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Mario Götze (h.) spielt seit 2009 bei Borussia Dortmund © getty

Die Dortmunder feiern gegen die Münchner den dritten Sieg in Folge. Götze nutzt Boatengs Aussetzer, der FCB kommt nicht zu Recht.

Aus der Allianz Arena berichten Mathias Frohnapfel und Martin Volkmar

München - Die Frage nach der Vorherrschaft im deutschen Fußball bleibt weiter offen - genauso wie das Rennen um die deutsche Meisterschaft.

Mit taktischem Geschick und der Kaltschnäuzigkeit im rechten Moment eroberte Borussia Dortmund die Festung Allianz Arena und siegte in München mit 1:0 (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Das goldene Tor erzielte der auch von den Bayern umschwärmte Jungstar Mario Götze (65.).

Der amtierende Meister ist damit dem Spitzenreiter aus München bis auf zwei Punkte auf die Pelle gerückt.

"Das war richtig gut, richtig harte Arbeit!", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp, der im Moment des Abpfiffs wie ein Wilder gejubelt hatte: "So muss man spielen, wenn man hier was holen will. Da reichen keine 95 Prozent."

Bayern-Trainer Jupp Heynckes hatte eigentlich ein "typisches 0:0-Spiel" gesehen und befand: "Wir waren nicht nahe genug dran." Daher siegte der BVB, dessen Kapitän Sebastian Kehl sagte: "Wir haben fast gar nichts zugelassen. Das war ein geiles Ding!" 484426(DIASHOW: Der 13. Spieltag)

Lahm: "Zu wenig Bewegung"

Die Dortmunder reisen nun auch mit viel Schwung zum vorentscheidenden Champions-League-Gruppenspiel zum FC Arsenal, während der FCB zuerst einmal die Wunden eines angekratzten Selbstvertrauens pflegen muss.

"Der Sieg ist sehr, sehr wichtig, denn wir haben noch eine harte Woche vor uns mit zwei sehr wichtigen Spielen. Wir sind gut in die Woche gestartet und können selbstbewusst nach London fahren", stellte Torschütze Götze bei LIGA total! erfreut fest.

Bei den Bayern herrschte Ernüchterung. "Das Schlimme ist, dass wir heute eine riesige Chance hatten Dortmund davonzuziehen - das ist uns nicht gelungen. Es ist bitter, dass wir zuhause in solch einem Spitzenspiel nicht punkten konnten. Im Offensivspiel hatten wir heute viel zu wenig Bewegung", analysierte Bayern-Kapitän Philipp Lahm bei LIGA total!.

Robben zurück in der FCB-Startelf

Nach einer von beiden Seiten eher zurückhaltend geführten ersten Hälfte entwickelte sich ein ebenso ansehnlicher wie rasanter Schlagabtausch.

Jupp Heynckes hatte sein Team für das "Spiel des Jahres" im Vergleich zum 2:1-Erfolg in Augsburg auf mehreren Positionen umgestellt. Vor allem die Rückkehr von Arjen Robben in die Startformation freute die Bayern-Bosse.

Der Niederländer absolvierte nach seiner Leistenoperation die erste Partie seit dem 1. Oktober, dafür rückte Thomas Müller auf die zentrale Position in der offensiven Dreierreihe.

Toni Kroos erfüllte stattdessen erstmals in dieser Saison die Position als Sechser, unterstützt von Luiz Gustavo. Zudem startete Jerome Boateng nach seiner Sperre wieder in der Innenverteidigung.

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Dortmund mit gutem Start

Beim BVB spielte Marcel Schmelzer von Beginn an, obwohl den Linksverteidiger zuvor lange Wadenprobleme beeinträchtigten.

Davon war am Samstagabend nichts zu sehen, genauso wenig wie von allzu großem Respekt des BVB vor dem Rekordmeister. Die Dortmunder setzten ganz im Gegenteil auch in München auf ein frühes Pressing, beeindruckten den FCB damit vor allem in der Anfangsphase.

Der Lohn kam in Form einer frühen Ecke (4.) und einer doppelten Freistoßchance für Mario Götze. Doch das BVB-Supertalent vergab beide Gelegenheiten kläglich (10./11.).

Die Bayern kamen nun besser ins Spiel, was besonders dem enorm umtriebigen Franck Ribery und dem guten Auge von Mittelfeldlenker Toni Kroos zu verdanken war.

Schmelzer hat Robben im Griff

Auf der rechten Seite war Flügelflitzer Robben bei Schmelzer wie in Sicherheitshaft, die Folgen seiner Verletzung waren ihm noch deutlich anzumerken.

Dennoch war Robben an Bayerns bester Chance der ersten Hälfte beteiligt. Müller bediente ihn im Strafraum und Robben spielte von der Grundlinie klasse Ribery frei. Doch der Franzose schoss aus elf Metern überhastet übers Tor (29.).

Pech hatten die Münchner, als Mats Hummels reaktionsschnell in einen Vertikalpass von Kroos auf Gomez grätschte (39.).

Keine echte BVB-Chance bis zur Pause

Beide Teams zeigten ihre hohe technische Klasse, wobei sich die Dortmunder Offensive auf wenige Ausflüge Richtung Tor von Manuel Neuer beschränkten. Die Geistesblitze von Shinji Kagawa blieben rar.

Die ansehnlichste Gelegenheit der Dortmunder war somit auch kein Torschuss, sondern eine scharf geschnittene Flanke von Robert Lewandowski. Die klärte Rafinha vor dem heraneilenden Kevin Großkreutz in höchster Not (35.).

Neuer mit starkem Reflex

Nach der Pause erhöhten beide Teams das Tempo. Lewandowski hatte aber bei einem Kopfball genauso wenig Fortune wie auf der Gegenseite Gomez bei einem Schuss von der Strafraumkante (51., 53.).

Dann zeichnete sich Neuer mit einer klasse Parade aus, als er gegen den freistehenden Lewandowski parierte, den Kagawa elegant in Szene gesetzt hatte. Den Nachschuss setzte Götze um Zentimeter neben das leere Tor (58.).

Doch die Dortmunder Angriffslust trug wenig später Früchte.

Eingeleitet von Lewandowski steckte Kagawa im Strafraum den Ball weiter auf Götze. Und der BVB-Wirbelwind ließ sich dieses Angebot frei vor Neuer nicht entgehen und vollstreckte aus kurzer Distanz zur Führung (65.).

Vor allem Boateng wirkte in der Szene orientierungslos, hatte den hoch in die Luft geflogenen Ball aus den Augen verloren.

Abseitstreffer von Lewandowski

Heynckes reagierte und brachte gut 20 Minuten vor Spielende Ivica Olic und David Alaba (für Robben und Müller).

Die Dortmunder Fans waren indes schon völlig aus dem Häuschen, doch Lewandowski stand bei seinem vermeintlichen Erfolgserlebnis nach Zuckerpass von Götze im Abseits (73.).

Indes probierten es die Bayern auch mit der Brechstange zum Ausgleich zu kommen, Gustavos Hammer aus 30 Metern lenkte Roman Weidenfeller gerade so zur Ecke (75.).

Ribery hatte dann die 100 -prozentige Chance auf dem Fuß, scheiterte aber frei ebenfalls am BVB-Keeper. Heynckes beorderte nun Nils Petersen (für Rafinha) auf den Platz, was eine absolute Schlussoffensive einleiten sollte.

Und Petersen mühte sich um seine Möglichkeit, vermochte die Partie aber auch nicht drehen.

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