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Holger Badstuber (r.) holte 2010 mit den Bayern das Double © getty

Die Pleite gegen Dortmund schmerzt den FCB ungemein, Lahm fordert mehr Köpfchen. BVB-Trainer Klopp nennt sein Erfolgsrezept.

Aus der Allianz Arena berichten Mathias Frohnapfel und Martin Volkmar

München - Dortmunds Innenverteidiger Felipe Santana schlug vor lauter Übermut nach dem 1:0-Triumph (Spielbericht) einen Purzelbaum.

Dann hockte er sich zu den anderen BVB-Profis auf den Rasen, um sich vom schwarzgelben Anhang auf der Tribüne abfeiern zu lassen.

Philipp Lahm war in diesem Moment längst auf dem Weg in die Kabine.

Die Schlappe im wohl bedeutendsten Bundesligaspiel der Hinrunde nervte den Bayern-Kapitän gewaltig.

"Wir haben uns nicht gut bewegt gegen eine Mannschaft, die sehr organisiert spielt", stellte Lahm im Bauch der Allianz Arena fest.

Kroos erstmals als Sechser

Ohne den verletzten Bastian Schweinsteiger mühten sich die Bayern zwar, waren auch in der ersten Hälfte phasenweise feldüberlegen, zu vielen großen Chancen kamen sie aber nicht 484426(DIASHOW: Der 13. Spieltag).

Arjen Robben konnte im ersten Spiel nach seiner Leistenoperation wenig ausrichten, Thomas Müller wühlte im Offensivzentrum, verteilte die Bälle aber nicht wie Stratege Toni Kroos. 485008(DIASHOW: Die Teams in der Einzelkritik).

Der musste stattdessen sich erstmals in dieser Saison als Sechser im defensiven Mittelfeld beweisen.

Lahm vermisst Köpfchen

Die Umstellungen als Grund für die dritte Pleite in Folge gegen den BVB? Lahm schüttelte den Kopf.

"Wir haben ja nicht unser System verändert, sondern nur einige Positionen neu besetzt", erklärte er. "Toni hat auch in der Nationalmannschaft schon auf der Position gespielt. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen, dass wir nicht mit dem Kopf gespielt haben."

Und dann suchte Lahm noch nach irgendeinem positiven Aspekt. "Wir sind noch Tabellenführer", meinte er schließlich.

Allerdings sitzt der BVB den Bayern mit zwei Punkten Rückstand wie ein angriffslustiger Kobold im Nacken (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Badstuber fordert Hinterfragen

"Das darf uns nicht angreifen, es nervt uns aber schon", gestand Holger Badstuber im Gespräch mit SPORT1. "Jeder einzelne muss sich hinterfragen. Wir wollten unseren Vorsprung ausbauen, das ist nicht gelungen, das ist die Scheiße."

Wie bitter diese Pleite schmeckte, war deutlich am mit Sorgenfalten durchfurchten Gesicht des Nationalspielers abzulesen.

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So viel hatten sich die Bayern vorgenommen, so wenig war geglückt. "Dortmund ist auch keine Lachnummer", kommentierte Badstuber.

Robben erstaunt über Comeback

Ob es nun richtig war oder nicht, dass der langzeitverletzte Robben von Anfang an spielte, mochte Badstuber genauso wenig wie die Mitspieler bewerten.

Robben selbst freute sich zwar über sein Comeback, gab aber auch zu: "Normalweise fängt man von der Bank an und kann langsam in den Rhythmus kommen."

Und der Niederländer mäkelte indirekt in Richtung der Mitspieler: "Wir haben die rechte Seite nicht schnell genug gefunden." Auf rechts spielt bekanntlich der Flügelflitzer selbst.

[kaltura id="0_hugzrnl9" class="full_size" title="Doppelpass: Das Spitzenspiel FCB - BVB in der Analyse "]

Heynckes: "Es war sehr unglücklich"

Jupp Heynckes muss nun mit seiner Entscheidung Pro-Robben leben. Als spielentscheidend machte der Bayern-Trainer Schwächen in der "Rückwärtsbewegung" aus.

"Für mich war es ein typisches 0:0-Spiel, die Niederlage war sehr unglücklich", analysierte Heynckes auf LIGA total: "Ich suche keine Entschuldigung, es sind einfach oft Kleinigkeiten, die ein Spiel entscheiden."

Im konkreten Fall waren an dieser Kleinigkeit Jerome Boateng und BVB-Jungspund Mario Götze beteiligt.

Der Bayern-Verteidiger irrte durch die Nebelschwaden in der Allianz Arena, Götze behielt den Durchblick und erzielte das goldene Tor.

Götze staunt über kurioses Tor

Verschmitzt betrachtete der 19-Jährige sein Husarenstück. "Es war ein bisschen kurios im Strafraum, dann ist der Ball glücklicherweise zu mir gekommen."

Und der Ballmagnet erkannte natürlich die Wirkung dieses Erfolgs in München, den er als "sehr, sehr wichtig" einordnete.

In der "harten Woche" des BVB warten nämlich zwei weitere Kracher: Arsenal am Mittwoch (Spiel des Jahres in der Champions League) und Erzrivale Schalke 04 am Samstag (Ruhrpott-Spiel des Jahres).

Entsprechend viel Honig wollen die Schwarz-Gelben aus dem Sieg gegen den Rekordmeister saugen.

Klopp nennt Gründe für den Erfolg

"Den Ausschlag hat eine richtig gute Defensivleistung von uns gemacht", meinte Jürgen Klopp.

Und der BVB-Trainer verriet auch das Erfolgsrezept. "Wir haben das Spiel nach außen gedrängt. Dort konnten wir dann die Flügelspieler doppeln", sagte er auf "Sky".

Vom nächsten Titel-Coup und "Rubbel-die-Katz am Borsigplatz" wollte Klopp nichts wissen. "Das ist nicht unser Thema! Wir haben ein ganz schweres Auswärtsspiel vor der Brust in London."

Watzke setzt auf den Trend

In ähnlicher Gemütslage präsentierte sich Hans-Joachim Watzke. "Wir drehen bei einer Niederlage nicht durch, aber auch nicht bei einem Sieg", erklärte der BVB-Geschäftsführer auf SPORT1-Nachfrage.

"Der Trend geht seit Wochen nach oben", befand Watzke und fügte zugleich an: "Wenn du am Mittwoch verlierst, wird relativ schnell wieder gesagt, was man verkehrt gemacht hat."

Doch womöglich schlägt Santana in London ja auch den nächsten Purzelbaum.

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