Der Selbstmordversuch von Babak Rafati überschattet die Spitzenspiele. Den Umgang mit den Schiedsrichtern gilt es zu überdenken.

Es hätte ein Festtag des deutschen Fußballs werden sollen.

Die Top 4 der Bundesliga trafen in direkten Duellen aufeinander, der Großteil der besten deutschen Fußballer präsentierte sich nur wenige Tage nach der 3:0-Länderspiel-Gala gegen die Niederlande den Fans.

Das 1:0 von Borussia Dortmund bei Tabellenführer FC Bayern hielt den Ansprüchen an ein Spitzenspiel auch durchaus stand - und machte das Titelrennen zudem wieder spannender.

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Auch das 5:0 von Borussia Mönchengladbach gegen Werder Bremen war absolut bemerkenswert: Die "Fohlen"-Elf stürmt angetrieben vom überragenden Marco Reus in ungeahnte Höhen.

Und doch ist dieser Tag keiner, der als Festtag in Erinnerung bleiben wird. Sondern als ein Tag mit einem sehr schalen Beigeschmack, als der Tag, an dem Schiedsrichter Babak Rafati versuchte, sich das Leben zu nehmen.

Über die Gründe zu spekulieren, warum Rafati so verzweifelt war, dass er keinen anderen Ausweg mehr sah, als sich in einem Kölner Hotel die Pulsadern aufzuschneiden, verbietet sich.

Die Tatsache, dass Fälle von Burnout und Depressionen bei Fußballern seit dem Selbstmord von Robert Enke vor fast genau zwei Jahren immer häufiger an die Öffentlichkeit kommen, macht allerdings nachdenklich.

Babak Rafati stand des Öfteren wegen seiner Entscheidungen in der öffentlichen Kritik, wurde zuletzt vom DFB sogar nicht mehr auf die Liste der FIFA-Schiedsrichter gesetzt. Obwohl völlig ungewiss ist, ob diese Umstände irgendetwas mit seinem Suizidversuch zu tun hatten, gilt es, den Umgang mit Schiedsrichtern zu überdenken.

"Im Fußball sollte die Menschlichkeit im Vordergrund stehen. Schiedsrichter sind keine Maschinen. Sie sind auch nur Menschen. Es herrscht ein enormer Druck, wenn sie vor 60.000 oder 80.000 Zuschauern pfeifen", stellte der erst 21 Jahre alte Schalker Lewis Holtby weise fest.

An diesem verhinderten Festtag bleibt nur die Hoffnung, dass Babak Rafati wieder vollständig gesund wird, und vielleicht irgendwann die Rückkehr in die Stadien der Bundesliga schafft.

Und sei es nur als Zuschauer.

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