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Mittelfeldspieler Lewis Holtby kehrte 2011 aus Mainz nach Schalke zurück © getty

Der Schalker steht vor dem brisanten Revierderby gegen Dortmund im Mittelpunkt. Sein langer Erfahrungstrip trägt bereits Früchte.

Von Barnabas Szöcs

München - Den 8. August 2009 wird Lewis Holtby vermutlich nie vergessen.

In seinem 1. Bundesliga-Einsatz für Schalke übersah der damals 18-Jährige beim Stande von 2:1 gegen Nürnberg während eines Konters sämtliche Mitspieler, setzte stattdessen zu einem waghalsigen Kunstschuss von der Mittellinie an - und scheiterte.

Das unerfreuliche Resultat folgte auf dem Fuß: Nach einem beachtlichen Wutausbruch seines Trainers Felix Magath an der Seitenlinie bekam Holtby eine leistungsbezogene Zwangspause von drei Bundesliga-Partien.

Acht weitere Hinrunden-Einsätze absolvierte Holtby noch im Dress der "Knappen", bevor er zur Winterpause nach Bochum ausgeliehen wurde. Ein halbes Jahr später schickte ihn Schalke dann weiter nach Mainz, das nächste Kapitel seiner "Erfahrungsreise".

Nach eineinhalb Jahren ist Lewis Holtby zurück auf Schalke - und zwar gewaltig!

Holtby - der Leistungsträger

Vor dem 139. Revierderby gegen Borussia Dortmund (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) ist der mittlerweile 21 Jahre alte Mittelfeldspieler zu einem unverzichtbaren Leistungsträger im System von Trainer Huub Stevens gereift, ist Dreh- und Angelpunkt im Schalker Zentrum.

Beim klaren 4:0-Sieg gegen Nürnberg am vergangenen Spieltag lief fast jede Aktion über den Mann im zentralen defensiven Mittelfeld. Zur Krönung erzielte Holtby sogar noch das letzte Tor der Partie 485428(DIASHOW: Tops und Flops des 13. Spieltages).

Lob für Holtby

Er führt seine Leistungssteigerung auch auf seinen Nebenmann im defensiven Mittelfeld zurück: Jermaine Jones.

"Er hat mich richtig herangeführt an meine Ro9lle. Wir kommunizieren viel im Spiel, coachen uns gegenseitig. Das macht es mir einfach, wenig Fehler zu machen", lobt Holtby seinen 30-jährigen Mitspieler.

Und auch wenn es niemand zugeben wollte: Das Spiel gegen den Club war nur eine Art Vorbereitungsspiel für das Derby (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Richtig geiles Spiel"

Verständlich, dass für ihn das Ruhrpott-Duell nicht früh genug kommen kann: "Das wird ein richtig geiles Spiel", fiebert Holtby auf der Vereins-Website der prestigeträchtigen Partie entgegen: "Das Derby gegen die 'Anderen' ist für jeden Schalker das Highlight das Jahres. Die gesamte Mannschaft ist richtig heiß."

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Bayern-Jäger unter sich

Zusätzliche Würze verleiht dem Spiel die Tabellensituation: Mit Dortmund als Zweiter (26 Punkte) und Schalke als Vierter (25) ist das ohnehin schon brisante Revier-Derby gleichzeitig das absolute Topspiel des 14. Spieltags, das direkte Aufeinandertreffen der Bayern-Jäger.

Ein Reiz, der auch Holtby elektrisiert: "Das Schöne ist: Es ist in dieser Saison ein Spiel auf Augenhöhe. Mit einem Sieg könnten wir uns ganz oben festbeißen. Es wäre ein Big Point."

Allerdings sind die Voraussetzungen für den "Big Point" alles andere als gut.

Schalke weiterhin ohne Zwei

Einerseits gehen die Dortmunder nach dem Sieg gegen Bayern München mit viel Selbstvertrauen ins Kracherspiel. Andererseits muss die Stevens-Truppe - wie schon gegen Nürnberg - auf Kapitän Benedikt Höwedes und Flügelflitzer Jefferson Farfan verzichten.

Entsprechend viel wird bei Schalke auch von Holtby abhängen.

Alles halb so wild, wenn es nach dem Schalker Strippenzieher geht: "Auch ohne sie [Höwedes und Farfan, Anm., d. Redaktion] können wir den BVB überraschen", gibt sich Holtby im Interview mit "Der Westen" selbstsicher, zeigt sogar Parallelen zwischen Revier-Schlacht und DFB-Pokal auf: "Ein Derby steht unter völlig anderen Vorzeichen, es hat seine eigenen Gesetze."

Für Holtby führt der Weg zum Triumph über ganz elementare Eigenschaften: "Wir müssen den Gegner fußballerisch, läuferisch und kämpferisch übertrumpfen."

Zweiter Anlauf nach Erfahrungs-Trip

Er selbst weiß mittlerweile, wie hervorragend sich die Leih-Odyssee auf seine Einstellung ausgewirkt hat.

Das beweisen einerseits seine zwei Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft.

Wesentlich häufiger jedoch stellt Holtby seine gesammelte Erfahrung bei den Königsblauen unter Beweis - die er vor allem unter Thomas Tuchel in Mainz angehäuft hat.

"Für 'n Tanz hat's gereicht"

Seinen Ruf als Spaßvogel bewies der Ex-Mainzer, wo er zusammen mit Andre Schürrle und Adam Szalai die "Bruchweg-Boys" bildete, zuletzt auf Facebook. Nach seinem Tor samt Tänzchen gegen Nürnberg postete er: "Geiler Sieg, endlich wieder ein Tor..Körper ist k.o., aber für 'n Tanz hat's gereicht."

Danach lässt er eine knappe Prognose folgen: "Nächste Woche?DERBYSIEG!!!"

Wie süß sich Derbysiege, ja sogar Siegtreffer, anfühlen, weiß Holtby nur zu gut: Im Duell mit dem 1. FC Kaiserslautern vergangene Saison gelang Holtby mit Mainz der Siegtreffer zum 1:0.

Das Siegtor gegen Dortmund wäre aber eine ganze Nummer größer: "In dieser Partie ein Treffer zu erzielen wäre riesig", schwärmt Holtby.

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