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Sebastian Kehl wurde 2002 und 2011 mit Borussia Dortmund Deutscher Meister © imago

Sebastian Kehl spricht über das Ende von Dortmunds Formkrise, den Medienrummel um Götze und Co. und das Gipfeltreffen in München.

Von Maik Rosner

München - Borussia Dortmund hat die Kurve gekriegt.

Nach einem durchwachsenen Start, mit drei Niederlagen aus den ersten sechs Spielen, rangiert der Deutsche Meister inzwischen schon wieder auf Rang zwei. (DATENCENTER: Bundesliga).

Fünf Punkte Rückstand sind es noch auf Rekordmeister Bayern München - doch mit einem Sieg im Schlagerspiel des 13. Spieltags (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) könnte der BVB bis auf zwei Zähler an den Erzrivalen heranrücken.

Eng mit dem Aufschwung der Dortmunder verbunden, ist Kapitän Sebastian Kehl. Der 31-Jährige hat nach langer Verletzungspause zu alter Stärke zurückgefunden und sorgt mit seiner Erfahrung für die nötige Stabilität in der defensiven Zentrale.

Im SPORT1-Interview spricht Kehl über das Ende von Dortmunds Formkrise, seine lange Leidenszeit und das Gipfeltreffen in München.

SPORT1: Herr Kehl, Ihr Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat gesagt, das Spiel am Samstag gegen den BVB sei für den FC Bayern das Spiel des Jahres. War das nicht sonst immer für die Gegner so?

Sebastian Kehl: Ich weiß natürlich auch um die Brisanz dieses Spiels. Die Bayern werden sich geärgert haben, dass sie nicht Deutscher Meister geworden sind, und dass wir in München gewonnen haben. Das wird dieses Spiel für die Bayern sicherlich zu einem ganz besonderen machen. Aber auch da sind nur drei Punkte zu vergeben.

SPORT1: Der FC Bayern hat im Moment fünf Punkte Vorsprung auf Dortmund. Ist das ein Abbild des tatsächlichen Unterschieds zwischen beiden Mannschaften?

Kehl: Die Bayern machen in dieser Saison einen sehr stabilen Eindruck, sowohl in der Bundesliga als auch international. Nach unserem holprigen Start haben wir jetzt auch in die Spur gefunden. Der jetzige Punkteabstand ist also durch unsere anfänglichen Probleme begründet. Aber es sind noch etliche Monate zu spielen, und wir können den Rückstand durchaus aufholen.

SPORT1: Könnte bei Ihrer erhofften Aufholjagd auch Bastian Schweinsteigers Ausfall bis zur Winterpause hilfreich sein?

Kehl: Ich glaube schon, dass der Schweini in den vergangenen Jahren zu einer Persönlichkeit gereift ist, die für die Bayern sehr, sehr wichtig ist. Deswegen wird er ihnen schon fehlen. Aber der Kader der Bayern ist so gut besetzt, dass wir das recht neutral bewerten sollten. Und wir werden uns sicher auch nicht so viel mit dem Gegner beschäftigen, Selbstvertrauen haben wir genug, sodass wir unser Spiel durchziehen wollen und werden.

SPORT1: Wie kann man die Bayern trotz deren Heimstärke in der Arena knacken?

Kehl: Mit unserer Art und Weise, Fußball zu spielen, mit Mut und hoher Laufintensität, engem Verschieben. Wir werden versuchen, all das, was wir dort zuletzt gut gemacht haben, zu wiederholen. Dann sind die Bayern auch zu Hause zu schlagen.

SPORT1: Ist es in so einem Topspiel besonders wichtig, seinen eigenen Stil durchzuziehen?

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Kehl: Ja, wie eben schon angedeutet: Wir wollen uns weniger damit beschäftigen, was der Gegner macht und wen er aufbietet, sondern uns auf unser Spiel konzentrieren.

SPORT1: Was hat es ermöglicht, dass Ihre Mannschaft nach den anfänglichen Problemen zur Stabilität zurückgefunden hat?

Kehl: Wichtig war, Ruhe zu bewahren, kontinuierlich und akribisch im Trainingsbetrieb zu arbeiten und uns auch im Spiel auf unsere Stärken zu besinnen.

SPORT1: Ist da keine Verunsicherung aufgekommen, als der Erfolg nach der überragenden Saison plötzlich ausblieb?

Kehl: Wir wussten auch dann noch, dass wir ein enormes Potenzial haben. Und dass uns nach der Meisterschaft nichts geschenkt wird, war auch logisch. Wir haben verstanden, dass wir uns alles hart erarbeiten müssen, haben an ein paar kleinen Stellschrauben gedreht und unser Spiel wieder gefunden. Das war eine wichtige Erfahrung, die wir gemacht haben. Aber mit Verunsicherung, mit Zweifeln an der eigenen Stärke, hatte das nichts zu tun.

