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Thomas Müller (r.) und Anatoliy Tymoshchuk kämpfen um die begehrten Mittelfeld-Plätze © imago

Der Bayerncoach hat ein hochkarätiges Luxusproblem: einen 183,5 Millionen Euro teuren Mannschaftsteil. Müller opfert er vorerst.

Vom FC Bayern berichtet Julian Buhl

München - Jupp Heynckes arbeitet zwar nicht im Bellagio-Hotel in Las Vegas, sondern an der Säbener Straße in München.

Wenn es um die Aufstellung seines Mittelfelds geht, dürfte sich der Bayern-Trainer momentan dennoch wie ein Chefcroupier an einem hochkarätig besetzten Roulette-Tisch fühlen.

Addiert man die Marktwerte der acht ernsthaftesten Bewerber um die fünf zu vergebenden Plätze, jongliert Heynckes dabei mit Einsätzen von 183,5 Millionen Euro.

Obwohl es sein größter Mannschaftsteil ist, dürfte Heynckes die Entscheidung derzeit auf keiner anderen Position so schwer fallen.

Müller Opfer des Roulette-Spiels

Und das, obwohl der verletzte Bastian Schweinsteiger (Schlüsselbeinbruch) seinen Stammplatz erst wieder nach der Winterpause beanspruchen wird.

Neustes und prominentestes Opfer von Heynckes's Roulette-Spiel heißt: Thomas Müller.

Der Nationalspieler erhielt im Champions-League-Spiel gegen Villarreal (Bericht) "eine schöpferische Pause" und fand sich auf der Bank wieder. 486304(DIASHOW: 5. Spieltag)

Van-Gaal-Doktrin gebrochen

Heynckes bricht damit eine von seinem Vorgänger Louis van Gaal ausgegebene Doktrin ("Müller spielt immer"), die mit Ausnahme des Qualifikations-Hinspiels für die Königsklasse gegen Zürich bislang auch bei ihm galt.

Müller sei trotzdem "ein absoluter Stammspieler", versicherte der Bayern-Trainer und rechtfertigte seine Maßnahme als "natürliche Rotation".

"Wie wir alle wissen, hat Bayern 2001 unter dem größten "Rotateur" Ottmar Hitzfeld die Champions League gewonnen. Und wenn man 3:1 gewinnt, hat man alles richtig gemacht", sagte Müller im Interview mit SPORT1.

Für Müller rückte Toni Kroos auf die Spielmacherposition zwischen Franck Ribery links und Arjen Robben rechts in die offensive Dreierreihe.

Kroos überzeugt als Regisseur

Gegen Dortmund (0:1) war Heynckes die Problematik noch umgangen, indem er Kroos als defensiver ausgerichtete Sechser aufstellte.

Zurück auf der Zehn überzeugte der von der UEFA zum "Man-of-the-Match" ausgezeichnete Kroos gegen Villarreal als Regisseur der Bayern unter anderem mit zwei Torvorlagen für Ribery.

Der Franzose bedankte sich mit einem Plädoyer für seinen Mitspieler: "Er gibt gute Pässe. Die Nummer Zehn ist für mich Toni Kroos. Es ist besser für mich, wenn er dort spielt."

[kaltura id="0_3vfyyyxj" class="full_size" title="Ribery Robben ist sehr wichtig "]

Planspiele mit einem "Sechser"

Sowohl für Müller als auch für Heynckes sei das "keine einfache Situation", meinte der Franzose: "Ich hoffe, wir bekommen keine Probleme in unserer Gruppe."

Um genau das zu umgehen, tüftelt Heynckes möglicherweise sogar an einer Taktik mit vier offensiv ausgerichteten Mittelfeldleuten und nur einem "Sechser" als Absicherung.

"Vielleicht sind wir dann zu offensiv", kommentierte Ribery dieses Planspiel und liefert gleich einen potenziellen Lösungsansatz dafür: "Dann müssen wir alle defensiv noch mehr mithelfen."

Lob für Alaba

Gegen Villarreal ließ Heynckes Anatoliy Tymoshchuk gemeinsam mit David Alaba im defensiven Mittelfeld auflaufen.

Vor allem der 19-jährige Alaba erhielt viel Lob. "Ich bin sehr froh für ihn, er ist ein lustiger Junge, ein guter Spieler", sagte Ribery auf SPORT1-Nachfrage.

Das sieht auch Mannschaftskapitän Philipp Lahm so: "David Alaba spielt auch in Österreichs Nationalmannschaft. Dass er ein sehr guter Spieler ist, das steht außer Frage."

Robben-Pause möglich

Da Tymoshchuk nach seiner Roten Karte in der Bundesliga noch zwei Partien zuschauen muss, hat Alaba gute Chancen auch am Sonntag (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) in Mainz wieder in der Startelf zu stehen - wohl mit Luiz Gustavo als neuem Partner an seiner Seite.

Robben erhält nach zwei Spielen von Beginn an möglicherweise eine Pause. Auch wenn Heynckes betont, dass "für Robben Spielpraxis sehr wichtig ist", könnte der Trainer das gut damit begründen, indem er darauf verweist, den Star nicht überbelasten zu wollen.

Mit der Bekanntgabe seiner Aufstellung läutet Heynckes jedenfalls die nächste Runde in seinem Mittelfeld-Roulette ein. Dann heißt es wieder: "rien ne va plus - nichts geht mehr."

Die millionenschweren Einsätze sind gemacht.

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