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Gladbachs Torschützen Reus, Arango und Herrmann und Kapitän Daems (v.l.n.r.) © getty

Gladbachs Torjäger schießt sich in die Geschichtsbücher. Favre ist dennoch gereizt, Bremens Kapitän sauer auf die Kollegen.

Von Björn Seitner

München/Mönchengladbach - Die Gladbacher spielten nicht nur phasenweise brasilianisch, sie tanzten auch so.

Gleich mehrfach zeigten die Borussen ihre neue Jubelchoreographie, der dreifache Torschütze Marco Reus erklärte nach dem 5:0-Erfolg der Gladbacher gegen Werder Bremen (Bericht), woher die Inspiration für die spekatuläre Einlage stammte.

"Neymar hat das auch gemacht", sagte der überragende Reus und erwähnte dabei einen anderen Jungstar des Fußballs, der sich derzeit ebenfalls kaum vor Angeboten retten kann.

"Wir haben mit Dante ja auch einen Brasilianer bei uns in der Truppe. Er hat gesagt, wenn wir ein Tor erzielen, sollen wir das machen", erklärte der 21-jährige Matchwinner weiter 484426(DIASHOW: Der 13. Spieltag).

Den Tanz, den der brasilianische Superstar in Diensten des FC Santos in mehreren Internet-Videos zeigt, hat auch schon Cristiano Ronaldo kopiert. Ein weiterer Beweis für Reus' derzeitige Weltklasseform?

"Marco wird noch besser"

Gegen die völlig überforderten Bremer spielte sich die Borussia jedenfalls in einen Rausch - und Reus dürfte noch mehr in den Fokus der Topvereine rücken.

Mit mindestens zwei Toren in drei aufeinanderfolgenden Spielen ist er nun der einzige Gladbacher der Geschichte, der dieses Kunststück zustande brachte.

"Er wird noch besser und irgendwann mal das Zeug dazu haben, bei einer großen Mannschaft zu spielen. Wann das sein wird, sollte man der Situation und seiner Entwicklung überlassen. Man sollte ihn nicht verrückt machen", sagte Gladbachs Vorstandsmitglied Hans Meyer bei LIGA total!.

Favre reagiert gereizt

"Marco ist ein super Junge, es macht Spaß ihm zuzusehen", sagte in diesem Zusammenhang auch Sportdirektor Max Eberl.

Klarere Worte fand dagegen Erfolgscoach Lucien Favre.

"Sie müssen aufhören über Marco zu sprechen. Das erste Tor war das wichtigste für uns - das war Patrick Herrmann", erklärte er auf die Nachfrage eines Reporters, dass der Tempodribbler wohl immer begehrter werden würde:

"Marco ist ein Teil der Mannschaft. Er ist glücklich, hier zu spielen - und Punkt!"

Und vielleicht nimmt sich Reus Neymar nicht nur beim Jubeln als Vorbild, sondern auch bei der Vereinstreue.

Neymar verlängerte erst kürzlich beim FC Santos, obwohl ihm einige lukrative Angebote aus Europa vorlagen.

Höchster Sieg seit 17 Jahren

Der umworbene Reus, dessen Vertrag in Mönchengladbach noch bis 2015 läuft, konzentrierte sich ohnehin auf die sportliche Analyse des achten Saisonsiegs, durch den die "Fohlen" Bremen in der Tabelle überholten und nun hinter Dortmund und Bayern Dritter sind. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Uns fehlt noch einiges zu einer Spitzenmannschaft, aber das Ergebnis freut uns natürlich, wir hatten lange nicht mehr so ein Erlebnis", sagte er bei LIGA total!.

Genau genommen 17 Jahre nicht mehr: Am 24. September 1994 besiegte Gladbach den VfL Bochum mit 7:1.

Rochade in der Offensive

"Alle die heute für Borussia gefiebert haben, haben einen Festtag erleben dürfen", wusste auch Eberl um den besten Saisonstart seit 26 Jahren.

Grund für die Spitzenleistungen ist nicht nur die dank Favre gefestigte Defensive, sondern auch die Rochade in der Offensive.

"Dadurch bringen wir den Gegner immer in Unordnung", erklärte Torschütze Herrmann (16. Minute), der mit Juan Arango (traf in der 53.) gegen Werder ständig die Seiten tauschte.

"Der Trainer verlangt immer sehr viel von uns - auch im taktischen Bereich. Das zahlt sich aus", analysierte Stürmer Mike Hanke.

Bremen mit "katastrophaler Defensivleistung"

Während Gladbachs Märchen vom Fast-Absteiger zum Champions-League-Anwärter weitergeht, fiel Bremen wieder in die Muster der schwachen letzten Saison zurück.

"Es war eine katastrophale Defensivleistung", erklärte Kapitän Clemens Fritz: "Aber das betrifft nicht nur die Abwehrspieler, das geht den Sturm auch was an. Wir wollten die Räume eng machen, aber das ist uns nicht gelungen."

Vor allem die Innenverteidiger Sebastian Prödl und Andreas Wolf standen völlig neben sich.

Schaaf ist enttäuscht

Rechtsverteidiger Sokratis ließ sich zudem in der ersten Halbzeit zu einer unnötigen Geste gegen den Schiedsrichter-Assistenten hinreißen. In der 76. Minute zog er Herrmann bei einem Konter am Trikot zu Boden und musste mit Gelb-Rot den Platz verlassen.

"Heute hat man gesehen, dass es tüchtig daneben gehen kann, wenn man man dem Gegner immer nur hinterher rennt", erklärte Bremens Trainer Thomas Schaaf:

"Wir waren zehn Minuten gut - danach haben wir in den Zweikämpfen, was die Defensive angeht, nicht mehr stattgefunden."

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