vergrößernverkleinern
Markus Miller wechselte im Sommer 2010 von Karlsruhe nach Hannover © imago

Der 96-Keeper überwindet sein Burnout-Syndrom fühlt sich "neu aufgestellt" und trainiert wieder. Der Fall Enke hilft dabei.

Hannover - Er lächelte selbstbewusst in Dutzende Kameras, sprach in druckreifen Sätzen über seine Zwangspause und wirkte wie ein Vorbild für alle Profisportler mit ähnlichen Problemen.

Torhüter Markus Miller ist nach elfwöchiger Auszeit wegen eines akuten Burn-Out-Syndroms am Dienstag in die Öffentlichkeit zurückgekehrt - voller Optimismus und Überzeugungskraft.

"Ich fühle mich wieder wohl und bin neu aufgestellt, mit Elan und Leidenschaft", sagte der 29-Jährige am Mittag bei einer Pressekonferenz in der Hannoveraner WM-Arena.

Lässig in Jeans und ein graues Kapuzen-Sweatshirt gekleidet, ging Miller wie schon beim vorübergehenden Rückzug vom professionellen Fußball Anfang September offensiv und fast wie selbstverständlich mit seinen gesundheitlichen Problemen um:

"Es war richtig, alles öffentlich zu machen und bereue diesen Schritt nicht. Irgendwie waren es auch elf spannende und emotionale Wochen", sagte der Schlussmann, der seit 2010 bei den Norddeutschen unter Vertrag steht, in der Bundesliga für die "Roten" aber noch nicht zum Einsatz gekommen ist.

Enke hat eine Rolle gespielt

Das Drama um den Hannoveraner Nationaltorwart Robert Enke, der sich im November 2009 wegen akuter Depressionen das Leben genommen hatte, habe beim Umgang mit seiner Erkrankung durchaus eine Rolle gespielt.

"Auch wenn es vom Krankheitsbild nur geringe Parallelen gegeben hat", sagt Miller.

Wegen akuter mentaler Erschöpfung hatte sich Miller vor 78 Tagen in eine Privatklinik in Süddeutschland begeben, um sich therapieren zu lassen.

"War der Chef der Therapie"

Dabei habe er die Dauer und den Ablauf der medizinischen Maßnahmen selbst bestimmen dürfen: "Ich war immer der Chef der Therapie."

[kaltura id="0_liibw4lq" class="full_size" title="Fall Rafati Meyer bt Kritik"]

Zweifel an einem Comeback im Profifußball hatte er nach eigenem Bekunden nicht:

"Das war für mich nie eine Frage, denn Fußball war und ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben."

Miller genießt Rückkehr

Und so genoss der Keeper am Vormittag beim ersten Mannschaftstraining die Rückkehr in den Kreis der Kollegen.

"Es gab während meiner Auszeit eine Videobotschaft des Teams, die mir sehr gut getan hat", berichtete Miller, dem nach eigener Aussage "körperlich gar nicht so sehr viel fehlt."

Nun sei es sein sportliches Ziel, sich wieder einen Platz im 18er-Kader für die Spiele der Hannoveraner zu erkämpfen.

"Weg zurück immer möglich"

96-Sportchef Jörg Schmadtke freute sich über das Comeback des gebürtigen Allgäuers, der zwischen 2003 und 2010 183 Ligaspiele für den Karlsruher SC bestritt: "Dieses Beispiel zeigt, dass ein Weg zurück immer möglich ist.

Wir sind froh, dass Markus seine Probleme überstanden hat und hoffen, dass er schnell wieder zu seiner Form findet."

Während Miller den niedersächsischen Traditionsklub für sein Verhalten im Umgang mit ihm und seiner Erkrankung lobte, äußerte sich ein Experte kritischer.

"Nachhaltige sportpsychologische Betreuung wichtig"

"Die Vereine täten gut daran, verstärkt in eine nachhaltige sportpsychologische Betreuung zu investieren anstatt primär Feuerwehrmaßnahmen durchzuführen", sagte Christian Heiss, Sportpsychologe am Olympiastützpunkt Potsdam.

Miller jedoch sieht sich so gefestigt, dass er an einen Rückfall nicht glauben mag.

"Ich habe das Gefühl, dass der Zeitpunkt meiner Rückkehr genau der Richtige ist. Ich habe eine Lebensphase hinter mir, in der ich viel gelernt habe. Genau das will ich jetzt in der Praxis für mich umsetzen."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel