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Babak Rafati leitete bislang 84 Bundesligaspiele und 102 Zweitligapartien © getty

Referee Babak Rafati hat am Montag die Klinik verlassen und begab sich hinterher in stationäre, psychologische Behandlung.

München - Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati hat seinen Selbstmordversuch anscheinend aus privaten Gründen unternommen - die jüngsten Erkenntnisse aus den polizeilichen Ermittlungen schließen einen Zusammenhang mit den Auswüchsen des Fußball-Geschäfts aus.

"Es geht nicht um Überforderung im Fußball", sagte ein hochrangiger Ermittler, der sich auf die im Hotelzimmer durch Rafati zurückgelassenen Notizzettel bezieht, der "Kölnischen Rundschau".

DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des Selbstmordversuchs den Leistungsdruck im Fußball als wahrscheinliche Ursache in den Blickpunkt gerückt.

Unabhängig davon sucht Rafati nach seinem Selbstmordversuch professionelle Hilfe: Zwei Tage nach seiner Verzweiflungstat und wenige Stunden im Anschluss an seine Rückkehr aus Köln in seine Heimatstadt Hannover begab sich der Bundesliga-Schiedsrichter am Montag in stationäre Behandlung.

Behandlungsdauer offen

Laut einer Presseerklärung des DFB sei der Grund für Rafatis Entscheidung "nach Mitteilung seines Anwalts ein bei ihm diagnostiziertes Krankheitsbild, das diesen Schritt erforderlich erscheinen lasse. Wie lange diese Behandlung voraussichtlich andauern wird, sei derzeit noch nicht absehbar".

Zu den neuesten Aussagen der Ermittler in Köln sagte Schiedsrichter-Obmann Herbert Fandel: "Ich kenne die Hintergründe nicht, und solange das so ist, werde ich nichts dazu sagen."

Zuvor hatte der Verband den von Rafatis Anwalt übermittelten Wunsch des 41 Jahre alten Unparteiischen verbreitet, "in enger Abstimmung mit dem DFB die Vorgänge ganz in Ruhe aufarbeiten zu wollen".

Weiter hieß es, Rafati benötige dafür jetzt vor allem Zeit und Geduld. Er sei dem DFB und seinem Präsidenten sehr dankbar für die spürbare Unterstützung.

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Diskussion über Druck auf Schiedsrichter

Rafatis erste Schritte auf dem möglicherweise noch langen Weg zurück in die Normalität wurden zu Wochenbeginn begleitet von der Einstellung der polizeilichen Ermittlungen.

Die dramatischen Ereignisse vom vergangenen Samstag haben inzwischen ungeachtet ihrer Hintergründe über die deutschen Grenzen hinaus eine Diskussion über den Leistungsdruck auf die Spitzenreferees entfacht.

"Man sollte sich der Tatsache bewusst sein, was man anrichten kann, wenn man dem Schiedsrichter die Schuld gibt. Der Druck ist mitunter fast unerträglich und Kritik unser täglich Brot. Ich ermahne alle, mehr nachzudenken", sagte der 41 Jahre alte schwedische FIFA-Schiedsrichter Jonas Eriksson der Tageszeitung "Aftonbladet".

"Es ist ein tragischer Fall, aber ich sehe aus sportpsychologischer Sicht keinen systembedingten Hintergrund", meinte hingegen der Sport- und Sozialpsychologe Henning Plessner.

"Ein Schiedsrichter ist ebenso wie viele Manager und Vertreter anderer Berufe starkem Druck unterworfen. Aber darauf wird er im DFB professionell vorbereitet", erklärte Plessner, der sich in einer wissenschaftlichen Arbeit mit der Optimierung von Entscheidungsprozessen bei Schiedsrichtern beschäftigt hat, weiter.

Mierswa sieht den DFB in der Pflicht

Bei der Frage nach der Fürsorgepflicht für die Referees allerdings sieht Niedersachsens Schiedsrichter-Chef Wolfgang Mierswa den DFB grundsätzlich in der Pflicht.

Künftig sei es umso mehr Aufgabe der Schiedsrichter-Kommission des DFB und der Verbandsausschüsse, "dafür zu sorgen, dass unsere Schiedsrichter von uns gestärkt werden, wenn sie von der Öffentlichkeit respektlos behandelt werden".

Zudem hielt der frühere Erstliga-Schiedsrichter Rafatis Suizidversuch für "ein Alarmzeichen sondergleichen".

Er äußerte die Hoffnung, "dass diesmal nicht, wie nach dem Tod von Robert Enke, wieder zur Tagesordnung übergegangen wird".

Polizeiliche Ermittlungen vor dem Abschluss

Rafati, der am Samstag vor seinem geplanten Einsatz bei der Bundesliga-Partie zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 (Neuansetzung: 13. Dezember) mit aufgeschnittenen Pulsadern in der Badewanne seines Kölner Hotels aufgefunden worden war, war schon am Sonntagabend nach Hause zurückgekehrt.

"Ein Psychiater hat ihn beobachtet und untersucht, ob er noch gefährdet ist oder nicht, und dann ein Gutachten erstellt", erklärte Professor Christian Schmidt, der medizinische Geschäftsführer der Klinik in Köln-Holweide, dem "Express".

Auch die polizeilichen Ermittlungen stehen kurz vor dem Ende.

"Wir haben mehrere Hinweise auf einen Suizidversuch. Fremdverschulden kann nach wie vor ausgeschlossen werden", bestätigte der Kölner Polizeisprecher Andre Faßbender.

"Da es sich um keinen strafrechtlichen Aspekt handelt, ist der Fall aus polizeilicher Sicht erledigt. Es ist nun eine Angelegenheit der Mediziner."

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