geht nach vorn. Natürlich wissen wir genau, wo wir in der Tabelle stehen. Es ist aber auch erst ein Drittel der Saison gespielt. Uns fehlen besonders die Punkte aus dem letzten Heimspiel gegen Hertha. Hätten wir diese, würde das Bild anders aussehen. Das Ziel, aus dem VfL Wolfsburg wieder eine Spitzenmannschaft zu machen und regelmäßig im Europapokal vertreten zu sein, ist ein langfristiges, das wir nicht aus den Augen verlieren. Aber es geht natürlich auch darum, dass wir uns auch in dieser Saison stabilisieren, als Mannschaft weiter zusammenwachsen und in der Tabelle aufrücken.

SPORT1: Haben Sie in der Länderspielpause eine Erklärung gefunden, warum es bisher schlechter läuft als erwartet?

Magath: Dafür brauchte ich nicht erst die Länderspielpause. Wir spielen bislang nicht so konstant, wie wir uns das alle wünschen. Dafür gibt es nicht nur eine Ursache. Es kommen mehrere Faktoren zusammen. Wir bauen eine neue Mannschaft auf, da müssen sich die neuen Spieler erst an das Spielsystem und die Mannschaftskameraden gewöhnen.

Das ist ein normaler Prozess, der seine Zeit braucht. Mit dem einen oder anderen Sieg mehr wäre das Zusammenwachsen sicher schneller gegangen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir bislang zwei Auswärtsspiele mehr als Heimspiele hatten. Das hatte außer uns nur noch Kaiserslautern in der Liga. Zuhause haben wir meist gute Leistungen gezeigt.

SPORT1: Wie wichtig ist sportlich und auch von der regionalen Bedeutung her nun das Niedersachsen-Derby gegen Hannover (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER)?

Magath: Sehr wichtig. Natürlich für unsere Fans, denen ein Derbysieg viel bedeutet und der ihnen Stolz und Selbstbewusstsein gibt. Aber auch für die Mannschaft. Die Gründe dafür habe ich gerade genannt.

[kaltura id="0_eiook6ku" class="full_size" title="Magath droht seinen Spielern"]

SPORT1: Sie haben nach dem 1:5 in Dortmund Sotirios Kyrgiakos und Jan Polak und Patrick Helmes aussortiert. Haben die anderen Spieler Ihren Unmut über die Leistung im Training zu spüren bekommen?

Magath: Ich habe entschieden, Patrick Helmes für die Amateurmannschaft freizustellen. Kyrgiakos und Polak dagegen trainieren ganz normal mit der Mannschaft, sie können sich übers Training wieder anbieten. Wenn man mit der Leistung nicht zufrieden ist, muss man etwas ändern. Zum Training: Nach dem Dortmund-Spiel folgte bekanntlich eine Länderspielpause, so dass ich auf einen Großteil der Spieler verzichten musste. Aber es ist natürlich grundsätzlich so, dass man im Training an seinen Schwächen arbeitet. Dafür ist es ja da.

SPORT1: Stört Sie eigentlich der Name "Quälix"?

Magath: (lacht) Nein, der stört mich überhaupt nicht. Ich bin Fan von Asterix und Obelix.

SPORT1: Ist es heutzutage nötig Fußballprofis zu bestrafen?

Magath: Mannschaftssport funktioniert nur, wenn alle zusammenarbeiten. Deshalb werden Regeln festgelegt, an die sich jeder einzelne halten muss. Üblicherweise enthalten diese auch eine Vereinbarung über Sanktionen im Falle der Missachtung der Regeln. Das ist in jedem Verein so.

SPORT1: Sie sagen, dass Sie emotionalen Abstand zu Spielern brauchen. Muss ein Trainer nicht auch Zuhörer und Ratgeber sein?

Magath: Ein Trainer muss alles sein. Natürlich muss er Ratgeber sein. Die Frage ist nur, ob ein Trainer auch ins Privatleben der Profis eingreifen soll und wenn ja, wie viel? Da gehen die Meinungen auseinander. Selbstverständlich bin ich regelmäßig Ansprechpartner für meine Spieler. Wenn einer ein Problem hat, was ihn daran hindert, seine Leistung umzusetzen, dann soll er gerne zu mir kommen. Ich will aber nicht in das Privatleben meiner Profis hineinregieren.

SPORT1: A propos Privatleben: Ihre Frau wohnt mit den Kindern in München, Sie in Wolfsburg.

Magath: Meine Frau und ich haben vor fünf Jahren die Entscheidung getroffen, dass unsere Kinder, die alle in der Schule sind, einen Ort brauchen, von dem sie sagen können dass dieser ihre Heimat ist. Wir haben uns für München als Zuhause entschieden. Hier haben unsere Kinder ihre Freunde, ihren Sportverein und die gewohnte Umgebung. Wir haben das bis jetzt wunderbar hinbekommen, weil meine Frau voll dahintersteht und alles dafür tut, um die Familie zusammenzuhalten.

SPORT1: Sie haben sechs Kinder. Was sind Sie für ein Vater?

Magath: Ich unterscheide mich in dieser Rolle nicht von anderen Vätern. (lacht) Wenn man nicht immer vor Ort ist, dann ist man geneigter, bei Kindern etwas nachsichtiger zu sein. Ich genieße es immer, wenn wir zusammen sind. Sie werden es kaum glauben, meine Kinder trainieren, treiben viel Sport, und da akzeptiere ich die Entscheidungen der Trainer.

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