Toni Schumacher beschäftigt sich in seiner SPORT1-Kolumne mit dem Suizidversuch von Rafati und kritisiert den DFB-Präsidenten.

Hallo Fußball-Fans,

Die Bundesliga steht nach dem 13. Spieltag unter Schock. Der Selbstmordversuch von Babak Rafati kurz vor der Partie 1. FC Köln gegen Mainz 05 in einem Kölner Top-Hotel bewegt ganz Fußball-Deutschland.

Wenn ein Mensch nur noch diesen einen "Weg" sieht und wählt, macht dies zutiefst nachdenklich.

Dies gilt aber auch für den Auftritt von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. Ich verstehe nicht, warum er in einer Pressekonferenz am Samstagabend im Kölner Stadion so offensiv und plakativ Einzelheiten verkündet hat.

Nach meinem Geschmack war dies einfach zu viel. Zu sehr wird mir nun auch in den ersten Stunden danach über mögliche Motive des Selbstmordversuchs von Rafati spekuliert.

War es der angebliche große Druck, dem Bundesliga Schiedsrichter in den Spielen ausgesetzt sind? Waren es berufliche Gründe? Rafati arbeitet ja bei einer Bank. Gab es private Ursachen, die ihn zu diesem Schritt veranlassten?

Diese Motiv-Spekulation verbieten sich für mich! Zuerst bleibt zu hoffen, dass sich der Gesundheitszustand von Babak Rafati sehr schnell stabilisiert. Es ist ihm zu wünschen, dass er bald wieder ganz gesund wird.

Ich hoffe, dass seine Familie und seine Lebensgefährtin stark genug sind, mit der schwierigen Situation umzugehen und ihm helfen können.

Hilfe, die wohl auch seine drei Assistenten gebrauchen können. Auch sie sind in einer Ausnahmesituation.

Sie haben in einem unglaublich emotionalen, aber auch schrecklichen Augenblick das Lebensnotwendige getan. Und so entscheidend dazu beigetragen, dass Babak Rafati bald außer Lebensgefahr war.

Wir sollten also einmal innehalten - und dies nicht nur für einen kurzen Augenblick. Wir sollten daran denken, dass alle Menschen Fehler machen.

Fußball wird zur Nebensache...

Da rückt der Sieg von Borussia Dortmund bei den Bayern in den Hintergrund. Natürlich wird die Bundesliga dadurch wieder spannender.

Natürlich freut es die Fans, dass Borussia Mönchengladbach mit Mega-Stürmer Reus solch einen frischen Offensiv-Fußball spielt. Klar tun Schalke 04 und das wieder erholte Leverkusen dem Spitzenkampf um die internationalen Plätze gut.

Doch das Wichtigste ist jetzt, dass der Mensch Babak Rafati gesund wird und zu alter Lebensfreude zurückfindet.

Mit den besten Wünschen

Euer Toni Schumacher

Der frühere Weltklasse-Torhüter Toni Schumacher arbeitet ab sofort wieder als Bundesliga-Kolumnist für SPORT1 und ist zudem TV-Experte bei LIGA total! Als Profi wurde der zweifache Fußballer des Jahres Deutscher Meister mit dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund, dreimal DFB-Pokalsieger und türkischer Meister mit Fenerbahce Istanbul. In seinen 76 Länderspielen gewann der heute 57-Jährige den EM-Titel 1980 und wurde zweimal Vize-Weltmeister.

Zum Forum - hier mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel