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Uli Hoeneß ist seit November 2009 Präsident des FC Bayern München e.V © getty

Uli Hoeneß bietet auf der Jahreshauptversammlung den Neuer-Kritikern die Stirn. Die Stimmung droht zwischenzeitlich zu kippen.

Von der Jahreshauptversammlungberichtet Mathias Frohnapfel

München - In Uli Hoeneß hatte es gegärt. "Ich habe überlegt, Uli hältst du die Klappe?".

Wer den Präsidenten des FC Bayern kennt, weiß, wie die Antwort ausgefallen ist.

Hoeneß hat am Freitag bei der Jahreshauptversammlung offen angesprochen, wie sehr ihn die Diskussion um den Transfer von Manuel Neuer in der Vorsaison genervt hat.

"Wer heute noch behauptet, dass der Transfer von Manuel Neuer falsch war, kann zuhause bleiben", schimpfte Hoeneß. Und kritisierte Teile des eigenen Anhangs, die sich vehement gegen die Verpflichtung des Keepers gestemmt hatten.

"Der beste Torwart der Welt"

"Manuel Neuer ist der beste Torwart der Welt. Er ist eine Persönlichkeit, die zum FC Bayern passt, wie kein anderer."

Hoeneß lobte sogar mit Blick auf Neuers Promi-Auftritt beim Quiz "Wer wird Millionär": "Er hat nicht nur große Fäuste, sondern auch ein großes Hirn."

Die 3235 Mitglieder im Audi Dome, der Heimspielstätte der FCB-Basketballer, quittierten Hoeneß' Worte mit großem Applaus, allerdings auch einigen Buhrufen.

Und die Stimmung heizte sich zusätzlich auf, als Hoeneß angab, dass er beim finanzschwachen Lokalrivalen TSV 1860 München "nicht den Stecker" rausziehen werde.

Stimmung heizt sich auf

Eine Gruppe lautstarker Mitglieder beschimpfte indes immer wieder den Lokalrivalen.

Daran änderte Hoeneß' Satz auch nichts: "Es ist auch mein Traum, die Allianz Arena mit roten Stühlen zu haben, wir können uns Zeit lassen, es wird schon irgendwann kommen."

Zwischenzeitlich war der Bayern-Präsident derart angesäuert, dass er in Richtung der Störer warnte: "Wenn die Beleidigungen nicht aufhören, beenden wir das Ganze hier."

Die Wortbeiträge zweier Mitglieder im tiefsten Bayerisch beruhigten die Stimmung dann etwas. Dabei hatte die Jahreshauptversammlung über lange Zeit wie ein großes, harmonisches Familientreffen gewirkt.

Nerlinger bleibt bis 2014 Sportdirektor

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Hoeneß verkündete die Vertragsverlängerung mit Sportdirektor Christian Nerlinger bis 2014 und sprach von "sehr konstruktiven Gesprächen" mit seinem Nachfolger auf der Manager-Position.

Auch der Vertrag von Marketingchef Andreas Jung wurde um die gleiche Laufzeit verlängert.

Dass Bayern-Trainer Jupp Heynckes das Geheimnis um den neuen Nerlinger-Kontrakt schon mittags ausgeplaudert hatte, tat Hoeneß mit einem Augenzwinkern ab. "Er ist jetzt eben auch der neue Pressesprecher".

Rummenigge stolz auf neues Team

Auch Karl-Heinz Rummenigge wirkte zu Beginn seiner handgestoppt 67-minütigen Rede nur kurze Zeit betrübt. Denn neben ihm standen auf dem Podium nicht wie im Vorjahr Meisterschale und auch DFB-Pokal.

Das solle sich aber baldmöglichst ändern, versprach Rummenigge.

Mit Stolz sprach Bayerns Vorstandschef in seiner Bilanz von der "Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt."

Als Spitzenreiter steht das Team um Trainer Jupp Heynckes hervorragend da, der Vorsprung auf Dortmund soll weiter ausgebaut werden. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Ich hoffe, es sind nach dem Spiel acht Punkte", kommentierte Rummenigge den Ligakracher am Samstagabend (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER).

[kaltura id="0_clgyrbnv" class="full_size" title="Neues aus der Abteilung Attacke"]

Großes Lob für Heynckes

Und fast zwangsläufig überschüttete der FCB-Vorstandschef den Vater des Erfolgs Heynckes mit Lob.

"Diese Entscheidung war ein Glücksgriff. Ich finde, er macht seinen Job bemerkenswert unaufgeregt und mit höchster Qualität. Er hat eine Balance zwischen spektakulärer Offensive und Defensive, die Beton anrührt, erreicht."

Und zum 2013 auslaufenden Vertrag des Coaches ließ Rummenigge wissen: "Jupp sagt, er will erstmal Ziele einfahren, im Sommer werden wir uns dann hinsetzen und sehen, wie es weitergeht."

Für Heynckes im Frühjahr geschassten Vorgänger Louis van Gaal hatte Rummenigge folgenden Hinweis:

"Wir alle sind der Meinung: Der Trainer Louis van Gaal war gut, der Mensch Louis van Gaal war leider hin und wieder etwas schwierig. Manchmal hatten wir das Gefühl, der Mensch macht es dem Trainer nicht immer leicht."

Rekordergebnis verfehlt

Mit den finanziellen Eckdaten, die danach Finanzchef Karl Hopfner vorlegte, war Rummenigge sehr zufrieden.

Allerdings schafften es die Münchner nicht, das Rekordergebnis aus der Saison 2009/2010 zu toppen.

Damals erreichten die Bayern einen Umsatz von 312 Millionen Euro, in diesem Jahr lag der Umsatz bei 290,9 Millionen Euro.

Finanzvorstand Karl Hopfner verwies dennoch stolz darauf, dass der FCB den zweithöchsten Umsatz der Vereinsgeschichte erzielt habe.

Zum 30. Juni verfügte die FC Bayern München AG über 129,1 Millionen Euro an freien Mitteln (NEWS: FCB mit 129,1 Millionen Euro freien Mitteln).

Hopfner stolz auf Gewinn

"Trotz schwieriger Voraussetzungen - ich erinnere daran, dass wir in der vergangenen Saison keine zählbaren sportlichen Erfolge hatten und trotz der Finanz- und Euro-Krise - erzielten wir wieder einen Gewinn", sagte Hopfner.

Dieser Gewinn betrug 1,3 Millionen Euro nach Steuern, in der Vorsaison waren es noch 2,9 Millionen.

Zumindest zu diesen Zahlen gab es in der Jahreshauptversammlung keinen Diskussionsbedarf.

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