vergrößernverkleinern
Andreas Ivanschitz erzielte in bisher 47 Liga-Spielen für die Mainzer neun Tore © getty

Vor dem Bayern-Spiel spricht Andreas Ivanschitz bei SPORT1 über fehlende Stammplätze und die Chancen gegen den Rekordmeister.

Von Matthias Becker

München - Zwei Pflichtspiele hat der FSV Mainz 05 seit Mitte August gewonnen - und beide Male war der umjubelte Mann Andreas Ivanschitz.

Im Pokal schoss der Österreicher die Rheinhessen in der Verlängerung in Hannover ins Achtelfinale, beim 3:1-Erfolg gegen den VfB Stuttgart vor drei Wochen erzielte er das 2:1 selbst und bereitete das 3:1 vor.

Da die Partie in Köln vergangene Woche unter dem Eindruck des Selbstmordversuchs von Schiedsrichter Babak Rafati abgesagt wurde, haben die Nullfünfer seit drei Wochen kein Spiel absolviert.

Vor der Partie gegen den FC Bayern (ab 17.15 Uhr im LIVE-TICKER) sieht Ivanschitz in der dreiwöchigen Spielpause aber kein Problem, spricht im SPORT1-Interview über seinen persönlichen Aufschwung und erklärt, wie es gegen den Rekordmeister zu einem Sieg reichen kann.

SPORT1: Herr Ivanschitz, vergangenes Wochenende wurde das Spiel in Köln wegen des Selbstmordversuchs von Babak Rafati abgesagt. Wie haben Sie diese außergewöhnliche Situation erlebt, wie ist die Mannschaft damit umgegangen?

Andreas Ivanschitz: Die Mannschaft war schon sehr geschockt, als uns im Stadion die Gerüchte von den Ereignissen erreicht haben. An Fußball war da natürlich erst einmal nicht zu denken. Das ist ein dramatisches persönliches Schicksal. Ich wünsche Babak Rafati, dass er schnell wieder auf die Beine kommt.

SPORT1: Durch den Spielausfall liegt das letzte Ligaspiel nun schon drei Wochen zurück. Ist diese Unterbrechung im Rhythmus ein Nachteil gegen die Bayern?

Ivanschitz: Sicher ist eine so lange Spielpause mitten in der Saison ungewöhnlich. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Pause für uns ein Nachteil sein muss. Es liegt ja an uns zu demonstrieren, dass wir die laufende Trainingswoche gut genutzt haben.

[kaltura id="0_3vfyyyxj" class="full_size" title="VIDEO: "Robben ist sehr wichtig""]

SPORT1: Nach dem Spiel gegen Stuttgart haben Sie gesagt, es täte der Mannschaft gut, mal wieder so einen "dreckigen Sieg" eingefahren zu haben. Hat sich das Team auf die veränderte Tabellensituation nach zwei Erfolgsjahren jetzt endgültig eingestellt?

Ivanschitz: Es gab überhaupt keinen Grund das eigene Verhalten umzustellen. Wir haben im Erfolg unser Verhalten nicht vom Tabellenplatz abhängig gemacht, aber auch nicht, als es nicht so gut lief. Wir haben nie geträumt und sind immer sehr realistisch und selbstkritisch mit uns umgegangen. Es war genau der richtige Weg, sich auf die eigene Leistung zu konzentrieren. Die hat auch schon vor dem Sieg gegen den VfB Stuttgart gestimmt.

SPORT1: Mit welchen Maßnahmen haben Sie dieses Umdenken hinbekommen?

Ivanschitz: Wie gesagt, ein Umdenken war überhaupt nicht nötig. Es ging vielmehr darum, nun wirklich auch die letzten Reserven heraus zu kitzeln, um die Negativserie zu durchbrechen. Die Mannschaft ist in dieser Zeit noch enger zusammen gerückt. Daher glaube ich, dass wir gestärkt aus dieser Phase hervorgehen.

SPORT1: Sie selbst haben in den letzten Wochen klar ansteigende Form gezeigt, sind bisher bester Mainzer Torschütze. Haben Sie Ihren Stammplatz wieder sicher?

Ivanschitz: Wer uns seit zweieinhalb Jahren beobachtet, der weiß, dass es bei uns keine fest vergebenen Stammplätze gibt. Jeder Spieler muss sich in jeder Trainingswoche seine Nominierung hart erarbeiten. Und selbst wenn die Leistung im Training stimmt, kann es auch mal aus taktischen Erwägungen des Trainers heraus einmal nicht zum Platz in der Startformation reichen. Das ist für uns kein Problem, weil wir einen sehr homogenen Kader haben.

SPORT1: Gerade gegen Stuttgart hat Trainer Thomas Tuchel viel mit Ihnen kommuniziert. Sind Sie sein verlängerter Arm, nachdem mit Schürrle, Holtby und Fuchs drei Leistungsträger der Vorsaison fehlen?

Ivanschitz: Ich spüre grundsätzlich die Wertschätzung von Thomas Tuchel in jeder Trainingswoche und denke schon, dass er mit mir viel kommuniziert. Als verlängerten Arm des Trainers würde ich mich aber nicht bezeichnen.

SPORT1: In der Länderspielpause durften Sie nach dem Trainerwechsel endlich mal wieder für Österreich ran. Was bedeutet Ihnen diese Nominierung, gibt Sie vielleicht sogar noch einen Schub für die Liga?

Ivanschitz: Ich habe immer betont, dass es mir sehr viel bedeutet für mein Heimatland zu spielen. Entsprechend groß ist natürlich meine Freude, dass sich meine Geduld zu warten und mich durch Leistung weiter anzubieten nun ausgezahlt hat. Es tut gut, wieder im Kreis der Nationalmannschaft zu sein.

SPORT1: Zurück zum Spiel am Sonntag: Dortmund hat gezeigt, wie es gegen die Bayern geht: Hohe Laufbereitschaft und leidenschaftliches Verteidigen. Das sind Attribute die Mainz eigentlich auch mitbringt, oder?

Ivanschitz: Ohne diese Eigenschaften braucht kein Gegner gegen die Bayern anzutreten. Wir sind nicht so naiv zu glauben, wir könnten uns spielerisch auf Augenhöhe bewegen.

SPORT1: Was macht Sie optimistisch, dass es gegen die Bayern wie letztes Jahr zu einem Sieg reichen könnte?

Ivanschitz: Der Heimsieg gegen den VfB Stuttgart hat uns unheimlich gut getan, wir haben Selbstbewusstsein getankt. Für uns und unsere Fans war er eine richtige Erlösung. Wir müssen uns gemeinsam in die Stimmung bringen, die Bayern ärgern zu können. Klar ist aber, dass bei uns sportlich vieles zusammenpassen muss und die Bayern nicht ihren allerbesten Tag erwischen dürfen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel