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Babak Rafati pfeift seit 2005 in der höchsten deutschen Spielklasse © dapd

Schock am 13. Spieltag: Schiedsrichter Babak Rafati unternimmt einen Selbstmordversuch, soll aber außer Lebensgefahr sein.

München/Köln - Theo Zwanzigers Gesicht ließ den Schrecken der letzten Stunden erahnen.

Der DFB-Präsident war nach dem Suizidversuch von Schiedsrichter Babak Rafati nach Köln geeilt und wollte sich vor Ort im Hyatt-Hotel persönlich informieren, nachdem der 41-Jährige in der Badewanne seines Hotelzimmers mit aufgeschnittenen Pulsadern gefunden worden war.

"Es war viel Blut dort", sagte Zwanziger, der aber zumindest weitgehend Entwarnung geben konnte: "Babak Rafati ist außer Lebensgefahr."

"Es ist eine außergewöhnliche Situation, wenn einer unserer Spitzenschiedsrichter einer Suizidversuch unternimmt", begründete Zwanziger, der ursprünglich zum Länderspiel der Nationalmannschaft nach Wiesbaden reisen wollte, seine Anwesenheit in Köln.

Die Bundesliga-Begegnung zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05, die Rafati als Unparteiischer leiten sollte, war aufgrund des Vorfalls abgesagt worden.

Fandel informiert Zwanziger

Zwanziger war durch Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel bereits wenige Minuten, nachdem Rafati von seinen Assistenten Holger Henschel, Patrick Ittrich und Frank Willenborg gefunden worden war, telefonisch über die dramatischen Geschehnisse unterrichtet worden.

Das Schiedsrichtergespann hatte den Freitagabend gemeinsam verbracht, am Samstagmorgen sei Rafati nicht zum Frühstück erschienen.

[kaltura id="0_l49ij0vr" class="full_size" title="Zwanziger Es gab viel Blut zu sehen "]

Das sei aber nicht ungewöhnlich gewesen.

Erst als er bei der für 13.30 Uhr anberaumten Vorbesprechung mit seinen Kollegen nicht erschienen wäre, hätten die Assistenten mit Hilfe des Hotelpersonals Rafatis Zimmertür geöffnet und den Bankkaufmann aus Hannover in der Badewanne vorgefunden.

Assistenten leisten erste Hilfe

"Wenn sich die Prognose als richtig erweist, dass der Zustand von Babak Rafati stabil ist, ist das vor allem ein Verdienst seiner Assistenten, die alles getan haben, ihm zu helfen", sagte Zwanziger.

Die Assistenten wurden nach ihrer polizeilichen Befragung seelsogerisch betreut.

Auch Rafatis Lebensgefährtin wurde unterrichtet und begab sich umgehend auf den Weg nach Köln ins Krankenhaus.

Noch keine Hintergründe bekannt

Über das Motiv für die Tat gab es bis zum frühen Samstagabend noch keine Erkenntnisse.

Zwar sind laut Zwanziger "Notizen gefunden worden", doch hätten die polizeilichen Ermittlungen noch zu keinen Erkenntnissen geführt. Trotzdem hofft der DFB-Präsident, dass "transparent wird, was zum Suizidversuch geführt hat, damit man ihm helfen kann".

Zwanziger fordert Umdenken

Überhaupt fordert Zwanziger ein Umdenken:

"Der Druck im Leistungssport ist ungeheuer hoch - und wir schaffen es einfach nicht, das in die richtige Balance zu bringen", sagte Zwanziger: Es gebe abseits des Leistungssports "viele andere liebens- und lebenswerte Facetten. Man darf sich nicht in eine so hineinbegeben, dass man in ausweglose Situationen gerät."

Zwanziger unterstrich zudem noch einmal, dass die Absage des Spiels zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 in seinem Sinne war: "Es war eine schwierige, aber auch richtige und angemessene Entscheidung. Ich denke, dass beide Mannschaften und die Fans dafür Verständnis haben", sagte Zwanziger.

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