SPORT1: Jetzt kommen binnen einer Woche auf den BVB gleich mehrere Spiele zu, die der Mannschaft viel abverlangen werden. Geht es Ihnen ähnlich wie Roman Weidenfeller, der angesichts von Bayern, FC Arsenal und FC Schalke 04 sagt: 'Das klingt wie Musik für mich.'?

Kehl: Das ist natürlich eine große Herausforderung für uns mit brisanten Spielen. Wir sollten uns deswegen aber nicht verrückt machen. Wir haben das Potenzial, diese Aufgaben zu lösen, auch in Arsenal. Wir haben in der Champions League sicherlich Fehler gemacht, aber wir haben auch gezeigt, dass wir in der Lage sind, die Spiele zu gewinnen. Das gibt uns Zuversicht, und ein bisschen wackelig scheint Arsenal in dieser Saison auch zu sein.

SPORT1: Hat Dortmund denn schon wieder genug Stabilität für ein solches Programm binnen einer Woche entwickelt?

Kehl: Natürlich. Das haben wir in solch schwierigen Phasen ja auch schon in der Vergangenheit bewiesen. Ich glaube aber, man sollte diese Spiele nicht überbewerten, denn egal wie sie ausgehen werden, wir werden weiter unseren Fussball spielen und unseren Weg weiter gehen. Und die jetzt anstehenden Spiele sind wichtig, natürlich, aber, sie werden nicht darüber entscheiden, wo wir am Ende der Saison landen, jedenfalls in der Bundesliga.

SPORT1: Eine schwierige Phase hatten Sie auch persönlich, mit vielen Verletzungen und Rückschlägen. Wie gut fühlen Sie sich schon wieder eingebaut in der Doppelsechs?

Kehl: Das war nicht ganz einfach, wieder in den Rhythmus zu kommen und mich einzufinden. Mittlerweile denke ich, mache ich wieder einen sehr stabilen Eindruck. Entscheidend war, dass ich zuletzt viele Spielminuten sammeln konnte. Da geht es weniger darum, ob man jung oder alt ist. Man braucht einfach Zeit und Praxis.

SPORT1: Ihr Trend verläuft derzeit gegenläufig zu dem Ilkay Gündogans. War für die Mannschaft Führung und Erfahrung zuletzt besonders wichtig?

Kehl: Ich glaube schon, dass man in manchen Phasen der Saison erfahrene Spieler besonders benötigt. Diese gute Mischung haben wir im Kader und der Trainer hat viele Möglichkeiten. Und Ilkay ist noch nicht ganz da angelangt, wo er sein kann. Er braucht noch ein bisschen Zeit, um sich zu finden. Es mag im Moment keine leichte Zeit für ihn sein, aber ich mache mir um ihn überhaupt keine Sorgen, weil er ein riesiges Potenzial hat und noch zeigen wird, dass er ein sehr wertvoller Spieler für Borussia Dortmund sein kann.

SPORT1: Ihr Vertrag läuft im Sommer aus, Sie werden dann 32 Jahre alt sein. Wenn Sie bis dahin gute Leistungen zeigen, werden Sie dann beim BVB weiterspielen?

Kehl: Dazu kann ich jetzt noch nichts sagen, weil ich einfach noch nicht weiß, wie es dann weitergeht. Wir haben noch kein Gespräch geführt, aber wir werden uns sicherlich zeitnah zusammensetzen. Das Wichtigste ist, dass ich weiter konstant Fußball spiele. Ich bin so lange bei Borussia Dortmund, fühle mich hier wohl und kann mir vorstellen, hier zu bleiben. Aber im Fußball geht es manchmal sehr, sehr schnell, deswegen warten wir doch einfach mal ab, was die nächsten Wochen so alles passiert.

SPORT1: Immer wieder gibt es Transfergerüchte, vor allem aus dem Ausland und um Mario Götze, aber auch um Mats Hummels, Kevin Großkreutz und andere. Wie erleben Sie diese jungen Spieler im Umgang mit dem Rummel?

Kehl: Diese jungen Spieler sind schon sehr weit, in ihrer Entwicklung, in ihrem Auftreten und auf ihrem Weg. Deswegen mache ich mir diesbezüglich keine großen Sorgen. Gleichwohl weiß ich, dass so ein medialer Rummel auch im persönlichen Umfeld zu Diskussionen und Veränderungen führen, und dass man sich am Ende nicht komplett davon freimachen kann. Ich sage Ihnen dann manchmal schon: 'Lass Dich davon nicht verrückt machen. Lies keine Zeitung! Bleibe locker und unbekümmert, denn das ist das Wichtigste.'

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