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Huub Stevens (l.) absolvierte für die PSV Eindhoven einst 293 Ligaspiele © dpa

Schalkes erfolgreicher Coach denkt vor dem Derby-Kracher gegen Dortmund an die Rente. Ex-Klub Red Bull attackiert er scharf.

Von Eric Böhm

München - Der "Jahrhunderttrainer" hat bisher ein fantastisches Comeback in Königsblau hingelegt.

Die Anhänger von Schalke 04 wählten Huub Stevens einst zu ihrer Nummer eins und werden anno 2011 eindrucksvoll bestätigt.

Der Niederländer hat in Rekordzeit aus einer talentierten, aber instabilen Mannschaft eine Einheit geformt, die in der Spitzengruppe mitmischt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vor dem mit Spannung erwarteten 139. Revierderby gegen Borussia Dortmund (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) macht sich Stevens in der "Sport Bild" aber schon Gedanken über den Ruhestand und sagt: "Schalke wird mein letzter Job sein."

Stevens: Mit 60 ist Schluss

Die Begründung für seine überraschende Ankündigung lieferte der 57-Jährige auch gleich hinterher.

"Ich werde es mir nicht antun, mit über 60 Jahren noch Trainer zu sein. Ich plane nur noch zwei, drei Jahre, dann ist Schluss", meint Stevens in einem Gespräch mit Fans.

Es wäre ein passender Abschluss für den bodenständigen Arbeiter, schließlich scheint er für den königsblauen Trainingsanzug, den er schon von 1996 bis 2002 äußerst erfolgreich trug, wie geschaffen zu sein.

Balance zwischen Abwehr und Angriff

Bis es soweit ist, hat er also noch etwas Zeit dem UEFA-Pokal-Triumph von 1997 und den beiden DFB-Pokalsiegen weitere Erfolge hinzuzufügen.

Den Grundstein hat er mit einer Erfolgsserie bereits gelegt - ihm gelangen seit dem Amtsantritt im September sieben Siege in zehn Pflichtspielen.

Zu der seit Saisonbeginn mit bereits 28 Toren groß auftrumpfenden Offensive - nur der FC Bayern erzielte in der Liga vier Treffer mehr - fügte er seine ureigene Prise Defensivdisziplin.

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Kein "Knurrer mehr"

Auf den jungen Keeper Lars Unnerstall zu vertrauen und den manchmal ungestümen Kyrgiakos Papadopoulos in die Viererkette zu ziehen, erwiesen sich als gelungene Schachzüge.

Im Vergleich zu seiner ersten Amtszeit auf Schalke hat der ehemalige "Knurrer aus Kerkrade", der eigentlich aus Sittard kommt, eine gewisse Lockerheit im Umgang mit dem Team und den Medien entwickelt, die sich augenscheinlich positiv auswirkt.

"Da wurde in der Vergangenheit auch viel übertrieben. Damals wurde ich in diese Schublade gesteckt. Trotzdem lernst du über die Jahre, gewisse Dinge nicht überzubewerten", erzählt der Coach.

Holtby heiß aufs Derby

Das Duell mit dem Erzrivalen wird aber auch für Stevens zum echten Gratmesser. Gegen den starken Titelverteidiger wird sich zeigen, ob Schalke schon eine Spitzenmannschaft ist.

"Es ist das Highlight des Jahres. Alle sind richtig heiß drauf. Ich freue mich wahnsinnig auf mein erstes Derby", sagt beispielsweise Lewis Holtby auf SPORT1-Nachfrage 485428(DIASHOW: Tops und Flops des 13. Spieltages).

Der Mittelfeldspieler tritt unter Stevens noch stärker auf und drückt dem Spiel von der Sechserposition seinen Stempel auf.

Stevens bangt um Farfan

Während die "Knappen" kurzfristig auf dem richtig Weg scheinen, gibt es mittelfristig einige Fragezeichen. So laufen die Verträge der Schlüsselspieler Raul und Jefferson Farfan aus.

Der Trainer macht sich über das Geschäft keine Illusionen: "Beide fühlen sich wohl, aber wenn ein Verein viel Geld auf den Tisch legt, wechseln die Spieler. Das ist Realität."

Kritik an Red Bull

Das ist aber nicht die einzige Schattenseite seines Berufes. Die Entlassung bei Red Bull Salzburg hat der Ex-Nationalspieler der Niederlande noch nicht verdaut.

"Dem Verein fehlt die Fußball-Einsicht. Es ist zwar ein großer Konzern, aber sie vergessen, dass Menschen keine Rennmaschinen sind wie in der Formel 1. Menschen ticken anders, das bedarf Zeit", kritisiert Stevens.

Von Mateschitz enttäuscht

Auch der allmächtige Konzernchef bekommt sein Fett weg.

"Mit Dietrich Mateschitz hatte ich bis zu meiner Entlassung ein gutes Verhältnis. Danach hatte ich es viermal telefonisch bei ihm probiert - doch bis heute ist er nicht erreichbar. Das hat mich enttäuscht", sagt Schalkes neuer, alter Trainer.

Der Trainingsanzug passt auch besser ins Ruhrgebiet als zum "Brause-Imperium".

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