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Michael Rummenigge spielte sieben Jahre für den FC Bayern, fünf Jahre in Dortmund © getty

Vor dem Topspiel Bayen gegen Dortmund spricht Michael Rummenigge im SPORT1-Interview über das Duell und erinnert sich an 1991.

Von Reinhard Franke

München - Michael Rummenigge freut sich auf das Bundesliga-Wochenende (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Der jüngere Bruder von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge wird mit seiner Familie nach München kommen und sich das Spitzenspiel FC Bayern gegen Borussia Dortmund (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) in der Allianz Arena anschauen. Doch in seiner Brust schlagen zwei Herzen.

1982 wurde er bei den Bayern Profi, errang mit den Münchnern drei Mal die Meisterschale, bevor er 1988 nach Dortmund wechselte. Mit der Borussia gewann er 1989 den DFB-Pokal.

Im Gespräch mit SPORT1 spricht der 47-Jährige über das Spiel der beiden Rivalen, die beiden Trainer Jürgen Klopp und Jupp Heynckes und erinnert sich an ein legendäres Duell im Oktober 1991.

SPORT1: Herr Rummenigge, am Samstag steigt das Topspiel. Sie haben für beide Vereine gespielt. Was versprechen Sie sich vom Duell des aktuellen Meisters beim Rekordmeister?

Michael Rummenigge: Ich erwartet einen offenen Schlagabtausch und hoffentlich viele Tore. Die Tendenz war am Anfang der Saison für Borussia Dortmund nicht so überragend. Die Mannschaft hat sich jedoch super gefangen und eine tolle Serie hingelegt. Jetzt sind sie dran am FC Bayern, der wieder das Maß aller Dinge ist - in Deutschland und auch in Europa. Von daher ist es das zu erwartende Spitzenspiel. Die Bayern haben fünf Punkte Vorsprung. Wenn sie gewinnen, könnte das schon vorentscheidend sein. So brutal das auch für die Liga ist.

SPORT1: Wie gefährlich kann Dortmund den Bayern werden?

Rummenigge: Ich schätze der FC Bayern wird Deutscher Meister - egal wie das Spiel am Samstag ausgeht - weil die Münchner einfach überragende Spieler in ihren Reihen haben. Jupp (Bayern-Trainer Jupp Heynckes, Anm. d. Red.) hat das wunderbar im Griff. Der BVB kann dem FC Bayern die nächsten Jahre immer gefährlich werden, weil sie eine junge Mannschaft haben. Und wenn sie die einigermaßen zusammenhalten, dann kann sich da wirklich Großes entwickeln.

SPORT1: In der Champions League muste Dortmund allerdings Lehrgeld zahlen.

Rummenigge: Für mich ist es die Woche der Wahrheit für Borussia: Samstag gegen Bayern, Mittwoch in London und Samstag drauf gegen Schalke. Für Bayern ist das Spiel wichtig, für Dortmund ist die ganze Woche wichtig.

SPORT1: Sie wohnen in Dortmund. Für wen schlägt Ihr Herz mehr?

Rummenigge: Es sind ja meine alten Vereine, denen ich noch sehr verbunden bin. Es ist immer ein besonderes Spiel für mich. Ich bin seit 1988 in Dortmund verwurzelt. Ich schaue immer, wie beide gespielt haben, wenn ich mal nicht im Stadion sein oder es im Fernsehen anschauen kann. Mein Herz schlägt gleichermaßen.

[kaltura id="0_97g9x9jq" class="full_size" title="Alle Fakten zum Spitzenspiel"]

SPORT1: Gab es ein besonderes Duell, welches Ihnen im Gedächtnis geblieben ist?

Rummenigge: Oh ja, das gab es. Im Oktober 1991. Vor genau 20 Jahren. Wir haben damals mit dem neuen BVB-Trainer Ottmar Hitzfeld sensationell 3:0 gewonnen - überragend, und ich mache auch noch ein Tor. Mein Bruder war gerade zwei Tage vorher Bayerns Vizepräsident geworden und für Sören Lerby war sein erstes Spiel als Bayern-Trainer. Nach einer Minute bekam ich die Gelbe Karte, weil ich im Mittelfeld Stefan Effenberg ganz brutal abrasiert habe. Heute wäre das Rot gewesen. Wir wurden in der Saison Vizemeister hinter Stuttgart. Das war eine sehr nette Erinnerung.

SPORT1: Können Sie sich auch noch erinnern, aus welcher Sicht die Spiele immer mit der größeren Spannung erwartet wurden?

Rummenigge: Die Bayern sind seit 50 Jahren spitze, bei Dortmund waren das immer Zyklen. Die haben ja lange Jahre nichts gehabt, der Verein war jahrelang gar nichts. Ich hoffe, dass der erfolgreiche Zyklus vom BVB jetzt länger anhält.

SPORT1: Sie sind ein erfolgreicher Geschäftsmann und betreiben eine gut gehende Fußballschule. Warum sind Sie nie ins Fußballgeschäft eingestiegen wie Ihr Bruder?

Rummenigge: Ich habe genug zu tun. 2007 habe ich meinen Fußballlehrer gemacht, es gab Anfragen, aber nicht das, was ich mir vorgestellt habe als Manager, Trainer oder Sportdirektor. Das kann auch ein Drittligist sein. Matthias Sammer hat mal gesagt: "Wenn man gleich ganz oben anfängt, fällt man tiefer." Da hat er nicht ganz unrecht. Aber ich bin ganz zufrieden.

SPORT1: Und an der Seite Ihres Bruders? Wäre das etwas für Sie?

Rummenigge: (lacht herzlich) Ich glaube ein Rummenigge in München reicht. Der Karl-Heinz macht das seit 2001 als Vorstandsvorsitzender sensationell gut, seit der Verein eine AG wurde. Mit Uli Hoeneß (Bayern-Präsident, Anm. d. Red.) und Karl Hopfner (Bayern-Finanzchef, Anm. d. Red.) führen die den Klub überragend. So eine Konstellation gibt es kein zweites Mal in Europa.

SPORT1: Glauben Sie, dass der FC Bayern die Champions League gewinnt?

Rummenigge: Das Finale ist in München, wenn man vorher nicht Barcelona kriegt, kann man die in einem Spiel schlagen. Und bei Dortmund hoffe ich, dass die Gruppenzweiter werden, damit sie weiter in der Königsklasse dabei sind.

SPORT1: Ist Jürgen Klopp der ideale Nachfolger für Jupp Heynckes?

Rummenigge: Nach Dortmund passt er wie die Faust aufs Auge, macht einen super Job. Was der entwickelt hat, ist erstaunlich. Jupp ist 66 und es ist auch erstaunlich, wie er das alles schafft. Klopp wäre sicherlich ein guter Bayern-Trainer und ein guter Nationaltrainer. So viele Trainer auf dem Niveau gibt es nicht in Deutschland.

SPORT1: Zum Schluss natürlich noch Ihr Tipp fürs Spiel, bitte.

Rummenigge: 1:1! Es ist schwer Partei zu ergreifen. Von daher wäre es für mich gut, wenn es Unentschieden ausgeht.

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