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Babak Rafati leitete bislang 84 Bundesligaspiele und 102 Zweitligapartien © imago

Erstmals seit dem Selbstmordversuch nennt Referee Babak Rafati Gründe und spricht von "ständiger Angst, Fehler zu machen".

München - Babak Rafati hat sein Schweigen gebrochen.

Sechs Tage nach seinem Selbstmordversuch in einem Kölner Hotel stellte der Schiedsrichter über seinen Anwalt Sven Menke am Freitagmittag klar, die "tatsächlichen Beweggründe" seiner Tat lägen in einer `Depressions-Erkrankung".

Keine privaten Gründe, auch keine familiären Probleme hätten ihn vergangenen Samstag dazu getrieben, sich die Pulsadern aufzuschneiden.

"Es ist ein dringendes Anliegen von Herrn Rafati, diesen falschen Eindruck zu korrigieren", teilte Menke schriftlich mit.

Die Depressions-Erkrankung sei erst in den vergangenen Tagen von den behandelnden Ärzten diagnostiziert worden, hieß es weiter.

Seit eineinhalb Jahren krank

In der Stellungnahme von Menke, die dieser nach eigenen Angaben "auf ausdrücklichen Wunsch von Babak Rafati" veröffentlichte, steht aber auch:

Der Fußball-Schiedsrichter war dem Leistungsdruck nicht mehr gewachsen. Die mit der Depressions-Erkrankung einhergehenden Symptome seien nach Rafatis "persönlicher Einschätzung" vor etwa eineinhalb Jahren erstmals aufgetreten und hätten sich seither in ihrer Intensität immer weiter verstärkt.

"Im persönlichen Empfinden von Herrn Rafati wurde vor allem ein wachsender Leistungsdruck für ihn als Schiedsrichter und der damit verbundene mediale Druck in Kombination mit der ständigen Angst, Fehler zu machen, zu einer immer größeren Belastung."

Richtige Einschätzung von Zwanziger

Diese Belastung, heißt es in der Stellungnahme weiter, hätten Rafati "irgendwann selbst Alltagsprobleme unlösbar erscheinen lassen", er habe sich diesen am Ende "nicht mehr gewachsen gefühlt".

Dies hatte dann am Samstag dazu geführt, dass Rafati vor dem Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz 05 einen Selbstmordversuch unternahm.

Seine Assistenten Patrick Ittrich, Holger Henschel und Frank Willenborg hatten den Schiedsrichter kurz nach 13.30 Uhr in seinem Zimmer entdeckt.

Am Nachmittag hatte Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), den "ungeheuren Druck auf unsere Schiedsrichter" bereits als möglichen Auslöser der Tat ins Gespräch gebracht.

Polizei liegt falsch

Am Montagnachmittag hatte die Kölnische Rundschau unter Berufung auf einen hochrangigen Ermittler der Kölner Polizei berichtet, private Probleme seien der Auslöser für Rafatis Tat gewesen.

Der Beamte bezog sich dem Bericht zufolge auf die Notizzettel, die in Rafatis Hotelzimmer gefunden wurden.

"Es geht nicht um Überforderung im Fußball", sagte der Polizist laut Kölnischer Rundschau. Noch am gleichen Tag teilte der DFB nach Absprache mit Menke mit, Rafati habe sich in stationäre Behandlung begeben.

Zudem verbreitete der Verband den von Rafatis Anwalt übermittelten Wunsch, "in enger Abstimmung mit dem DFB die Vorgänge ganz in Ruhe aufarbeiten zu wollen".

Robert-Enke-Stiftung werde helfen

Der DFB teilte am Freitagnachmittag mit, er begrüße "ausdrücklich die Entscheidung von Babak Rafati, sich offen zu seiner Depressions-Erkrankung zu bekennen und in Ruhe fachärztlich behandeln zu lassen."

Es sei ein "wichtiger und richtiger Schritt", sagte Präsident Zwanziger. Zugleich sicherte er Rafati zu, der Verband werde ihn "mit all unseren Möglichkeiten unterstützen".

Dem Schiedsrichter stünden zudem "selbstverständlich auch die Hilfsangebote der Robert-Enke-Stiftung zur Verfügung, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2010 mit dem komplexen Krankheitsbild Depressionen beschäftigt."

Rafatis Beispiel zeige erneut, wie wichtig die Arbeit der Stiftung sei.

"Der Druck ist bestialisch"

Thomas Broich, der vor wenigen Jahren selbst mit Depressionen zu kämpfen hatte, sagte: "Ich nehme wohlwollend zur Kenntnis, dass man damit mittlerweile an die Öffentlichkeit gehen kann. Früher hieß es oft, die verdienen so viel Geld, die müssen damit umgehen können. Aber der Druck ist so bestialisch."

"In der Öffentlichkeit hat sich mittlerweile das Bewusstsein durchgesetzt, dass es doch ein krasser Job ist. Wenn vor 20 Jahren jemand damit an die Öffentlichkeit gegangen wäre, wäre der als Weichei verunglimpft worden", glaubt Broich.

Rafati will wieder Referee sein

Nach Mitteilung seines Anwalts am Freitag hat sich Rafati nun entschieden, mit seiner Krankheit "offen umzugehen und sich ihr zu stellen."

Der 41-jährige Niedersachse mit iranischen Wurzeln werde sich in fachärztliche Behandlung begeben, um die Ursachen der Depressions-Erkrankung therapieren zu lassen.

"Wie lange dies dauern wird, ist derzeit nicht absehbar", heißt es in der Mitteilung von Menke.

Eines steht darin auch: Babak Rafati wünsche sich, dass er am Ende einer erfolgreichen Therapie "in sein normales Leben" zurückkehren könne - "auch als Schiedsrichter".

Der DFB teilte darüber hinaus mit, dass sich sein Präsidium auf seiner nächsten Sitzung am 2. Dezember intensiv mit der aktuellen Situation und dem Gesamtkomplex des deutschen Schiedsrichterwesens befassen werde.

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