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Mike Hanke (M.) bejubelte gegen Köln seine ersten beiden Saisontreffer für Gladbach © getty

Trotz der Galavorstellung in Köln hebt bei der Borussia niemand ab. Kölns Torwart kritisiert die Einstellung seines Teams.

Aus Köln berichtet Thorsten Mesch

Köln - Sie wehrten sich nach Kräften, die Spieler von Borussia Mönchengladbach.

Gerade hatten sie den 1. FC Köln im rheinischen Derby in dessen Stadion nach allen Regeln der Kunst mit 3:0 zerlegt und sich an die Spitze der Bundesligatabelle geschossen, doch übertriebene Euphorie wollte deshalb niemand aufkommen lassen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir sind keine Spitzenmannschaft", sagte Doppeltorschütze Mike Hanke. 487703(DIASHOW: Der 14. Spieltag)

"Uns fehlt noch eine ganze Menge"

"Ich denke, es fehlt uns noch eine ganze Menge bis zur Spitzenmannschaft", meinte Patrick Herrmann, der an allen drei Treffern beteiligt war.

"Platz eins ist für die Fans schön und auch für uns ein schönes Gefühl, aber wir wissen, dass wir weiter arbeiten und kämpfen müssen", erklärte Shootingstar Marco Reus in der Mixed Zone des Kölner Stadions.

Für Gladbach war das Derby nach Hankes 3:0 kurz nach der Pause nur noch ein besseres Trainingsspiel.

Unterhaltsamer Freißstoß

Als die Borussia in der 78. Minute einen Freistoß zugesprochen bekam, stritten sich Reus und Hanke um die Ausführung.

"Mike hatte schon getroffen, und ich wollte ihn auch mal reinhauen. Deshalb waren wir uns ein bisschen gestritten. Dann habe ich gesagt, 'komm, lass uns schnell Schnick-Schnack-Schnuck machen'", erzählte Reus.

"Ich habe leider verloren", verriet Hanke: "Marco hat Stein genommen, ich hatte Schere." (EXKLUSIV: Mike Hanke im SPORT1-Interview)

Die gute Laune konnte auch nicht dadurch getrübt werden, dass sich Reus während der Partie den kleinen Zeh des linken Fußes brach und zumindest in den nächsten Tagen etwas kürzer treten muss. (News)

Gladbach kann oben mithalten

Zumindest für einen Tag standen Hanke, Reus und Co. an der Spitze.

Auch wenn Dortmund am Samstag vorbeizog, bleibt ihnen die Gewissheit, eine herausragende Mannschaft zu haben, die zumindest momentan ganz oben mithalten kann.

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"Es ist natürlich hervorragend, wenn man auf die Tabelle schaut. Aber es ist nur eine Momentaufnahme, die Saison ist noch sehr lang", sagte Hanke

"Tabellenführung ohne Stellenwert"

"Die Tabellenführung hat überhaupt keinen Stellenwert. Wir dürfen nicht anfangen zu träumen", schlug Torwart Marc-Andre ter Stegen in die gleiche Kerbe.

"Nach 13 Spieltagen sind wir Tabellenführer. Wir sind extrem zufrieden, das ist klar", sagte Trainer Lucien Favre, der vor lauter Freude einen Spieltag unterschlug und der den Höhenflug seines Teams, das vor wenigen Monaten noch haarscharf dem Abstieg entronnen war, kaum fassen konnte.

"Es ist unglaublich, wenn man bedenkt, wo wir vor fünf Monaten gestanden haben", mfreute sich der Schweizer.

Brasilianer Dante warnt

Abwehrchef Dante, der sich nach dem Klassenerhalt im Mai seine schwarzen Wuschellocken abrasieren ließ, mahnte zur Bescheidenheit.

"Schön sind die 29 Punkte, die wir jetzt haben, aber ich sage immer: Wir müssen erst 40 Punkte holen und danach können wir an etwas anderes denken."

Den Kölnern wurde bei der bitteren Heimniederlage von den Gladbacher deutlich vor Augen geführt, dass es für sie in erster Linie um den Kampf gegen den Abstieg geht.

Podolski mit Abschiedsgedanken

Die FC-Profis waren in allen Belangen unterlegen, zeigten sich aber immerhin als faire Verlierer.

"Den Tabellenplatz, auf dem sie jetzt stehen, haben sie verdient. Der Abstand zu uns war deutlich zu sehen", lobte Kölns Nationalspieler Lukas Podolski die Borussia. Für seinen eigenen Klub hatte er weniger positive Worte übrig.

"Wir müssen uns immer nach unten orientieren, jede Saison. Ich kenne das ja, das Ziel ist der Klassenerhalt. Daran hat sich nichts geändert. Klar sind meine Ziele andere", brachte er seine Unzufriedenheit über die Kölner Situation deutlich zum Ausdruck.

Erneut kokettierte der 26-Jährige mit seinen Wechselabsichten. "Ich mache mir jeden Tag Gedanken über alles", sagte er. Podolskis Vertrag in Köln läuft bis 2013.

"Keine Eier in der Hose"

Auch Michael Rensing nahm kein Blatt vor den Mund. "Wir haben unter aller Sau gespielt", schimpfte der Torwart bei LIGA total!.

"Wir haben keine Eier in der Hose. Man kann einen schlechten Tag haben, aber so wie wir aufgetreten sind, sang und klanglos untergehen, das geht gar nicht", wetterte der Keeper.

"Nach dem 0:1 ist bei uns wieder das typische Phänomen aufgetaucht: In einer schwierigen Situation brechen wir auseinander, weil uns teilweise auch die Qualität fehlt - das man muss einfach so sagen."

Verletzungen und fehlender Matchrhythmus

Die fehlenden Qualität bei Köln ist allerdings teilweise auf Verletzungspech zurückzuführen:

"Wir haben viele Verletzte und Profis, die zuletzt kaum gespielt haben, mich eingeschlossen. Das war sicher mit ausschlaggebend", erklärte Kapitän Pedro Geromel im Gespräch mit SPORT1, ohne dies jedoch als Ausrede nutzen zu wollen.

Riesenkluft zwischen beiden Teams

Köln und Mönchengladbach. Lange war der Unterschied zwischen beiden Teams nicht mehr so groß wie am Freitagabend.

Köln spielte wie ein Absteiger - und Gladbach, auch wenn sie es vielleicht nicht gerne hören, wie eine Spitzenmannschaft.

Und am kommenden Wochenende kommt es am Niederrhein zum Spitzenspiel gegen Dortmund.

"Wir spielen als nächstes gegen den Deutschen Meister", sagte Marco Reus, "dann müssen wir die gleiche Form zeigen wie heute."

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